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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich (imperator Heinricus) übergibt der Kirche des hl. Pankratius auf seiner Besitzung zu Ranshofen die Magd Lancware mit ihren elf Töchtern Herloc, Rihkarta, Chuniza, Frizala, Goza, Seburga, Pertha, Gruza, Coldrun, Azala und Erma und deren Nachkommen mit der Auflage, daß die Genannten jährlich einen Zins von fünf Denaren zu entrichten und im Falle eines dreijährigen Zahlungsverzugs auf immer dieser Kirche als Hörige zu dienen haben (cuius predium erat quod Ranshovin vocatur, tradidit super altare sancti Pancratii ancillam . . . Lancware cum filiabus suis . . . cum omni posteritate sua, ut singulis annis solvant censum V denariorum. Et si tribus annis non solverint, perpetualiter ut proprie ancille deserviant altario sancti Pancratii). Zeugen: Markgraf Ernst (von Österreich), Markgraf Adalbero (von der karantanischen Mark), Graf Ratpoto von Cham, Graf Udalrich von Rattelnberg, Graf Gebhard von Formbach, Graf Sarchilo von Moosbach, Graf Aribo von Haigermoos und dessen Bruder, Graf Boto von Botenstein, Sigehard von Tengling und viele andere.

Überlieferung/Literatur

Kop.: Codex traditionum des Augustinerchorherrenstiftes Ranshofen (12./13. Jh.) – seit 1811 verschollen (C); Abschrift des Codex traditionum von Hieronymus Mayr (Antiquarium Ranshovianum) (1650) f. 19', Oberösterreichisches Landesarchiv Linz, Musealarchiv (D). – Drucke: Monumenta Boica 3, 245 n° 32 aus C zu ca. 1070 = UB des Landes ob der Enns 1, 215 n° 32 zu ca. 1070; Schiffmann, Der Traditionskodex des Augustiner-Chorherrenstiftes Ranshofen (1908) 12 no 34 (32) aus D und den auf C beruhenden älteren Drucken zu ca. 1070; Weltin-Zehetmayer, Niederösterreichisches UB 1, 389 no 31c aus D und den auf C beruhenden älteren Drucken zu August 1074. – Reg.: Meiller, Regesten d. Babenberger 9 n° 12; Wiesflecker, Regesten d. Grafen von Görz und Tirol 96 zu ca. 1070.

Kommentar

Knappe Erwähnung MGH DD 6, 421 zu no 320. – Die Traditionsnotiz über diese Zensualenstiftung ist ohne Datum überliefert. Die Datierung auf den Beginn oder das Ende des Ungarnfeldzuges (vgl. Reg. 713) ergibt sich aus der Vermutung, daß "mit den Zeugen . . . – neben den Markgrafen des Ostlandes und Karantaniens durchweg Angehörige des bairischen Dynastenadels – die führenden Teilnehmer dieses Feldzuges festgehalten sind" (Weltin-Zehetmayer, Niederösterreichisches UB 1, 395 [Kommentar]). Vgl. R. Schmidt, Die Überlieferungen der Ranshofener Traditionen, Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990) 8. Auf jeden Fall muß die Übertragung vor der Schlacht bei Homburg am 9. Juni 1075 erfolgt sein, da Ernst von Österreich hier den Tod fand (vgl. Reg. 741). – Dopsch, Die steirischen Otakare, in: Das Werden der Steiermark (1980) 134 f. Anm 299 hält die Traditionsnotiz vor allem aufgrund der Nennung des Kaisertitels für "verdächtig", ohne jedoch deren inhaltliche Echtheit gänzlich anzuzweifeln. – Die ehemalige, vor allem von den ostfränkischen Karolingern genutzte Königspfalz Ranshofen hatte seit Beginn des 10. Jh. an Bedeutung verloren und fungierte lediglich als "wirtschaftlicher Mittelpunkt des Königsgutes der Umgebung" (Schopf, Die Geschichte des Augustiner Chorherrenstiftes Ranshofen [Diss. Innsbruck 1985] 11). – Heinrich II. oder Heinrich III. hatten in Ranshofen eine Klerikergemeinschaft eingerichtet. Vgl. ebd. 11, 17 und 111; sowie Böhmer-Niederkorn, RI 4, 1/2 no 252. – Die Zensualen waren zur Entrichtung eines jährlichen Kopfzinses sowie zu einer Heirats- und Todfallabgabe verpflichtet; sie waren aber von Knechts- und Frondiensten befreit und genossen die Schirmpflicht der Herrschaft. Vgl. Waitz, DVG25, 233 ff.; sowie Reiling, in: Handwörterbuch z. deutschen Rechtsgeschichte 5, 1715 ff. – Ortsnamen: Ranshovin = Ranshofen sw. Braunau am Inn. – Vgl. Pritz, Geschichte des Stiftes zu Ranshofen, Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-Quellen 17 (1857) 338; Hauck, Kirchengeschichte Deutschlands 3-43, 1037; Hiereth, Geschichte der Stadt Braunau am Inn 1 (1960) 46 f.; R. Schmidt, Die Ranshofener Pfalz, Heimat am Inn 3 (1974) 94; Dopsch, Die steirischen Otakare, in: Das Werden der Steiermark (1980) 111 f. mit 134 f. Anm. 299; R. Schmidt, Ranshofen im Mittelalter, in: Rantesdorf (1988) 19; ders., Die Überlieferungen der Ranshofener Traditionen, Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 16 (1990) 8.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 714, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1074-09-00_2_0_3_2_3_714_714
(Abgerufen am 28.05.2017).