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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Am Vorabend des Pfingstfestes lebt in Gegenwart des Königs und der Bischöfe in der (Stifts) kirche (St. Simon und Judas) ein bereits zu Weihnachten des Vorjahres ausgebrochener Streit zwischen Abt Widerad von Fulda und Bischof Hezilo von Hildesheim wieder auf, wer von beiden Anspruch auf den ersten Platz nach dem Mainzer Erzbischof habe. Die diesmal von beiden Parteien vorsätzlich heraufbeschworene Auseinandersetzung mündet in einen blutigen Kampf, in dessen Verlauf auf beiden Seiten Tote und Verwundete zu beklagen sind. Graf Ekbert (von Braunschweig) soll hierbei ein Aufgebot des Hildesheimer Bischofs angeführt haben. Heinrich, der vergeblich versucht hat, den Streitenden unter Hinweis auf die königliche Majestät Einhalt zu gebieten, zieht sich auf den Rat seiner Umgebung in die Pfalz zurück; nur das Anbrechen der Nacht vermag eine Fortsetzung der Kampfhandlungen außerhalb der Kirche zu verhindern.

Überlieferung/Literatur

Lampert 1063 (SS rer. Germ. [1894] 82 f.); Liber de unit. eccl. II, 33 (Ldl 2, 259); Ann. Corb. 1063 (Jaffé, Bibl. 1, 40); Ann. Stederb. 1063 (SS 16, 202); nur kurz erwähnt bei Bernold. Const. 1063 (SS 5, 428); hiervon abgeleitet Ann. Mell. 1064 (SS 9, 499); vgl. den Brief Siegfrieds von Mainz an Gregor VII. aus dem Jahre 1075 CU 45 (Jaffé, Bibl. 5, 99). Unrichtig Ann. Altah. zu Ostern 1063 (SS rer. Germ. [1891] 61). In legendarischer Ausgestaltung, irrtümlich in die Zeit Heinrichs III. nach Mainz verlegt von Wilh. Malm., Gest. reg. Angl. II §192 (SS rer. Brit. 90, 233). Fälschlich mit der Ermordung Burchards von Halberstadt 1088 in Goslar verbunden in Chron. s. Simonis et Iudae Goslar. c. 5 (MGH Dt. Chron. 2, 605 f.). – Die Vorgeschichte des Streites am Weihnachtstage des Jahres 1062 erwähnen Lampert 1063 (SS rer. Germ. [1894] 61); Liber de unit. eccl. II, 33 (Ldl 2, 259) mit um eine Einheit zu hoher Jahresangabe; Ann. Corb. 1063 (Jaffé, Bibl. 1, 40).

Kommentar

Die übereinstimmend vom Liber de unit. eccl. II, 33 und von den Ann. Stederburgenses überlieferte Nachricht, wonach die Auseinandersetzungen am Abend vor dem Pfingstfest (in vigilia pentecostes) stattfanden, erfährt durch die freilich irrig zu Ostern gebrachte Zeitangabe der Ann. Altahenses in sabbato sancto indirekt eine Bestätigung. Lampert spricht dagegen unbestimmt von der vespertinalis sinaxis. Auch die Zeitangabe Siegfrieds von Mainz (in ipsa vespera pentecostes) dürfte sich auf den Pfingstsamstag beziehen. – Zur Abhängigkeit der im Liber de unit eccl. gegebenen Darstellung von Lampert vgl. Struve, Hess. Jb. f. LG 19 (1969) 69. – Daß beide Parteien bereits bewaffnet nach Goslar kamen, wird durch Lampert und den Liber de unit. eccl. II, 33 ausdrücklich bezeugt. – Über den von den Fuldaer Äbten beanspruchten Primat vgl. abweichend von A. Busson, Fulda und die Goldene Bulle, MIÖG 2 (1881) 35 ff. K. Lübeck, Der kirchliche Rangstreit zu Goslar, Niedersächs. Jb. f. LG 19 (1942) 97 ff.; E.E. Stengel, Primat und Archicancellariat der Abtei Fulda, in: ders., Abh. u. Unters. z. hessischen Geschichte (1960) 322 f. – Auf Fuldaer Seite war der Bannerträger Graf Reginbodo sowie vermutlich ein weiterer Graf namens Wignand (Ann. necrol. Fuld. 1063 SS 13, 215) gefallen; Graf Ekbert von Braunschweig hatte den miles Bero verloren (Meyer von Knonau, Jbb. 1, 330 Anm. 47). – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 328 ff; Lübeck, Rangstreit zu Goslar, Niedersächs. Jb. f. LG 19 (1942) 111 ff; Struve, Hess. Jb. f. LG 20 (1970) 75 f.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 284, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1063-06-07_1_0_3_2_3_284_284
(Abgerufen am 25.07.2017).