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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich schenkt dem Domkapitel zu Speyer unter Bischof Huzmann das in der Grafschaft des Grafen Heinrich gelegene Gut Eschwege nebst allem Zubehör und allen Einkünften zu freiem Eigen und gesteht dem Bischof von Speyer die Einsetzung der Äbtissin des daselbst befindlichen Frauenklosters zu (predium . . . Eschinewage in pago . . . . . in comitatu Heinrici comitis situm cum omnibus appendiciis . . . ac cum omni utilitate . . . in proprium dedimus atque tradidimus, . . . abbatissa vero in Eschinewage monialibus constituenda a manu episcopi Spirensis . . . constituatur). – Adalbero canc. vice Sigefridi archicanc.; verfaßt und wohl auch geschrieben von AC. Salutem a salute nobis bene rogamus.

Überlieferung/Literatur

Kop.: Codex minor Spirensis (13. Jh.) f. 43, Generallandesarchiv Karlsruhe (C). – Drucke: Würdtwein, Subsidia diplomatica 5, 252 n° 85; Remling, UB von Speyer 1, 56 n° 55; Huyskens, Klosterarchive 1, 686 n° 1 (vgl. 3 n° 3); MGH DD 6, 354 n° 277; Eckhardt, Quellen zur Rechtsgeschichte der Stadt Eschwege 1, 10 n° 14. – Reg.: Dümgé, Regesta Badensia 22; Dobenecker, Regesta Thuringiae 919 zu 107[5]; Böhmer 1865; Stumpf 2783.

Kommentar

Das D., welches des Tagesdatums wie des Ausstellungsortes entbehrt, ist fälschlich auf das Inkarnationsjahr 1074 datiert. Auch sonst ist die Datierung in Unordnung: Ordinationsjahr XXI (17. Juli 1074 – 16. Juli 1075); Regierungsjahr XVIIII (5. Oktober 1074 – 4. Oktober 1075); Indiktionsjahr XIIII (24. September 1075 – 23. September 1076). Vgl. Eckhardt, Domina Sophia, AfD 3 (1957) 48. Eine um ein Jahr zu hoch angegebene Indiktion entspräche dem Brauch der letzten Zeit, möglich wäre aber auch ein Irrtum bei der Umsetzung der Ordinations- oder Regierungsjahre. Vgl. ebd. 49 ff. Terminus post quem ist der Beginn des Episkopats Huzmanns von Speyer (wahrscheinlich April oder Mai, auf jeden Fall nach 26. Februar 1075; vgl. Reg. 736). Eckhardt, Domina Sophia, AfD 3 (1957) 51 ff. spricht sich für eine Datierung zwischen 24. September und 4. Oktober 1075 aus, was einem korrekten Regierungs- und Indiktionsjahr entspräche, und bringt dies mit dem im September vorgenommenen Vorstoß Heinrichs IV. von Böhmen nach Sachsen in Verbindung; die von Lampert 1075 (SS rer. Germ. [1894] 231 f.) geschilderten Schwierigkeiten auf diesem Feldzug hätten den König zur Ausstellung einer Votivurkunde zugunsten der der hl. Maria geweihten Kirche zu Speyer veranlaßt (zum Feldzug vgl. Reg. 757–759). Vgl. auch Gawlik, MGH DD 6, 729 (Nachtrag zu D. 277); sowie Borchert, Herzog Otto von Northeim (2005) 125 f. Heidrich, Bischöfe und Bischofskirche von Speyer (Salier 2, 1991) 191, 193 und 221 f. sieht in dieser Verleihung gleichfalls eine Votivschenkung, datiert sie jedoch unmittelbar vor der entscheidenden Schlacht bei Homburg an der Unstrut (vgl. Reg. 741). Vgl. bereits Perst, Eschwege, Speyer und das Reich, Zeitschrift d. Vereins f. hess. Geschichte u. Landeskunde 67 (1956) 82 ff.; sowie Schneider, Prophetisches Sacerdotium (1972) 131 Anm. 401; Friedmann, Worms und Speyer (1994) 152; C. Ehlers, Metropolis Germaniae (1996) 101, 189 und 360; Gresser, Bistum Speyer (1998) 162. In diesem Fall wären Ordinations- und Regierungsjahr richtig angegeben. Aus chronologischen Gründen ist dieser früheren Datierung der Vorzug zu geben, da sich Heinrich IV. bereits am 9. Oktober in Worms (vgl. das tatsächlich echte D. † 280; Reg. 762), zuvor in Regensburg (vgl. Reg. 759) befand, was einen Zusammenhang mit dem wohl vor Ende September abgeschlossenen Feldzug unwahrscheinlich macht. – Das dem Bischof von Speyer zuerkannte Recht zur Einsetzung der Äbtissin des daselbst befindlichen Frauenklosters darf durch D. 466 vom 10. April 1101 sowie durch den Brief Erzbischof Johanns von Trier an König Philipp von Schwaben von etwa 1200 (Winkelmann, Acta imperii inedita 1, 469 no 582) als weitgehend gesichert gelten. Vgl. Perst, Eschwege, Speyer und das Reich, Zeitschrift d. Vereins f. hessische Geschichte u. Landeskunde 67 (1956) 79 ff. – Zur Bezugnahme auf die hl. Maria, die hier von Heinrich IV. als Gönnerin (fautrix) apostrophiert wird, vgl. Gugumus, Speyerer Bischöfe im Investiturstreit, Archiv f. mittelrhein. Kirchengeschichte 3 (1951) 118 ff.; Heidrich, Bischöfe und Bischofskirche von Speyer (Salier 2, 1991) 221 f.; sowie Struve, Der "gute" Kaiser Heinrich IV. (VuF 69, 2009) 181. – Ortsnamen: Eschinewage = Eschwege an der Werra sö. Kassel. – Die Lücke nach pagus ist unausgefüllt geblieben; zur Lage Eschweges in der nordhessisch-thüringischen Germaramark, die seit Ende 10. Jh. als Gau bezeichnet wird, eingehend Heinemeyer, Der Königshof Eschwege (1970) 16 ff. Ebd. 50 Anm. 378 wendet er sich gegen eine Überbewertung des – keineswegs singulären – fehlenden Eintrags (vgl. die Vorbem. zu D. 277; Eckhardt, Domina Sophia, AfD 3 [1957] 54 ff.). – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 2, 484 mit 486 Anm. 54; Gugumus, Speyerer Bischöfe im Investiturstreit, Archiv f. mittelrhein. Kirchengeschichte 3 (1951) 124 f.; Perst, Eschwege, Speyer und das Reich, Zeitschrift d. Vereins f. hessische Geschichte u. Landeskunde 67 (1956) 77 ff.; Eckhardt, Domina Sophia, AfD 3 (1957) 48 ff.; Lange, Grafen von Northeim, Niedersächs Jb. f. LG 33 (1961) 59; Eckhardt, Eschwege als Brennpunkt thüringisch-hessischer Geschichte (1964) 177 ff.; Heinemeyer, Der Königshof Eschwege (1970) 49 f., 56 f. und 59 ff.; Schneider, Prophetisches Sacerdotium (1972) 131 Anm. 401; Metz, Eschwege im Nekrolog des Speyerer Domstifts, Hess. Jb. f. LG 22 (1972) 343 ff.; ders., Eschwege unter der Herrschaft des Bistums Speyer, Hessische Heimat 24/2–3 (1974) 88; Heidrich, Stellung der Bischöfe von Speyer, FMASt 22 (1988) 269, 274, 279 und 284 f.; Friedmann, Worms und Speyer (1994) 151 f.; C. Ehlers, Metropolis Germaniae (1996) 101 ff., 152, 155, 161, 198, 214 ff., 266 f. n° 24, 360; Gresser, Bistum Speyer (1998) 162 ff.; Borchert, Herzog Otto von Northeim (2005) 125 ff.; Dt. Königspfalzen 1. Hessen 104, 116 f., 122 ff. und 127.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 739, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1075-06-00_1_0_3_2_3_739_739
(Abgerufen am 23.10.2017).