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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich läßt auf Bergen und Hügeln in Sachsen und Thüringen stark befestigte Burgen (castella munitissima) errichten, in welche (ständige) Besatzungen gelegt werden, die nicht nur ihren Unterhalt in den umliegenden Dörfern und Feldern requirieren, sondern auch deren Bewohner zum Ausbau jener Burgen heranziehen.

Überlieferung/Literatur

Lampert 1073 (SS rer. Germ. [1894] 140 f. und 159 f.); allgemeiner Bruno, Bell. Saxon. c. 16 (MGH Dt. MA 2, 22 f.); vgl. den ebd. c. 42 (41) überlieferten Brief Erzbischof Werners von Magdeburg an Siegfried von Mainz; Ann. Altah. 1073 (SS rer. Germ. [1891] 85); zu 1072 bereits Berthold (SS 5, 275 = SS n. s. 14, 214) = Bernold Const. 1072 (SS 5, 429 = SS n. s. 14, 401); zu 1074 St. Galler Fortsetzungen Hermanns von Reichenau, f. 17v; Burgbesatzungen erwähnt auch Carm. de bello Saxon. I, 75 f. (SS rer. Germ. [1889] 3); vgl. Frutolf bereits zu 1068: Heinricus . . . cępit . . . privata presidia . . . instituere; lediglich die Harzburg erwähnen Lampert, Inst. Herveld. eccl., Exzerpt 3a (Diemar 96 = Struve, Hess. Jb. f. LG 19, 41); Ann. s. Disib. zu 1075 (SS 17, 6).

Kommentar

Die früheste Nachricht über den vom König initiierten Burgenbau stammt aus den Ann. Corbeienses zum Jahre 1067 (Prinz 130); vgl. Reg. 487. Das war möglicherweise der Beginn einer sich über einen längeren Zeitraum hin erstreckenden Bauphase, deren Ergebnisse dann 1073 für alle erkennbar geworden sind. – Die Einschätzung Lamperts 1073 (SS rer. Germ. [1894] 140 f.), daß auf allen Bergen und Hügeln Sachsens und Thüringens Burgen errichtet worden sein sollen, ist sicher übertrieben, vermag er doch selbst außer der Harzburg sö. Goslar zunächst nur noch sieben weitere Burgen zu nennen (ebd. 159 f.): den Wigantestein (Lokalisierung unsicher), die Moseburg (wohl nö. Bad Sachsa), den Sachsenstein nw. Walkenried, die Spatenburg s. Sondershausen, die Heimburg nw. Blankenburg, die Hasenburg w. Bleicherode und das dem Pfalzgrafen Friedrich abgenommene Volkenroda (nö. Mühlhausen ?). Die im folgenden genannte Lüneburg kann in dem hier zu erörternden Zusammenhang außer Betracht bleiben. Erst zu 1076 erwähnt Lampert die Errichtung einer Burg auf dem Steinberg unmittelbar w. Goslar (ebd. 261). – Immerhin lassen sich noch sieben weitere Burganlagen archäologisch nachweisen, die mit der Burgenbaupolitik Heinrichs IV. in Zusammenhang stehen könnten: der Falkenstein im oberen Selketal s. Ballenstedt, der Ilsenstein sw. Ilsenburg, Kyffhausen zum Schutz der Pfalz Tilleda, die Lauenburg w. Ballenstedt, der Schildberg w. Goslar, die Susenburg s. Elbingerode und Wallhausen n. der gleichnamigen Pfalz w. Sangerhausen. Vgl. Wäscher, Feudalburgen in den Bezirken Magdeburg und Halle (1962) Textbd. 97, 108 f., 109 ff., 116 ff., 134 f., 135 f.; Stolberg, Befestigungsanlagen im und am Harz (1968) 92 f. no 117, 193 ff. no 222, 226 ff. no 268, 233 ff. no 273, 352 ff. no 390, 363 ff. no 403, 411 f. no 461; Streich, Burg und Kirche (1984) 437. – Wie Lampert 1072 (160) bezeugt, hatte Heinrich IV. noch eine Reihe weiterer Burgen geplant, deren Errichtung jedoch durch den inzwischen ausgebrochenen Sachsenkrieg verhindert wurde. – Bei diesen Burgen handelte es sich nicht um eine zur Zeit äußerer Bedrohung aufgesuchte Fluchtburg, sondern um den neuen Typus einer Höhenburg, in welche eine ständige Besatzung gelegt wurde. Der Adel ist hierbei während der Zeit der Minderjährigkeit des Königs vorangeschritten, wurden doch einige der von demselben errichteten Burgen im Laufe der kriegerischen Auseinandersetzungen vom König besetzt oder zerstört (so Beichlingen und [Burg-]Scheidungen, Burgen des Markgrafen Dedi [Lampert 1069, 109; Ann. Altah. 1069, 77; Frutolf 1070], sowie diejenigen Ottos von Northeim, Hanstein und Desenberg [Lampert 1070, 115]). Den Bau sächsischer Befestigungen erwähnt Frutolf zu 1073 (Saxones adiciunt etiam presidia multa construere). Insofern war es nur konsequent, wenn Heinrich IV. nach dem Frieden von Gerstungen (1074) verlangte, daß auch Sachsen und Thüringer ihre während seiner Regierungszeit errichteten Burgen niederlegen (Lampert 1074 [183]; vgl. Reg. 695). – Vorbild für die Burgenbauten im Harzraum war offenbar Erzbischof Adalbert von Bremen (Bruno, Bell. Saxon. c. 16 [MGH Dt. MA 2, 22]), der auf dem Süllberg und an anderen Orten Burgen (castella) errichten ließ (Adam Brem. III, 26 und 37 [SS rer. Germ. 1917, 170 und 179]). – Mit der Planung und Durchführung dieses Vorhabens war zunächst der Goslarer Vicedominus Benno (seit 1068 Bischof von Osnabrück) betraut worden (Vita Bennonis c. 9 [SS rer. Germ. 1902, 10 f.]). – Nach Lampert 1074 (184) soll Heinrich IV. den Zweck der Errichtung dieser Burgen mit der Sicherung des Reiches (ad munimentum regni) umschrieben haben. – Als Burgbesatzungen wurden wohl vorwiegend landfremde Ministeriale, die bei Lampert von Hersfeld mit ‚Schwaben' gleichgesetzt werden, herangezogen. Vgl. Struve, Hess. Jb. f. LG 20 (1970) 42 ff. – Diese Burgen hatten jedoch nicht nur eine Schutzfunktion für das umliegende Königsgut; sie waren zugleich auch Verwaltungsmittelpunkte. Vgl. Bosl, Reichsministerialität 1, 86 ff. – Zu den Baulichkeiten der salischen Anlage der Harzburg vgl. Keibel-Maier, Harzburg (1978) 209 ff. mit Literatur 226; Steinmetz, Geschichte und Archäologie der Harzburg (2001) 24 ff. – Vgl. Waitz, DVG 8, 205 ff.; Meyer von Knonau, Jbb. 2, 228 f. mit Exkurs III, 857 ff. und IV, 870 ff.; Eberhardt, Anfänge des Territorialfürstentums (1932) 14; Wäscher, Feudalburgen in den Bezirken Magdeburg und Halle (1962) Textbd. 22, 97, 106 f., 108 f., 109 ff., 116 ff., 134 ff., 152 f.; Berges, Geschichte des Werla-Goslarer Reichsbezirks (Deutsche Königspfalzen 1, 1963) 135, 139 und 155; Uhlhorn, Die territorialgeschichtliche Funktion der Burg, Blätter f. deutsche LG 103 (1967) 9 ff.; Stolberg, Befestigungsanlagen im und am Harz (1968) passim; Wilke, Das Goslarer Reichsgebiet (1970) 25 ff.; Last, Burgen des 11. und frühen 12. Jh. in Niedersachsen (VuF 19/1, 1976) 425 ff.; Fenske, Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung (1977) 28 ff.; Giese, Stamm der Sachsen (1979) 154 f.; Streich, Burg und Kirche (1984) 436 ff.; Heine, Burgen der salischen Zeit in Niedersachen, in: Burgen der Salierzeit 1 (1991) 48 ff.; Brachmann, Zum Burgenbau salischer Zeit zwischen Harz und Elbe, in: Burgen der Salierzeit 1 (1991) 97 ff.; Schubert, Geschichte Niedersachsens 2/1 (1997) 278 ff.; Steinmetz, Geschichte und Archäologie der Harzburg (2001) 24; Kleinen, Bischof und Reform (2004) 101 ff., 118, 120 ff. und 133 ff.; Borchert, Herzog Otto von Northeim (2005) 106 ff.; Heine, Burgenbau, in: Canossa 1077. Erschütterung der Welt 1. Essays 224 ff.; ders., Frühe Burgen in Niedersachsen, in: Neue Forschungen zum frühen Burgenbau (2006) 56 ff. mit 66; sowie Reg. 487. 636.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 635, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1073-00-00_2_0_3_2_3_635_635
(Abgerufen am 24.05.2017).