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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich lädt den durch einen gewissen Egino eines Mordanschlages auf den König beschuldigten Bayernherzog Otto (von Northeim) zwecks Rechtfertigung durch Zweikampf vor ein für den 1. August anberaumtes Fürstengericht nach Goslar, nachdem dieser alle diesbezüglichen Anschuldigungen geleugnet hatte.

Überlieferung/Literatur

Lampert 1070 (SS rer. Germ. [1894] 113); ohne konkrete Datumsangabe Ann. Altah. 1070 (SS rer. Germ. [1891] 79); Bruno, Bell. Saxon. c. 19 (MGH Dt. MA 2, 25); Frutolf 1071; Ann. Stad. 1105 (SS 16, 317); kürzer Berthold 1070 (SS 5, 275 = SS n. s. 14, 210 f.); von einer coniuratio Ottos sprechen Ann. Weissenb. 1071 (SS rer. Germ. [1894] 55); Ann. August. 1070 (SS 3, 128); St. Galler Fortsetzungen Hermanns von Reichenau 1071, f. 17r; Ann. Laubiens., Cont. 1071 (SS 4, 21); von einer rebellio Bernold Const. 1070 (SS 5, 429 = SS n. s. 14, 398); Ann. s. Albani 1071 (SS 2, 245); Ann. Mell. 1070 (SS 9, 499); Ann. Hild. 1071 (SS rer. Germ. [1878] 47); Ann. Rosenv. 15 [= 1071] (SS 16, 100); vgl. Lampert, Inst. Herveld. eccl. II (SS rer. Germ. [1894] 354).

Kommentar

Zur Datierung der Fürstenversammlung zu Mainz auf den Zeitraum von ca. drei Wochen nach Pfingsten (23. Mai) Meyer von Knonau, Jbb. 2, 14. – Das Datum des Goslarer Gerichtstages nennt allein Lampert von Hersfeld. – Während die Annales Altahenses Otto von Northeim bezichtigen, insgeheim Anschläge gegen den König vorzubereiten (occulta consilia semper contra regem machinabatur), ohne Egino im Unterschied zu Lampert von Hersfeld in der zwielichtigen Rolle als Werkzeug einer Gruppe nicht näher bezeichneter Höflinge erscheinen zu lassen, betrachten Bruno und die Annales Stadenses Heinrich IV. selbst als Urheber der Anklage. – Lampert zufolge war Egino ein homo ingenuus mit dunkler Vergangenheit, nach den Annales Stadenses non alti seminis, nach Frutolf hingegen mediocri loco natus – was aber wohl kaum auf einen Standesunterschied schließen läßt, sonst hätte Otto von Northeim die Forderung zum Zweikampf sicherlich nicht angenommen. Meyer von Knonau, Jbb. 2, 13 bezeichnet Egino als "Mittelfreien von bescheidenem Vermögen". – Egino stammte wohl aus dem sächsischen Adel; eine Identität mit Egeno II. von Konradsburg (Heinemann, Noch Einiges zur Geschichte der Grafen von Valkenstein, Neue Mittheilungen aus dem Gebiet historisch-antiquarischer Forschungen 9/3-4 [1862] 28; Heinrich, Die Grafen von Arnstein [1961] 471) läßt sich jedoch nicht sicher beweisen. Vgl. Fenske, Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung (1977) 93. – Egino wurde später unter dem Vorsitz Annos von Köln im Königsgericht verurteilt und in Ketten gelegt (Lampert 1072 [SS rer. Germ. 1894, 135]), während eines Raubzuges gefaßt und geblendet (Lampert 1073 [172]). Vgl. Struve, Hess. Jb. f. LG 20 (1970) 40. – Den Ann. Altah. 1069 (SS rer. Germ. [1891] 76 f.) zufolge hatte Otto von Northeim dem Egino bereits ein Jahr zuvor ein Schwert übergeben, das als Mordwaffe dienen sollte und nach dem Bericht Lamperts 1070 (SS rer. Germ. [1894] 113) von diesem als Beweismittel vorgewiesen wurde. – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 2, 8 und 14 f.; Lange, Grafen von Northeim, Niedersächs Jb. f. LG 33 (1961) 31 ff.; Wehlt, Reichsabtei und König (1970) 153 f.; Dt. Königspfalzen 1, Hessen 5 n° 3; Fenske, Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung (1977) 92 f.; Althoff, Billunger in der Salierzeit (Salier 1, 1991) 321; Schubert, Geschichte Niedersachsens 2/1 (1997) 292 f.; Suchan, Königsherrschaft im Streit (1997) 46; Borchert, Herzog Otto von Northeim (2005) 86 ff.; Becher, Auseinandersetzung, in: Vom Umbruch zur Erneuerung (2006) 370 f.; Althoff, Heinrich IV. (2006) 75 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 549, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1070-06-00_1_0_3_2_3_549_549
(Abgerufen am 30.03.2017).