Regestendatenbank - 176.571 Regesten im Volltext

RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

Sie sehen den Datensatz 636 von insgesamt 1572.

Durch die von den Burgbesatzungen verübten Übergriffe, die Erhebung von Abgaben von Wäldern und Feldern, die Forderung von Dienstleistungen der Landbevölkerung sowie die Bedrohung ihrer Frauen und Töchter fühlt sich die in der Nachbarschaft der Burgen lebende Bevölkerung zunehmend beeinträchtigt.

Überlieferung/Literatur

Lampert 1073 (SS rer. Germ. [1894] 146); allgemeiner Bruno, Bell. Saxon. c. 16 (MGH Dt. MA 2, 23); Behinderung der Waldnutzung sowie Raub von Weideland und Vieh Carm. de bello Saxon. I, 42–45 (SS rer. Germ. [1889] 2); Ausplünderung der provinciales Ann. Altah. 1073 (SS rer. Germ. [1891] 85).

Kommentar

Die Klagen der sächsischen Bauern dürften sich auf den Anspruch der Besatzungen auf Allmendnutzung (Carm. de bello Saxon. I, 42–45 [SS rer. Germ. 1889, 2]; Lampert 1073 [SS rer. Germ. 1894, 146]) und die Verpflichtung der Landbewohner zur Errichtung und Instandhaltung der Burgen, dem sog. Burgwerk (Lampert 1073 [SS rer. Germ. 1894, 146]; Bruno, Bell. Saxon. c. 16 [MGH Dt. MA 2, 23]), beziehen. – Die Vorstellung, wonach die Bewohner in der Umgebung der Burgen vorwiegend sog. Königsfreie gewesen seien, deren Verpflichtung zu Burgwerk, Unterhalt der Burgbesatzungen und Entrichtung einer Abgabe (Königszins) in Vergessenheit geraten sei, weshalb Heinrich IV. versucht habe, diese Schicht wieder zum Dienst für das Königtum zu verpflichten (vgl. Baaken, Königtum, Burgen und Königsfreie [VuF 6, 1961] 82 ff.), läßt sich in dieser Verallgemeinerung nicht aufrecht erhalten. Vgl. im Anschluß an Müller-Mertens, Karl der Große, Ludwig der Fromme und die Freien (1963) 88, der in den liberi homines der Quellen eine heterogen zusammengesetzte Schicht von "kleinen königlichen Leistungsträgern" erkennt, H. Krause, Die liberi der lex Baiuvariorum (Festschr. M. Spindler 1969) 63 ff., welcher eine allgemeine Gleichsetzung der liberi homines mit Königsfreien ablehnt. Vgl. ders., in: Handwörterbuch z. deutschen Rechtsgeschichte 2, 1029 ff.; sowie Kroeschell, Deutsche Rechtsgeschichte 1 (1972) 104 ff. – Zur Herkunft der Burgbesatzungen vgl. Reg. 635. – Der Vorwurf der Vergewaltigung resultiert wohl aus dem vom salischen Königtum geförderten Abschluß von Mischehen zwischen Männern ministerialischer Herkunft und adeligen Frauen (Bruno, Bell. Saxon. c. 8 [MGH Dt. MA 2, 18]; Frutolf 1068). Vgl. Bosl, Reichsministerialität 1, 86 f. – Vgl. Waitz, DVG 8, 209 ff. und 386 ff.; Meyer von Knonau, Jbb. 2, 229 f.; Fenske, Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung (1977) 29 und 33; Giese, Stamm der Sachsen (1979) 151 ff. und 154; Streich, Burg und Kirche (1984) 438 f.; Schubert, Geschichte Niedersachsens 2/1 (1997) 280 ff.; Kleinen, Bischof und Reform (2004) 126 ff. und 131 ff.; sowie Reg. 487. 635.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 636, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1073-00-00_3_0_3_2_3_636_636
(Abgerufen am 25.07.2017).