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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Heinrich bestätigt dem Stift des hl. Servatius zu Maastricht auf Bitten und mit Billigung des Markgrafen Otto von Thüringen und dessen Gemahlin Adela die dem Servatiusstift von denselben in Gegenwart des Königs, des Erzbischofs Anno von Köln, des Bischofs Dietwin von Lüttich, des Herzogs Friedrich (von Niederlothringen), des Markgrafen Gottfried (des Bärtigen von Oberlothringen), des Grafen Lambert von Brüssel und dessen Söhnen, Winrichs von Visé sowie zahlreicher anderer gegen Zahlung von 300 Pfund Silber und die Überlassung vier genannter Dörfer zu prekarischer Leihe übertragenen Güter zu Weert und Dilsen nebst allem Zubehör einschließlich der daselbst befindlichen Kirchen sowie allen Einkünften, 〈deren Verwaltung jedoch nicht dem Propst zustehen, sondern dem Dekan im Einvernehmen mit den Brüdern vorbehalten bleiben soll〉. 〈Die nach dem Tode des Markgrafen und seiner Gemahlin an das Servatiusstift zurückfallenden Güter sollen ausschließlich einem vom Kapitel bestellten Vogt unterstehen. Über Zuwiderhandelnde wird eine Buße von 1000 Pfund Gold verhängt〉 (tale predium, quale habuerunt in villis Werta Thilesna, in nostra nostrorumque fidelium presentia, scilicet Annonis Coloniensis archiepiscopi, Diedwini Leodiensis episcopi, Friderici ducis, Godefridi marchionis, Lamberti comitis de Brvsela filiorumque suorum, Winrici de Wivsehel et aliorum multorum cum omnibus appendiciis suis ... ad ęcclesiam sancti Servatii in Traiecto ad usum confratrum ... tradiderunt, 〈hac conditione ut nullius prepositi ditioni subiaceat, sed decanus consilio fratrum, cui voluerit de fratribus et qui idoneus ad hoc inventus fuerit, committat〉. Pro quo idem marchio O. eiusque coniunx A. trecentas libras argenti a predictis fratribus acceperunt atque in precaria IIII villas Oya, Mahlen, Masewig, Hese ad eorundem fratrum prebendam pertinentes, ea scilicet conditione ut post obitum illorum ad pristinam possessionem ... redirent 〈et ne quis advocatiam prefati predii sibi vendicare presumeret, nisi quem ipsi fratres communi consilio eligerent〉. Hanc igitur traditionem ... confirmavimus et corroboravimus). – Fridericvs canc. vice Sigefridi archicanc.; interpolierte Nachzeichnung (Mitte 12. Jh.) eines von FB verfaßten und geschriebenen Originaldiploms Heinrichs IV., dem wohl auch die Fehler in der Zählung der Ordinations- und Königsjahre entstammen; M.; SI. D. Notum sit omnibus Christi nostrique fidelibus.

Originaldatierung:
(XI kal. octobris, in silva Ketela)

Überlieferung/Literatur

Angebl. Orig.: Rijksarchief Maastricht (A). – Kop.: Chartular von Sint Servaas (14. Jh.) f. 22', ebenda (D); Transsumpt Kg. Rudolfs vom 6. April 1282, ebenda (E). – Drucke: Posse, CD Saxoniae regiae 1, 1, 320 no 120 aus D; MGH DD 6, 118 no 91; Gysseling-Koch, Diplomata Belgica 1, 383 no *230. – Reg.: Wauters, Table chronol. 1, 511 und 7, 1, 143; Dobenecker, Regesta Thuringiae 834; Doppler, Publications de la société historique et archéologique dans le Limbourg 66, 230 no 22; Böhmer 1752; Stumpf 2611.

Kommentar

Die in D. 91 beurkundete Besitzübertragung wird durch die Wiedergabe des wesentlichen Rechtsinhaltes in der Ende der achtziger Jahre des 11. Jh. entstandenen Translatio s. Servatii des Jocundus c. 63 (MGH SS 12, 117) bestätigt: In diebus namque illis, eiusdem coenobii consentientibus canonicis, cuidam marchioni Ottoni eiusque coniugi, nobilissimae matronae, multa que habebat ecclesia (sc. sancti Servatii) hec pro quodam allodio piae recordationis prepositus dederat Humbertus. Hierdurch ist auch die von der Forschung als verdächtig angesehene Bezeichnung Ottos als marchio (vgl. die Vorbem. zu D. 91) bezeugt. Vgl. J. Deeters, Servatiusstift und Stadt Maastricht (1970) 51 f.; sowie Meyer von Knonau, Jbb. 1, 292 mit Anm. 108. – Die Besitzungen zu Weert und Dilsen gehörten vermutlich zur Mitgift der vom Annalista Saxo (SS 6, 693) als Adhela de Brabantia, ex castello quod Lovene dicitur bezeichneten Gemahlin Markgraf Ottos, Adela von Brabant. Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 292 Anm. 108; sowie die Vorbem. zu D. 91. – Zu den Zeugen der allein auf die Privathandlung bezüglichen Präsenzformel vgl. Gawlik, Intervenienten 25 f. – Über den neuen Notar Friedrich B vgl. Gladiß-Gawlik, Einl. XXIX f. – Die Verfälschung des D., welche mit Sicherheit nur für die Bestimmungen über die Ausschaltung des Propstes von der Verwaltung der ausgetanen Güter, über die freie Vogtwahl der Brüder sowie über die ungewöhnliche Höhe der Buße nachgewiesen werden kann, erfolgte vermutlich im Zuge der um die Mitte des 12. Jh. zwischen Propst und Kapitel geführten Auseinandersetzungen um die Verwaltung des Stiftsvermögens. Vgl. Deeters, Servatiusstift 52, durch dessen Angaben die Darstellung von J.F. Niermeyer, Onderzoekingen over Luikse en Maastrichtse Oorkonden (1935) 172 ff., der sich Gladiß, Vorbem. zu D. 91 anschloß, korrigiert wird. Nach W. Seegrün, Das Erzbistum Hamburg in seinen älteren Papsturkunden (1976) 51 f., 53 ff. dürfte ein enger Zusammenhang zwischen den bei den Maastrichter Fälschungen begegnenden Schreibern und jenen, welche zwischen 1154 und 1160 an der Fälschung von Hamburger Papsturkunden beteiligt waren, bestanden haben. – Ortsnamen: Ketela = der Reichswald Kessel s. Kleve; Werta = Weert sö. Eindhoven; Thilesna = wahrscheinlich Dilsen n. Maastricht; Oya = Oost Gem. Eisden nw. Mechelen a. d. Maas; Mahlen = Mechelen a. d. Maas n. Maastricht; Masewig = Meeswijk nw. Mechelen a. d. Maas; Hese = Hees w. Maastricht. Vgl. Deeters, Servatiusstift 52, 125 ff. – Zum Ausstellungsort vgl. HB d. hist. Stätten Deutschlands 3, 629.

Nachträge (1)

Nachtrag von Dirk Jäckel, eingereicht am 27.09.2010.

Neuer Archivname:

Rijksarchief Maastricht (A) > Regionaal Historisch Centrum Maastricht

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 265, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1062-09-21_1_0_3_2_3_265_265
(Abgerufen am 21.02.2017).