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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Johannes XIX. (ego Johannes divina providentia nonusdecimus papa Romanus) berichtet über eine durch den von ihm geweihten (n. 53) Bischof Petrus von Silva Candida (Rufine et Secunde Petrum ... episcopum) vor eine von zahlreichen genannten Teilnehmern besuchte Synode im Lateran (nos ... residentes in ecclesia s. Siluestri, qui est infra palatium Lateranense) (vgl. n. 70) getragene Kontroverse zwischen den Klerikern von S. Nicola in Galeria und S. Andrea (presbiteri s. Nicholai in Galeria ... presbiteri ... s. Andree), bei deren Untersuchung sich herausstellte, dass beide Kirchen nicht das sonst übliche Drittel (terciam) ihrer Einnahmen an den Bischof entrichteten, sondern eine der Kirchen nur 14 Solidi, die andere 30 Denare (quatuordecim solidos ... triginta denarios); nach Befragung der Anwesenden habe die Synode gegen den Wunsch des Bischofs Petrus, den ursprünglichen Streit zu schlichten, die Entscheidung gefällt, dass beide genannte Kirchen und alle anderen des Bistums Silva Candida über ihre bisherigen Abgaben hinaus den sonst üblichen Satz von einem Drittel ihrer Einnahmen an den Bischof abzuführen hätten und Zuwiderhandelnde mit dem Anathem belegt seien; daraufhin habe er selbst den Bischof und dessen Nachfolger in die Abgaben mit dem Stab investiert (ego virga investivi episcopum Petrum ... de universa tertia omnium ecclesiarum). – Ego Johannes divina providentia nonusdecimus ...Dat. XIX. kal. Jan. pm. Bosoni ep. s. Tyburtine eccl. et bibl. SAS.Ego Stephanus D. gratia scrin. SSA scripsi.

Überlieferung/Literatur

Orig.: – .  Insert: Urkunde P. Gregors IX. 1236 September 24 (Potthast–; Auvray, Registres de Grégoire IX, II 598 n. 3563) Rom, Arch. Vat., Reg. Vat. 18 fol. 253v.  Kop.: 1) 17. Jh., Rom, Bibl. Vat., Fondo Arch. S. Pietro, Cod. H. 61 fol. 187; 2) 16. Jh., Rom, Bibl. Vat., Cod. Vat. lat. 12535 fol. 156v (fragm.).  Drucke: Ughelli, Italia sacra I 114; ²I 98; Mansi, Conc. XIX 487; Marini, Papiri dipl. 71; Migne, PL 141, 1132; Zimmermann, PUU II 1075 n. 568.  Reg.: J 3098; Auvray, Registres de Grégoire IX, II 598 n. 3564; IP II 25 n. 2; Santifaller, Elenco 341; Santifaller, Geschichte der Beschreibstoffe 35 n. 25b; Santifaller, Verzeichnis 51 n. 35; JL 4075.  Lit.: Bresslau, Papyrus 27; Hefele/Leclercq, Hist. des Conc. IV/2, 947; Schwartz, Bistümer Reichsitaliens 255, 258, 268f.; Borino, Elezione 233f.; Tangl, Teilnehmer 123f.; Kares, Chronologie 21f., 24; Kehr, Älteste PUU Spaniens 29; Ganahl, Kirchliches Verfassungsrecht 46f.; Jordan, Päpstliche Verwaltung 131f.; Elze, Sacrum Palatium 47; Bresslau, Urkundenlehre ³I 221; Santifaller, Verbalinvokation 100; Partner, Lands of St. Peter 75; Toubert, Structures du Latium II 1036, 1316; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 18; Schmidt, Alexander 137; Whitton, Papal Policy 51.

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. IP (dort auch weitere inzwischen unleserliche und unauffindbare Hss), Santifaller, Verzeichnis und Zimmermann, PUU. Die nur durch Insert in ein Privileg Gregors IX. überlieferte Urkunde war im Original auf Papyrus ausgestellt. Das mit einer trinitarischen Verbalinvokation beginnende Dokument ist ohne Verwendung des Liber diurnus verfasst, da es sich um ein Synodalinstrument handelt. Der Papst berichtet darin über die Vorgänge der Synode in teilweise direkter Rede und Ich-Form. Zum Geschehen bei der Synode und deren Teilnehmern vgl. n. 70. –  Das Instrument ist unterfertigt vom (römischen) Archidiakon Benedikt, den Bischöfen Petrus von Palestrina, Benedikt von Porto, Petrus von Ostia, Tedald von Albano, Boso von Tivoli (Datar und Bibliothekar), Johannes von Orte, Benedikt von Anagni, Johannes von Bieda, Benedikt von Cerveteri, Rainer von Nepi (so zurecht von Zimmermann, PUU identifiziert) sowie Bischof Amatus, Kapellan des Papstes (zu ihm: Borino, Quando e dove 233; Haider, Anfänge der päpstlichen Kapelle 55f., 65f.), sowie (den Kardinalpresbytern) Petrus von S. (Lorenzo in) Damaso, Franco von S. Sisto und Johannes von S. Marcello und von den Kardinaldiakonen Rainer von S. Giorgio (in Velabro), Gregor von S. Lucia, dem Secundicerius Benedikt sowie dem Nomenklator Crescentius und dem Skriniar Stephanus (Benedictus archidiac. interfui ... Petrus ep. Prenestinus ... Benedictus ep. Portuensis ... Petrus Ostiensis eccl. ep. ... Theobaldus ep. Albanensis ... Dat. … pm. Bosoni ep. s. Tyburtine eccl. et bibl. SAS ... Rainerius diac. de diaconia ... s. Georgii et Johannes ep. Ortanensis ... Gregorius diac. s. Lucie interfui ... Benedictus ep. s. Agnanine eccl. ... Johannes ep. s. Bledine eccl. ... Benedictus ep. Cerensis ... Petrus card. tit. s. Damasi ... Rainerius ep. Nimphisine eccl. ... Amatus ep. atque capellanus d. pape. Franco card. s. Syxti. Benedictus ... secundicereus apost. sedis. Johannes card. tit. s. Marcelli. Crescencius ... nomenculator SAS. ... Stephanus ... scrin. SSA). Der im Text der Urkunde als Schreiber angekündigte Skriniar Georg (Georgio scrin. s. nostre Romane ecclesie scribere precepimus) scheint das Dokument nicht geschrieben zu haben, da bei den Unterschriften an letzter Stelle der Skriniar Stephanus als Schreiber genannt ist. Auffallenderweise stimmt der Personenkreis der Subskribenten mit jenem der Konzilsteilnehmer (vgl. n. 70) nicht überein. So fehlen gegenüber der in der Urkunde selbst angeführten Teilnehmerliste bei den Unterschriften die Bischöfe von Silva Candida, Velletri und Labico, der Diakon Crescentius, Defensor Petrus, der Judex Johannes Deubaldus, die beiden Grafen und die Vertreter der beiden Konfliktparteien. Dagegen haben die Bischöfe von Tivoli, Orte, Anagni, Bieda, Cerveteri und Nepi sowie der päpstliche Kaplan Amatus das Dokument unterschrieben, fehlen aber in der Teilnehmerliste. Für den Kardinal von S. Marcello, der die Urkunde als Johannes unterschreibt, nennt die Teilnehmerliste den Namen Tuidiscius. Nach Herrmanns Überlegungen handelt es sich beim Empfänger Petrus von Silva Candida möglicherweise um einen Neffen des Papstes (vgl. auch: V. Forcella, Iscrizioni delle chiese e d'altri edifici di Roma VII, Rom 1876, 359 n. 729). –  Während Tag und Monat in der Datierung genannt sind, ist das Jahr der Ausstellung zu erschließen: Seit der Weihe des Bischofs von Silva Candida durch den Papst (vgl. n. 53) sind mehr als zwei und weniger als drei Jahre vergangen (nondum transactis tribus annis); wenn die Weihe zu Beginn des Pontifikates Johannes' XIX. angenommen wird, fiele das Datum demnach auf den Dezember 1026; dem entspricht, dass der in der Teilnehmerliste des Konzils genannte Bischof Dominicus von Labico erst seit 1026 bezeugt ist. Die Urkunde findet Erwähnung bei Tiberio Alfarano, De basilicae Vaticanae structura IX (Cerrati 119). Zum Datar vgl. n. 101 und n. 141. An der Echtheit wird nicht gezweifelt.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 71, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1026-12-14_2_0_3_5_1_71_71
(Abgerufen am 21.08.2017).