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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich wird von Papst Gregor VII. nochmals aufgefordert, den absichtsvollen Umgang mit Exkommunizierten zu meiden, vielmehr für seine Verfehlungen eine angemessene Buße zu leisten, beklagt den Widerspruch zwischen dessen tatsächlichem Verhalten und seinen Beteuerungen der Unterwürfigkeit (cum omni affatu dulcedinis et reverentię te commendas, re tamen et factis asperrimum canonicis atque apostolicis decretis . . . te contrarium ostendis), der sich in der Besetzung des Mailänder Stuhles, besonders aber in der Verfügung über die Bistümer Fermo und Spoleto gezeigt habe – alles Maßnahmen, die als Ungehorsam gegen die Kirche gewertet werden müssen –, bedauert, daß Heinrich seiner Aufforderung, hinsichtlich der Tragweite des "Dekrets" Verhandlungen mit ihm zu führen, nicht nachgekommen sei, verleiht dennoch der Hoffnung auf Heinrichs Sinnesänderung Ausdruck und erklärt, bis zur Rückkehr der drei Gesandten Radbod, Adelbrecht und Udalschalk Antwort auf die in Heinrichs Briefen angeschnittenen Fragen geben zu wollen.

Überlieferung/Literatur

Brief Gregors VII. vom (8. Dezember 1075), Reg. III, 10 (MGH Epp. sel. 2, 263 ff.); vgl. das Rechtfertigungsschreiben Gregors VII. an die deutschen Fürsten von (Sommer 1076) (EC 14 [Jaffé, Bibl. 2, 538] = EV 14 [Cowdrey 38]); Berthold 1075 (SS 5, 280 = SS n. s. 14, 231 f.); Donizo, V. Mathild. I, 19 v. 1271 f. (RIS2 5,2 49 f.).

Kommentar

Bei der Datierung des Briefes im Register Gregors VII. auf den 8. Januar 1076 (VI. Idus Ianuarii, Indictione XIIII) handelt es sich um einen Überlieferungsfehler. Meyer von Knonau, Jbb. 2, 579 Anm. 167; sowie Caspar, MGH Epp. sel. 2, 263 mit Anm. 1 (zu Reg. III, 10) gehen von einem Versehen in der Monatsangabe aus und datieren das Schreiben auf den 8. Dezember 1075, worin ihnen die jüngere Forschung weitgehend folgt. Vgl. dagegen Fried, Der Pakt von Canossa, in: Faszination der Papstgeschichte (2008) 167 f. Anm. 63, der auch eine Datierung auf Oktober oder November 1075 für möglich hält. – In der Salutatio des Briefes sendet Gregor VII. dem König nur unter Vorbehalt Gruß und apostolischen Segen (Henrico regi salutem et apostolicam benedictionem, si tamen apostolicę sedi, ut christianum decet regem, oboedierit [MGH Epp. sel. 2, 263]). Vgl. Schneider, Prophetisches Sacerdotium (1972) 139 f.; sowie Hack, Gruß, eingeschränkter Gruß und Grußverweigerung, AfD 47/48 (2001/02) 48 f., 52 ff. und 77. – Gregor VII. dürfte an den von Heinrich IV. vorgenommenen Besetzungen der in der römischen Kirchenprovinz gelegenen Bistümer Fermo und Spoleto (vgl. Reg. 777) vor allem deshalb Anstoß genommen haben, weil ihm als dem zuständigen Metropoliten die Kandidaten völlig unbekannt (quibusdam personis nobis etiam ignotis) waren. Zumindest bei Wolfgang von Fermo handelte es sich wahrscheinlich um einen Deutschen. Vgl. Schwartz, Bischöfe Reichsitaliens (1913) 234 und 240; R. Schieffer, Entstehung des päpstlichen Investiturverbots (1981) 136 f. – Der unbestimmt gehaltene Verweis Gregors VII. auf ein decretum wird von Schneider, Prophetisches Sacerdotium (1972) 141 ff. als Bezugnahme auf ein päpstliches Investiturverbot gedeutet; vgl. auch A. Scharnagl, Begriff der Investitur (1908) 32 f.; sowie Nitschke, Wirksamkeit Gottes (Studi Gregoriani 5, 1956) 196 f. Dagegen könnte er nach R. Schieffer, Entstehung des päpstlichen Investiturverbots (1981) 138 ff. auf ein Simonieverbot bezogen werden, womit die Notwendigkeit entfällt, ein Investiturverbot zum Verständnis des päpstlichen Schreibens voraussetzen zu müssen. Vgl. Cowdrey, Gregory VII (1998) 104 f.; sowie die Reg. 728 angegebene Literatur zur Frage eines auf der Fastensynode 1075 erlassenen Investiturverbots. – Unter Hinweis auf die frevelhafte Überhebung des alttestamentlichen Königs Saul wird Heinrich IV. nach seinem Sieg über die Sachsen ermahnt, sich gleich David in Gottesfurcht (timor Dei) zu üben. Vgl. Schneider, Prophetisches Sacerdotium (1972) 144. – Die königlichen Gesandten Radbod und Adelbrecht, die der Papst als nobiles ac religiosi viri bezeichnet, waren seit ihrer Ankunft im August in Rom geblieben (vgl. Gregor VII., Reg. III, 5 [MGH Epp. sel. 2, 251]; sowie Reg. 746); noch ein dritter namens Udalschalk war dort hinzugekommen. Vgl. auch Gregors VII. Rechtfertigungsschreiben (EC 14 [Jaffé, Bibl. 2, 538] = EV 14 [Cowdrey 38]): Preterea misimus ad eum tres religiosos uiros, suos . . . fideles . . . – Zur Möglichkeit einer im November oder Anfang Dezember in Rom eingetroffenen Nachricht Heinrichs IV., deren Überbringer Udalschalk gewesen sein könnte, vgl. Reg. 769. ‒ Die Gesandten trafen mit dem päpstlichen Brief am Neujahrstag 1076 bei Heinrich IV. in Goslar ein; vgl. Bernold Const. 1076 (SS 5, 432 = SS n. s. 14, 406 f.). Zu der darüber hinaus mündlich vorgebrachten Botschaft des Papstes vgl. Reg. 783. – Ebenfalls vom 8. Dezember datiert ein Brief Gregors VII. an den ‚Kleriker' Thedald von Mailand (Reg. III, 8 [MGH Epp. sel. 2, 259 ff.]), in dem dieser wegen der Übernahme des Mailänder Bischofsstuhles (vgl. Reg. 761) scharf getadelt und vor die kommende Fastensynode geladen wird, sowie ein päpstliches Schreiben an die Mailänder Suffraganbischöfe (III, 9 [261 ff.]), das ihnen verbietet, Thedald ohne päpstliche Entscheidung die Weihe zu erteilen. Vgl. Zey, Synode von Piacenza, QFIAB 76 [1996] 503 ff. – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 2, 576 ff.; Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands 3-43, 788 ff.; Göller, Papsttum und Bußgewalt, Röm. Quartalschr. 40 (1932) 325; Erdmann, Studien 280 f.; Zimmermann, Der Canossagang von 1077 (1975) 23 f.; Schneider, Prophetisches Sacerdotium (1972) 139 ff.; R. Schieffer, Entstehung des päpstlichen Investiturverbots (1981) 134 ff.; Tellenbach, Westliche Kirche (1988) 187; Struve, Gregor VII. und Heinrich IV. (Studi Gregoriani 14, 1991) 34 f., wieder in: ders., Salierzeit im Wandel (2006) 99 f. mit 310; Englberger, Gregor VII. und die Investiturfrage (1996) 22 ff. und 219 ff.; Suchan, Königsherrschaft im Streit (1997) 93, 99 ff. und 108 f.; Cowdrey, Pope Gregory VII (1998) 101 ff. und 131 ff.; W. Goez, Kirchenreform und Investiturstreit (2000) 123 ff.; Blumenthal, Gregor VII. (2001) 172 ff. und 178 f.; Laudage, Investiturstreit, in: Vom Umbruch zur Erneuerung (2006) 147 ff.; Althoff, Heinrich IV. (2006) 126 ff.; Gresser, Synoden und Konzilien in der Zeit des Reformpapsttums (2006) 136 ff.; Weinfurter, Canossa (2006) 117 f. und 176 mit 215 und 218; Melve, Inventing the Public Sphere (2007) 192 ff.; sowie Reg. 783.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 778, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1075-12-08_2_0_3_2_3_778_778
(Abgerufen am 20.01.2017).