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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich gelangt mit großer Heeresmacht an die ungarische Grenze, wo er jedoch alle Zugänge besetzt findet. Unter der ortskundigen Führung jener Ungarn, die mit Salomon ins Reich geflohen waren, gelingt es einer Heeresabteilung, ins Landesinnere vorzudringen und in zwei Tagesmärschen Wieselburg zu erreichen. Nach der Vereinigung mit dem König, der, ohne eine Nachricht erhalten zu haben, mit dem bei ihm verbliebenen Heeresteil gleichfalls vor Wieselburg erscheint, wird die Festung im Handstreich genommen. Noch bevor es jedoch zu einem Treffen mit den Ungarn kommt, stirbt der Usurpator Béla; dessen Sohn (Geza) ergreift daraufhin die Flucht. Heinrich setzt Salomon wieder in die Herrschaft ein, worauf sich dieser mit der Schwester des Königs (Judith-Sophie) vermählt.

Überlieferung/Literatur

Ann. Altah. 1063 (SS rer. Germ. [1891] 63 f.); kürzer Lampert 1063 (SS rer. Germ. [1894] 88), der allein die Nachricht von der Vermählung Salomons überliefert; vgl. Adam Brem. III, 43 (SS rer. Germ. [1917] 186); Bernold. Const. 1063 (SS 5, 428); hiervon abgeleitet Ann. Mell. 1063 (SS 9, 499) und mit Zusätzen Auct. Zwetl. 1063 (SS 9, 539); Ann. August. 1063 (SS 3, 127).

Kommentar

Lampert und Ann. Augustani setzen den Ungarnfeldzug irrig erst nach dem Tode Bélas an. Vgl. im Zusammenhang mit der Einordnung des Bamberger Briefes M 15 Erdmann, Studien 285. der hiermit seine Bemerkungen NA 49 (1932) 344 korrigiert. – Zum Tode Bélas vgl. den von Meinhard im Namen des Bamberger Domkapitels an König S (alomon von Ungarn) gerichteten Brief M 15 (MGH Briefe d. dt. Kaiserzeit 5, 208 f.) von Anfang November 1063; hierzu Guttenberg, Regesten d. Bischöfe von Bamberg 349. – Da sich das deutsche Heeresaufgebot noch in Begleitung des zum Reichsverweser bestellten Erzbischofs Anno von Köln am 4. September in Ardagger unterhalb Linz (Weihe der dortigen Stiftskirche durch Anno von Köln unter Mitwirkung der Erzbischöfe Siegfried von Mainz, Adalbert von Bremen, Bischof Ellenhards von Freising sowie 24 weiterer Kleriker: Dedicatio ecclesiae Ardachrensis, MGH SS 30/2, 778; vgl. G.E. Frieß, Archiv f. österr. Geschichte 46 [1871] 422; Oediger, Regesten d. Erzbischöfe von Köln 919) aufhielt, Heinrich am 27. September aber bereits wieder an der Fischa sö. Wien urkundete (D. 111; Reg. (n. 305)), dürfte die Einnahme Wieselburgs etwa Mitte September erfolgt sein. – Obgleich dies in den Quellen nicht ausdrücklich erwähnt wird, besteht kein Zweifel, daß die militärische Leitung des Unternehmens bei Herzog Otto von Bayern gelegen hat; denn nach Lampert wurde dieser von der Königin-Mutter (Anastasia) durch die Überreichung eines vermutlich aus dem ungarischen Königsschatz stammenden Schwertes, in welchem der Hersfelder Mönch das legendenumwobene Attilaschwert zu erkennen meinte, für die Rückführung ihres Sohnes geehrt (Ann. 1071 SS rer. Germ. [1894] 130: Hunc [sc. gladium] siquidem regina Ungariorum, mater Salomonis regis, duci Baioariorum Ottoni dono dederat, cum eo suggerente atque annitente rex filium eius in regnum paternum restituisset; über „Attilas Schwert” vgl. P.E. Schramm, Herrschaftszeichen und Staatssymbolik 2, 489). Adalbert von Bremen hingegen, der die politische Verantwortung trug, scheint die Führung des Bremer Aufgebotes seinem Vasallen Graf Hermann (Billung) anvertraut zu haben (Adam Brem. III, 43). – Nach dem Zeugnis des von Meinhard verfaßten Briefes des Bamberger Dekans P(oppo) und des Vizedominus R. M 18 (MGH Briefe d. dt. Kaiserzeit 5, 212; vgl. Guttenberg, Regesten d. Bischöfe von Bamberg 345) nahm aus Norddeutschland neben dem nicht gerade schmeichelhaft beurteilten Erzbischof Adalbert von Bremen nur Bischof Benno von Osnabrück an dem Ungarnfeldzug teil, während Graf Ekbert (I. von Braunschweig) sowie von den süddeutschen Fürsten Bischof (Adalbero) von Würzburg und Herzog (Rudolf) von Schwaben, der soeben einen mißglückten Feldzug nach Burgund unternommen hatte, ferngeblieben waren. Vgl. Erdmann, NA 49 (1932) 344 f. Die Teilnahme Bischof Gunthers von Bamberg hält Guttenberg, Regesten d. Bischöfe von Bamberg 346 aufgrund der Bamberger Briefe M 21 und H 78a für erwiesen. Lamperts Angabe über eine Beteiligung Annos von Köln (Inst. Herveld. eccl. II, SS rer. Germ. [1894] 353: Annone cooperante) dürfte wohl eher auf die Vorbereitung des Feldzuges zu beziehen sein. – Der ungarische Thronfolger Salomon war im September 1058 mit Heinrichs Schwester Judith verlobt worden (Reg. (n. 145)). – Die Angabe des Altaicher Annalisten, wonach die Wiedereinsetzung Salomons und dessen Hochzeitsfeier in Stuhlweißenburg stattgefunden habe (vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 347; Giesebrecht 5 3, 102), könnte durchaus zutreffend sein; angesichts der beträchtlichen Entfernung ist Heinrichs Anwesenheit hierbei jedoch wenig wahrscheinlich. Vgl. Guttenberg, Regesten d. Bischöfe von Bamberg 346. – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 345 ff; Giesebrecht 5 3, 101 f.; F. Schuster, Ungarns Beziehungen zu Deutschland (1899) 9 ff.; Riezler, Geschichte Baierns21,2 83 ff.; K. Schünemann, Die Deutschen in Ungarn (1923) 80 f.; Hóman, Geschichte d. ungarischen Mittelalters 1, 271 ff.; W. Graeser, Auswärtige Beziehungen im politischen Leben der deutschen Stämme (Diss. masch. Göttingen 1948) 102 f.; Lange, Grafen von Northeim, Niedersächs. Jb. f. LG 33 (1961) 20 f.; Glaeske, Erzbischöfe von Hamburg-Bremen (1962) 67; K. u. M. Uhlirz, HB d. Geschichte Österreich-Ungarns 2 1, 409 f.; Reindel, in: HB d. bayer. Geschichte 1, 240 f.; Lechner, Babenberger (1976) 85.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 304, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1063-09-00_1_0_3_2_3_304_304
(Abgerufen am 26.03.2017).