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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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In einer im Anschluss an die Kaiserkrönung (n. 79) stattfindenden Versammlung (conventus) wird (1) in Anwesenheit Papst Johannes' XIX. und Kaiser Konrads II. der Konflikt zwischen Mailand und Ravenna diskutiert (n. 79, n. 95, n. 96); (2) der englischdänische König Knut, vom Kaiser und den aus ganz Italien Anwesenden durch Geschenke geehrt, erreicht in Verhandlungen von Kaiser Konrad II., König Rudolf (III. von Burgund) und den anderen Fürsten für die Untertanen seines Reiches die Reduzierung von Zöllen und freies Geleit auf dem Weg nach Rom, und erlangt (3) vom Papst eine Reduzierung des von den Erzbischöfen aus Knuts Herrschaftsbereich zu entrichtenden Palliengeldes sowie Abgabenfreiheit für die Schola Saxonum in Rom; die Versammlung entscheidet (4) strittige Fragen im Zusammenhang mit der Exemtion Clunys.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Urkunde P. Johannes' XIX. n. 82; Brief des Königs Knut (von 1027) (Insert: Florentius von Worcester, Chr. [Thorpe I 185] und Wilhelm von Malmesbury, Gesta reg. Angl. [Stubbs, SS rer. Brit. 90/1, 221]; Mansi, Conc. XIX 499; Whitelock, Councils I 506); Commemoratio superbie Ravennatis archiep. (MG SS VIII 12f.; Regesta Norvegica n. 26); Ingulph, Hist. 1031 (Fulman, SS rer. Angl. I 59); Florentius von Worcester, Chr. (ThorpeI 185); Simeon von Durham, Hist. regum § 132, (Arnold, SS rer. Brit. 75/2, 157); Wilhelm von Malmesbury, Gesta reg. Angl. (Stubbs, SS rer. Brit. 90/1, 221); Heinrich von Huntingdon, Hist. Angl. 1031 (Arnold, SS rer. Brit. 74, 188); Radulf von Diceto, Abbrev. Chr. 1031 (Stubbs, SS rer. Brit. 68/1, 175); Gervasius von Canterbury, Gesta regum (Stubbs, SS rer. Brit. 73/2, 57); Roger von Howden, Chr. 1031 (Stubbs, SS rer. Brit. 51/1, 88f.); Matthäus Paris, Chr. maiora 1031 (Luard, SS rer. Brit. 57/1, 507); Flores Historiarum 1049 (Luard, SS rer. Brit. 95/1, 567); Walter von Coventry, Memoriale 1031 (Stubbs, SS rer. Brit. 58/1, 49); Livre des Reis de Engleterre 1031 (Glover, SS rer. Brit. 42, 108); Chr. Mailrosensis 1021 (Stevenson 45); Chr. Hulmensis (Ellis, SS rer. Brit. 13, 20); Ann. de Dunstaplia 1031 (Luard, SS rer. Brit. 36/3, 11f.); Ranulf Higden, Polychr. (Lumby, SS rer. Brit. 41/7, 130); Chr. Angl. Petribrugense 1031 (Giles, SS monastici VIII 44); Richard von Cirencester, Speculum hist. III 33 (Mayor, SS rer. Brit. 30/2, 179).  Reg.: IP I 151 n. *2 (zu 1026); Chevalier, Régeste dauphinois I 285 n. 1697; Santifaller, Verzeichnis 50 n. *32; Christensen/Nielsen, Diplomatarium Danicum I/1 n. 422; Böhmer/Appelt, Regesten Konrads II. n. 73d und f; JL *4077.  Lit.: Bresslau, Konrad I 146ff.; Fabre, Étude sur le Liber Censuum 134f.; Hunt, English Church I 393f.; Previté Orton, History of Savoy 26f.; Mann, Popes V 220, 225ff.; Moore, Saxon Pilgrims 116f.; Schieffer, Heinrich und Konrad 426; Deanesly, Anglo-Saxon Church and Papacy 122f.; Barlow, English Church 299; Seegrün, Skandinavien 59ff.; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 113ff.; Wolter, Synoden 327f.; Moberg, Battle of Helgeå 4, 7f.; Trillmich, Konrad 217, 222ff., 230ff.; Hudson, Cnut 356f.; Michael Kenneth Lawson, Cnut (London 1993) 217; Erkens, Konrad 86; Wolfram, Konrad 122f.

Kommentar

Als Teilnehmer des "Fürstenkonventes" nennen die Quellen Papst und Kaiser, der Brief Knuts bezeugt seine eigene und die Anwesenheit Rudolfs III. von Burgund (vgl. auch n. 78), der principes gentium a monte Gargano usque ad istud proximum mare sowie von vier Erzbischöfen und 20 Bischöfen, vor welchen Papst, Kaiser und König die Verhandlungsergebnisse beschwört hätten. Im Großen und Ganzen dürften die Teilnehmer mit jenen der Synode n. 95 identisch sein, doch sind dort erheblich mehr Prälaten aufgeführt und die Könige Knut und Rudolf offenbar nicht mehr anwesend. Als Begleiter des burgundischen Königs bei Kaiserkrönung und Konvent nimmt Previté Orton Humbert von Savoyen an. –  (1) Obwohl Arnulf von Mailand (Liber gestorum II 2 [Zey, MG SS rer. Germ. 67/1994, 147]) zufolge ein conventus diversarum undique gentium, episcoporum quoque ac saecularium principum presidente papa Iohanne schon bei der Ankunft Konrads II. in Rom (n. 76, n. 95) versammelt war, dürfte es sich dabei eher um ein formloses Treffen zur Begrüßung des Königs als eine geordnete Versammlung gehandelt haben. Alle anderen Quellen berichten über eine oder mehrere Versammlungen im Anschluss an die Kaiserkrönung; so informiert die Commemoratio über eine Zusammenkunft nach der Krönung (facta imperiali consecratione in unum omnes convenere), bei der die Kontroverse zwischen den beiden norditalischen Metropoliten diskutiert worden sei; allerdings ist hier wohl an eine mehrtägige Veranstaltung gedacht (cumque super hac re in longum protraherent sermonem). –  (2) Ausdrücklich eine Versammlung an Ostern, also dem Tag der Kaiserkrönung, erwähnt Knut im Brief an Prälaten und Volk Englands (magna congregatio nobilium in ipsa paschali solemnitate ... cum d. papa Johanne et imperatore Cuonrado) (laut Florentius von Worcester), doch deuten alle Angaben darauf hin, dass die Verhandlungen mehrere Tage gedauert haben müssen. Die dem König dargebrachten Geschenke bestanden derselben Quelle zufolge v. a. aus wertvollen Kleidungsstücken und Kultgegenständen (laut Ranulf Higden, Polychr. [Lumby, SS rer. Brit. 41/7 134] brachte er aus Rom außerdem eine Hl.-Kreuz Reliquie, die vermutlich ein Geschenk des Papstes war). Der politische Erfolg bestand im Wesentlichen aus den für Dänen und Engländer erreichten und von König Rudolf und dem Kaiser garantierten Reiseerleichterungen, welche jedoch laut Flores Historiarum durch ingenti dato precio erkauft waren. –  (3) Ähnlich dürfte es sich mit den vom Papst erlassenen Pallienzahlungen verhalten haben, da die englischen Quellen auch die ingentia dona in auro et argento (Florentius) an den hl. Petrus erwähnen. Die Befreiung der römischen Schola der Sachsen von Abgaben wird im Brief des Königs nicht eigens erwähnt, aber von den englischen Quellen in direktem Zusammenhang mit seinem Besuch als einer der Erfolge der Reise geschildert; eine weitere Ursache dieser finanziellen Erleichterung für die englische Kirche dürfte in der vom König in seinem Brief nach England angeordneten Entrichtung des Peterspfennigs (antequam ego Angliam veniam ... sint persoluta ... denarii, quos Romae ad s. Petrum debemus) zu suchen sein, welche demnach auch bei dieser Versammlung besprochen worden sein wird (die Flores Hist. paraphrasieren: cum denariis s. Petri, quod anglice Romscot nuncupatur). Am deutlichsten sprechen Heinrich von Huntingdon und die Chr. Hulmensis davon, dass Knut den von seinen Vorgängern unregelmäßig gezahlten Peterspfennig (Ole Jensen, Der englische Peterspfennig, Heidelberg 1903, 25ff.; Maschke, Peterspfennig 28ff.) zu einer jährlichen Abgabe gemacht habe (vgl. n. †279). –  (4) In n. 82 Johannes' XIX. vom 28. März 1027 wird ebenfalls eine Versammlung erwähnt, welche zwischen der Kaiserkrönung an Ostern (26. März) (n. 79) und der römischen Synode (n. 95), genauer dem Ausstellungsdatum des Schreibens n. 82 am 28. März angesetzt werden muss: in conventu Rome congregatis in presentia d. Conradi regis, divi augusti, nuper ... coronati. Da jedoch der Zeitpunkt der Kaiserkrönung mit nuper bezeichnet wird, ist anzunehmen, dass dieser conventus, der sich mit der Frage der Exemtion Clunys befasst hat (vgl. n. 82, n. 83, n. 84, n. 85, n. 86), nicht am selben Tag, sondern am 27. bzw. 28. März getagt hat. Somit ist eine Dauer dieser Versammlung vom 26.-28. März wahrscheinlich. Möglicherweise ist der zweite Verhandlungspunkt der Synode n. 70 hier einzuordnen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 80, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1027-03-26_4_0_3_5_1_80_80
(Abgerufen am 28.07.2017).