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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Das bis Behringen unweit des sächsischen Lagers vorgerückte königliche Heer eröffnet unter Berufung auf ein altes schwäbisches Vorstreitrecht unter Führung Herzog Rudolfs von Schwaben den Kampf gegen die völlig überraschten Sachsen, die nach Aufgabe ihres Widerstands in ungeordneter Flucht ihr Heil suchen, wobei viele in den Fluten der Unstrut umkommen, während das noch im Lager stehende bäuerliche Fußvolk von den Verfolgern grausam niedergemacht wird.

Überlieferung/Literatur

Lampert 1075 (SS rer. Germ. [1894] 217–221); Carm. de bello Saxon. III, 127–208 (SS rer. Germ. [1889] 18 ff.); Bruno, Bell. Saxon. c. 46 (MGH Dt. MA 2, 44 f.), der im Unterschied zur Mehrzahl der Quellen die Verweigerung von Verhandlungen durch Heinrich IV. als Ursache für dessen Sieg anführt; Berthold 1075 (SS 5, 278 f. = SS n. s. 14, 225 f.); St. Galler Fortsetzungen Hermanns von Reichenau zu 1074, f. 17v; Ann. s. Disib. 1075 (SS 17, 7); mehr das Geschehen kommentierend V. Heinrici IV. c. 3 (SS rer. Germ. [1899] 15); kürzer Bernold Const. 1075 (SS 5, 431 = SS n. s. 14, 405); Frutolf 1075; Sigeb. Gembl. 1075 (SS 6, 363), vgl. zu 1073 (362); von den Annalen Ann. Weissenb. 1075 (SS rer. Germ. [1894] 57); Ann. August. 1075 (SS 3, 128); Ann. Marbac. 1065/1075 (SS rer. Germ. [1907] 29 f.); Chron. Wirz. 1075 (Buchholz 42) = Ann. s. Albani 1075 (SS 2, 245) = Ann. Hild. 1075 (SS rer. Germ. [1878] 48); Ann. Patherbr. 1075 (Scheffer-Boichorst 96); Ann. Laubiens., Cont. 1075 (SS 4, 21); Ann. Ottenbur. 1075 (SS 5, 7); Ann. Einsidl. 1075 (SS rer. Germ. [2007] 283); Ann. Mell. 1075 (SS 9, 499); Ann. Adm. 1075 (SS 9, 576); Ann. Rosenv. 19 [= 1075] (SS 16, 100); Ann. Yburg. 1075 (SS 16, 436); Annal. Saxo 1075 (SS 6, 703 f. = SS 37, 430 f.); Ann. Petr. Erf. ant. (SS rer. Germ. [1899] 14); Ann. Gotw. 1075 (SS 9, 601; Nachtrag des 12./13. Jh.); noch im 12. Jh. gedenken der Schlacht Otto Frising., Chron. VI, 34 (SS rer. Germ. [1912] 304); Casus monast. Petrishus. II, 32 (Schwäbische Chroniken d. Stauferzeit 3, 110 f.) zu 1074; Ann. Palid. zu 1068 (SS 16, 70); Helmold, Chron. I, 27 (SS rer. Germ. [1937] 54); von italienischen Geschichtsquellen Arnulf. Mediol. V, 3 (SS 8, 29 = SS rer. Germ. [1994] 221 f.); unbrauchbar, weil die Ereignisse von 1075 und 1080 vermischend, Land. Mediol. III, 31 (RIS2 4,2 124 ff.); in einer im ganzen zutreffenden, jedoch dem König abträglichen Schilderung Bonizo, Ad amic. VII (Ldl 1, 606).

Kommentar

Nach der ausführlichen Schilderung Lamperts 1075 (SS rer. Germ. [1894] 218 ff.) hat nach Rudolf von Schwaben zunächst das bayerische Kontingent unter Herzog Welf in das Kampfgeschehen eingegriffen; die bedrohliche Situation der beiden Abteilungen wurde erst durch Entlastungsangriffe des Aufgebots der Bamberger Kirche sowie der Truppen Hermanns von Gleiberg (vgl. Uhlhorn, Geschichte der Grafen von Solms im Mittelalter [1931] 33) gebannt, worauf der siegbringende Angriff der Böhmen unter Herzog Vratislav II. und der Lothringer unter Herzog Gottfried (dem Buckligen) erfolgte. – Zu dem hier erstmals bezeugten, nach Lampert 1075 (SS rer. Germ. [1894] 218) jedoch den Schwaben ab antiquis iam diebus zustehenden Vorstreitrecht vgl. Waitz, DVG 8, 181 f.; Ficker, Reichsfürstenstand 2/3 (1923) 10 mit Anm. 5; Höss, Die deutschen Stämme im Investiturstreit (Diss. masch. Jena 1945) 50 f. und 133; May, Reichsbanneramt und Vorstreitrecht in hessischer Sicht (Festschr. E. E. Stengel 1952) 320 ff.; Maurer, Herzog von Schwaben (1978) 151 Anm. 150. – Unter den zahlreichen Opfern des Kampfes befanden sich auf königlicher Seite Markgraf Ernst von Österreich sowie zwei Söhne des Grafen Eberhard von Nellenburg, Heinrich und Eberhard, auf sächsischer Seite Graf Eberhard (von Süpplingenburg) sowie Folkmar und Suidger. Die vergleichsweise geringen Verluste unter dem sächsischen Adel werden gleichfalls von Lampert 1075 (SS rer. Germ. [1894] 219 und 221 f.) und Bruno, Bell. Saxon. c. 46 (MGH Dt. MA 2, 45) erwähnt. – Ortsnamen: Hoenburg = Homburg, vollständig abgegangene Burg an der Unstrut bei Langensalza sö. Mühlhausen (Thür.). – Die Lampert 1075 (SS rer. Germ. [1894] 222 f.) zufolge tags darauf durch Siegfried von Mainz ausgesprochene Exkommunikation der thüringischen Großen ist wohl als Gerücht zu werten (Meyer von Knonau, Jbb. 2, 506 Anm. 72). – Zu den Gestaltungsprinzipien Lamperts von Hersfeld vgl. Struve, Hess. Jb. f. LG 20 (1970) 86 f. – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 2, 499 ff. mit Exkurs 5, 874 ff.; Delbrück, Geschichte der Kriegskunst23 (1923) 132 ff.; Cram, Iudicium belli (AKG Beihefte 5, 1955) 139 f.; Leidinger, Westfalen im Investiturstreit, Westfälische Zeitschrift 119 (1969) 285 ff.; Giese, Stamm der Sachsen (1979) 159 ff.; Schubert, Geschichte Niedersachsens 2/1 (1997) 268 f., 274, 289, 291, 294 und 349; Robinson, Henry IV (1999) 101 f.; Steinmetz, Geschichte und Archäologie der Harzburg (2001) 30; Parlow, Zähringer 63; Borchert, Herzog Otto von Northeim (2005) 123 ff.; Althoff, Heinrich IV. (2006) 109 f.; Prietzel, Tote begraben, Niedersächs. Jb. f. LG 79 (2007) 211 ff. und 215 ff.

Nachträge (1)

Nachtrag von Lutz Partenheimer, eingereicht am 12.12.2012.

Der in dieser Schlacht gefallene Vater Lothars von Süpplingenburg hieß Gebhard, nicht Eberhard.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 741, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1075-06-09_1_0_3_2_3_741_741
(Abgerufen am 17.01.2017).