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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich empfängt Vertreter aus Klerus und Volk von Mailand, die auf eine Entscheidung hinsichtlich der Besetzung des Mailänder Bischofsstuhles drängen, und erhebt entgegen vorherigen Absprachen mit Papst Gregor VII. den Mailänder Subdiakon Thedald.

Überlieferung/Literatur

Arnulf. Mediol. V, 5 (SS 8, 29 f. = SS rer. Germ. [1994] 222 ff.); Bonizo, Ad amic. VII (Ldl 1, 605 f.); Land. Mediol. III, 32 (RIS2 4,2 126).

Kommentar

Thedald, der aufgrund seiner adligen Herkunft (Gregor VII., Reg. III, 8 [MGH Epp. sel. 2, 261]) dem Mailänder Domklerus angehört hat, war zumindest für einige Zeit Mitglied der königlichen Hofkapelle (Arnulf. Mediol. V, 5 [SS rer. Germ. 1994, 223]; nicht erwähnt bei Fleckenstein, Hofkapelle und Reichsepiskopat [VuF 17, 1973] 117 ff.). – Nach Land. Mediol. III, 31 (RIS2 4,2 125) soll er an der Schlacht bei Homburg an der Unstrut (vgl. Reg. 741) als Hüter der hl. Lanze teilgenommen haben. – Zur Klärung der Personalfrage sollen die Mailänder tres viros diacones et notarium an den königlichen Hof gesandt haben (Land. Mediol. III, 32 [RIS2 4,2 126]). – Heinrich IV. ernannte den Mailänder Subdiakon Thedald entgegen den Gregor VII. schriftlich und durch seine Gesandten (nobis litteris ac legatorum verbis promiserit) gegebenen Zusicherungen (vgl. Gregor VII., Reg. III, 9 [MGH Epp. sel. 2, 262]) zum Erzbischof. – Thedalds Erhebung erfolgte unter Mißachtung von Investitur und Weihe Gottfrieds und der von der Pataria betriebenen Wahl Attos (vgl. Reg. 570. 599), der sich zu diesem Zeitpunkt in Rom aufhielt. Seine Weihe erfolgte durch eben jene Bischöfe, die zuvor Gottfried geweiht hatten (Arnulf. Mediol. V, 5 [SS rer. Germ. 1994, 223 f.]). – Wie Gregor VII. in seinem Schreiben an Thedald betont, war der Anspruch Attos auf die erzbischöfliche Würde immer noch aktuell (Gregor VII., Reg. III, 8 [MGH Epp. sel. 2, 260]). – Über die anfänglich breite Unterstützung Thedalds durch die Mailänder (vgl. Gregor VII., Reg. III, 8 [260]) Zumhagen, Tedald von Mailand (Festschr. H. Keller 1997) 9 ff. – Terminus ante quem der Erhebung Thedalds ist der 8. Dezember 1075, an dem sich Gregor VII. hierzu äußert (Gregor VII., Reg. III, 8–10 [259 ff.]). – In der Edition Arnulfs von Mailand erwägt Zey, 223 Anm. 23 den 28. September 1075 gemäß Fassung M des Erzbischofskatalogs (Savio, Gli antichi vescovi d'Italia 2/1, 42) als Zeitpunkt der Ernennung durch den König. Zumhagen, Tedald von Mailand (Festschr. H. Keller 1997) 9 datiert auf September 1075; Keller, Pataria und Stadtverfassung (VuF 17, 1973) 345 auf Ende 1075. – Zur Frage, ob das 5. Buch des Liber gestorum recentium tatsächlich von Arnulf stammt und den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Bewertungen Thedalds vgl. Zey, Zu Edition und Interpretation von Mailänder Geschichtswerken des Hoch- und Spätmittelalters, DA 56 (2000) 187 ff. – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 2, 573 ff.; Schwartz, Bistümer Reichsitaliens (1913) 82; Storia di Milano III, 198 ff.; Keller, Pataria und Stadtverfassung (VuF 17, 1973) 346; Golinelli, La pataria (1984) 22; K. Schulz, "Denn sie liebten die Freiheit" (21995) 40; Englberger, Gregor VII. und die Investiturfrage (1996) 81 f. und 105; Zumhagen, Tedald von Mailand (Festschr. H. Keller 1997) 3 ff.; ders., Religiöse Konflikte und kommunale Entwicklung (2002) 98 f.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 761, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1075-09-28_2_0_3_2_3_761_761
(Abgerufen am 21.09.2017).