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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Johannes XIX. bestätigt (concedimus et confirmamus) dem Bischof Petrus von Silva Candida (Petro ... episcopo Silue Candide ecclesie) wunschgemäß und entsprechend den Privilegien früherer Päpste dessen Bistum samt allen Kirchen, Kapellen und Besitzungen, mit Leuten, Rechten sowie allem anderen Zubehör, insbesondere namentlich genannte Güter in exakt beschriebenen Grenzen, darunter Besitz in Nepi, zwanzig Meilen von Rom (in territorio Nepesino miliario ab urbe Rome XX), Boccea mit der Kathedrale der hl. Rufina und Secunda (fundum ... qui vocatur Buxus, in quo basilica sanctarum Rufine et Secunde), Güter in und bei Silva Candida, zwölf Meilen von Rom (in territorio Silue Candide miliario ab urbe Roma plus minus XII), das Mühlenrecht am Fluss Galeria, alle Pfarrkirchen des Bistums mit sämtlichem Zubehör (omnes plebes et ecclesias parrochiasque), in Rom die Kirche der hl. Rufina und der hl. Secunda beim Lateran, die Marienkirche beim Augustusmausoleum mit allem Zubehör sowie die fünf Klöster am Vatikan: S. Stephanus maior, S. Stephanus minor, S. Johannes und Paul, S. Martin (de Portico) und Jerusalem (ecclesiam s. Rufine et Secunde ... iuxta palatium nostrum ... s. Marie ... non longe a monte qui Augustus dicitur ... monasteria quinque, s. Stephani maioris et minoris sanctorumque Johannis et Pauli et b. Martini atque Jerusalem ... iuxta magnam ecclesiam s. Petri); <überlässt und reserviert ihm sämtliche Weihen in der Peterskirche und der gesamten Leostadt (omnemque consecrationem ... in ... ecclesia s. Petri ... tota civitate Leonina), die Feier der Taufe und der ganzen Liturgie des Karsamstages am Hochaltar von St. Peter sowie alle in der Zeit zwischen der dritten Stunde des Karsamstages, als Zeitpunkt des Beginns der Liturgie, und dem Ende der Ostermesse dem hl. Petrus dargebrachten Oblationen; beauftragt ihn, jährlich am Palmsonntag eine Palmprozession von S. Maria in Turre (im Vatikan) zum Hochaltar von St. Peter durchzuführen und dort Messe zu feiern, jährlich am Gründonnerstag am Hochaltar von St. Peter Messe zu feiern mit Gloria und Chrisamweihe sowie zu einer weiteren Messfeier am Karfreitag, weil die an diesen Tagen dort gefeierte Liturgie von der allgemein üblichen abweiche; überlässt ihm die während dieser Feierlichkeiten anfallenden Oblationen, verleiht ihm die kirchliche Gerichtsbarkeit über die Leostadt (potestatem ... tocius civitatis Leoniane), das Recht des ersten Platzes bei der Kaiserkrönung, jenes der liturgischen Vertretung des Papstes in der Leostadt sowie den Besitz der Kirche der hl. Adalbert und Paulinus auf der Tiberinsel als Wohnung und unterstellt ihm deren Klerus (ecclesiam ss. Adelberti et Paulini ... in insula Licaonia)>. – Convenit apostolico moderamini pia religione ...Scr. pm. Georgii not. reg. atque scrin. SRE in mense Dec. et ind. ... X.Dat. XVI. kal. Jan. pm. Bosonis ep. s. Tiburtine eccl. et bibl. SAS, dat. II. kal. Jan. pm. Benedicti ep. Portuensis et vice Peregrini Coloniensis archiep., bibl. SAS, a. pont. d. nostri Johannis, summi pont. et universalis XIX. pape, in sacratissima sede b. Petri apostoli tertio, mense Dec., ind. X.

Überlieferung/Literatur

Orig.: – .  Insert: Urkunde P. Gregors IX. 1236 September 24 (Potthast –; Auvray, Registres de Grégoire IX, II 590 n. 3548) Rom, Arch. Vat., Reg. Vat. 18 fol. 241v.  Kop.: 1) 17. Jh., Rom, Bibl. Vat., Fondo Arch. S. Pietro, Cod. H. 61 fol. 113v; 2) 16. Jh., Rom, Bibl. Vat., Cod. Vat. lat. 12535 fol. 156 (fragm.).  Erw.: Urkunde P. Benedikts IX. n. 203.  Drucke: Ughelli, Italia sacra I 108; I2 93; Mabillon, Museum italicum II (Paris 1689) 154; Cocquelines, Bull. Rom. I 334; Moretti, Ritus dandi 66 (fragm.); Bull. Vat. I 17; Luigi Martorelli, Storia del clero Vaticano (Rom 1792) 92; Marini, Papiri dipl. 73; Tomassetti, Bull. Rom. I 535; Urlichs, Cod. urbis Romae 204 (fragm.); Migne, PL 141, 1125; Galante, Fontes iuris canonici 459; Hinschius, Kirchenrecht I 330 (fragm.); Zimmermann, PUU II 1078 n. 569.  Reg.: Georgisch, Regesta I 339 n. 11; J 3099; Auvray, Registres de Grégoire IX, II 590 n. 3549; IP I 139 n. 18; IP II 26 n. 3; Kopczynski, Arengen 35; Santifaller, Elenco 341; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe 35 n. 25c.; Santifaller, Verzeichnis 52 n. 36; Santifaller, LD 119; GP VII 54 n. 135; JL 4076.  Lit.: Cappelletti, Chiese d'Italia I 512f.; Bresslau, Papyrus 27; Fabre, Offrandes 227; Borino, Elezione 234; IP I 144; Mann, Popes V 236; Hülsen, Chiese 384; Santifaller, Elenco 135; Kuttner, Cardinalis 196f.; Elze, Sacrum Palatium 47, 53; Bresslau, Urkundenlehre ³I 221; Hinschius, Kirchenrecht I 330f.; Cattaneo, Vita commune 244; Maccarrone, Storia della cattedra 12f.; Toubert, Structures du Latium II 1316; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 18; Schmidt, Alexander 74; Whitton, Papal Policy 300; Maccarrone, Primato Romano 687ff., 721; Maccarrone, Cathedra di S. Pietro 1327; Kortüm, Urkundensprache 172ff., 356; Francesco Boanelli,Formello (Roma): Un centro minore dell'Etruria meridionale alla luce delle nuove indagini archeologiche (secc. IX-XVI) (Archeologia medievale 24/1997, 269-282) 269f.; Johrendt, Papsttum und Landeskirchen 178.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. IP (dort auch weitere, inzwischen unleserliche bzw. unauffindbare Hss.), Santifaller, Verzeichnis und Zimmermann, PUU. Die nur durch Insert in ein Privileg Gregors IX. überlieferte Urkunde war, wie daraus hervorgeht, im Original auf Papyrus ausgestellt. Das Privileg ist unterzeichnet durch die suburbikarischen Bischöfe Tedald von Velletri, Tedald von Albano, Dominicus von Labico, Petrus von Palestrina und Petrus von Ostia, den Kardinalpresbyter Stephan von S. Cecilia, den Archidiakon Benedikt, den Diakon Hugo, den Kardinal Petrus von (S. Lorenzo in) Damaso, den Diakon Crescentius und den Subdiakon Johannes sowie den gleichnamigen Kardinal von S. Marco und je einen gleichnamigen Diakon, Subdiakon und Kardinalpresbyter von S. Callisto, einen Diakon Crescentius, den Abt Rudolf von S. Lorenzo (in Castello Aureo), den Kardinalpresbyter Johannes von S. Grisogono und die Diakone Franco und Rainer (Tebaldo Bellitrensis ... ep. ..., Theobaldus ... Albinensis ..., Dominicus ... Lauicanensis ..., Petrus Penestrine ..., Petrus ... Ostiensis ..., Stephanus presbiter tit. Cecilie, Benedictus archidiac., Vgo diac., Petrus card. tit. Damasi, Crescentius diac., Johannes subdiac., Johannes card. tit. s. Marci, Johannes ... diac., Johannes subdiac. de Mira, Johannes presbiter tit. s. Calisti in Transtiberim, Crescentius diac., Rodulfus ... presbiter et abbas ex monasterio s. Laurentii ... in Clusura, Johannes presbiter card. tit. s. Grisogoni, Franco diac., Rainerius diac.). Diese Personen stimmen weitgehend mit dem Teilnehmerkreis an der Synode vom 14. Dezember 1026 (n. 70) und den Subskribenten der Urkunde für Silva Candida vom selben Tag überein (n. 71). –  Das Privileg weist eine doppelte Datierung auf: Dat. XVI. kal. Jan. pm. Bosonis ep. s. Tiburtine eccl. et bibl. SAS, und unmittelbar darauf dat. II. kal. Jan. pm. Benedicti ep. Portuensis et vice Peregrini Coloniensis archiep.; also datiert am 17. Dezember der Bibliothekar und suburbikarische Bischof Boso von Tivoli (wie die Urkunde n. 71), während am 31. Dezember eine Datierung durch den Bischof Benedikt von Porto in Vertretung des Erzkanzlers Pilgrim von Köln erfolgte. Ob von einer zweifachen Datierung auszugehen oder aber in der Datumszeile ein Kopistenfehler anzunehmen ist, muss offen bleiben. Das Formular des Dokumentes folgt der Urkunde Sergius' III. für das Bistum (vom 23. Mai 905, JL 3535; IP II 25 n. 1; Zimmermann, PUU I 36 n. 22), verwendet daneben aber auch den Liber diurnus. Nachurkunde ist n. 203. –  Inhaltlich handelt es sich um eine Besitzbestätigung mit umfangreicher Auflistung der Güter der Diözese; auf der Tiberinsel erhält Silva Candida die Adalbertskirche, wogegen erwähnt ist, dass die dortige Johanneskirche dem Bistum Porto untersteht (quemadmodum habere videtur Portuensis ecclesia s. Johannum inter duos pontes) (vgl. n. 64). Darüber hinaus werden die liturgischen Funktionen des Bischofs in Rom festgestellt und ihm die Stellvertretung des Papstes dort verliehen. Insbesondere wird ihm vorgeschrieben, am Palmsonntag eine Palmprozession in der Peterskirche zu veranstalten und am Gründonnerstag dort eine hl. Messe mit Gloria zu feiern; Benedikt IX. merkt in seiner Urkunde n. 203 für Silva Candida an, dass erst sein Vorgänger Johannes XIX. diese Feiertage liturgisch aufgewertet habe. –  Während Zimmermann, PUU, unter dem Vorbehalt, dass die Kopie bzw. Inserierungen nicht sehr sorgfältig durchgeführt wurden, noch von der Echtheit ausging, nimmt Kortüm vermutlich zutreffend weitreichende Interpolationen an, welche die Rechte in der Leostadt, die dortigen liturgischen Rechte und Pflichten in der Karwoche und Ostern, die Oblationen, das Domizil auf der Tiberinsel und die Position bei der Kaiserkrönung umfassten; vgl. auch n. 71. Zum Datar vgl. n. 101 und n. 141.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 72, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1026-12-17_1_0_3_5_1_72_72
(Abgerufen am 24.01.2017).