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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,5,1

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Papst Johannes (XIX.) wird von Abt Albert von St-Mesmin de Micy (d. ... papae Johanni Albertus abbas abbatiae s. protomartyris Stephani et Christi confessoris Maximini ... loco ... Micianensis) (D. Orléans) um Hilfe für dessen von Euspicius und Maximinus im Auftrag des Königs Chlodwig gegründetes Kloster (Euspicius et nepos eius ... Maximinus, regio nomine Chlodovei ... Francorum regis, fundaverunt), das wegen äußerer Eingriffe niederlag, neuerdings aber wieder aufblühte, gebeten, und insbesondere darum, zwei von ihm im Namen des Papstes vorgefertigte Urkunden zu bestätigen und zu besiegeln (ut duos tomos, quos in vestro nomine scripsimus ... corroboretis ... cum sigillatione sigilli vestri nominis), deren erste die Bestätigung der Schenkung einer Reginae mulieris viduae für sein Kloster betrifft, während die andere eine allgemeine Besitzbestätigung darstellt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Brief des Abts (Mabillon,Ann. OSB IV 203; Migne, PL 139, 439 [zu Johannes XVIII.]; Jarossay, Abbaye de Micy-Saint-Mesmin 486).  Reg.: – .  Lit.: Gall. chr. VII 1531; Jarossay, Abbaye de Micy-Saint-Mesmin 139ff.; A. Ruguet, Albert, abbé de Micy (DHGE I 1431); Alexandre Vidier, L'historiographie à Saint-Benoît-sur-Loire et les miracles de Saint Benoît. Ouvrage posthume revu et annoté par les soins des moines de l'abbaye de Saint-Benoît de Fleury (Paris 1965) 107; JacquesCharles, Quelques réflexions sur les origines de l'abbaye de Micylez-Orléans (Bullet. trimestriel de la Société archéol. et hist. de l'Orléanais 6/1976, 395-401) 397; Thomas Head, Hagiography and the Cult of Saints. The Diocese of Orléans, 800-1200 (Cambridge 1990) 229f.

Kommentar

Die chronologische Einordnung des von Migne unter die Briefe Abbos von Fleury aufgenommenen Schreibens ist nicht einfach; bei Migne ist es an Johannes XVIII. adressiert, von Vidier wurde es als Anfrage an Johannes VIII. aufgefasst. Unklar äußert sich Jarossay, der den Brief in seinem Werk zwar eindeutig dem Abt Albert I. zuordnet, dessen Amtszeit er 1018 beginnen lässt – und demnach war Empfänger des Schreibens Johannes XIX. –, während er den Brief in seiner Edition p. 486 im Jahr 1011 an Papst Johannes XVII. (!) abgefasst sein lässt. Charles geht von Johannes XIX. als Adressat aus, nimmt aber als Jahr der Abfassung 1022 (!) an, während erst Head das vermutlich korrekte (obige) Datum nennt. –  Gegen die Zuordnung zu einem früheren Papst Johannes spricht schon die Tatsache, dass der Papst vor allem die Schenkungen einer Person namens Regina bestätigen soll, welche König Robert erst 1022 vollzogen hat (Jarossay 485f.). Head vertritt zwar die Ansicht, dass mit der auch im Brief an den Papst genannten Regina die Königin Konstanze von Frankreich gemeint sei und es sich nicht um einen Eigennamen handle, doch spricht dagegen der Wortlaut der Urkunde König Roberts. Der König bezeichnet darin die Schenkerin nicht als seine Gattin, sondern redet von der Schenkung Reginae mulieris viduae et filii eius clerici Tetuini (Jarossay 485). Da die Frau Witwe war, kann unmöglich Königin Konstanze mit einem ansonsten unbekannten Königssohn Schenkerin sein. Allerdings ist die Urkunde in ihrer edierten Form evtl. ungenau, da auch der Abt Albert darin als piae memoriae bezeichnet wird, also schon 1022 verstorben, obwohl er bis ca. 1044 nachzuweisen ist (vgl. Head 228). Weder die päpstliche Antwort noch die beiden Besitzlisten (zum Begriff "Tomus" vgl.: RudolfSchieffer, Tomus Gregorii papae. Bemerkungen zur Diskussion um die Register Gregors VII., AfD 17/1971, 169-184, 170ff.) sind bekannt, doch dürften letztere in den beiden Urkunden Roberts von Frankreich von 1022 (Jarossay n. XIII, 485 und n. XV, 492) ihre Entsprechungen finden. Der Inhalt des Briefes macht die von Kortüm, Urkundensprache beobachtete Tatsache anschaulich, dass viele Papsturkunden auf Empfängerausstellung beruhen.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,5,1 n. 21, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1024-00-00_20_0_3_5_1_21_21
(Abgerufen am 25.03.2017).