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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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An der Regierung der Kaiserin Agnes wird in zunehmendem Maße Kritik geübt, dieselbe lasse sich nur allzu bereitwillig von ihren Ratgebern, unter denen Bischof Heinrich von Augsburg an erster Stelle genannt wird, beeinflussen, während der Stimme der Fürsten kein Gehör geschenkt werde. Das Recht werde im Reiche nur noch gering geachtet, ohne Einsatz von Geldmitteln sei am Hofe keine Gerechtigkeit mehr zu erlangen. Angesichts dieser Mißstände wird von verschiedenen Seiten die Berechtigung einer Frau zur Herrschaft überhaupt in Zweifel gezogen.

Überlieferung/Literatur

Ann. Altah. 1062 (SS rer. Germ. [1891] 59), sowie bereits im Anschluß an den irrtümlich zu 1060 gebrachten Bericht über die Papsterhebung des Cadalus von Parma (ebd. 56); Lampert 1062 (SS rer. Germ. [1894] 79); V. Heinrici IV. c. 2 (SS rer. Germ. [1899] 13 f.). Die Bestechlichkeit des Hofes bezeugt auch Amatus, Hist. Norm. IV, 28 (Fonti 76, 203). Kritik am weiblichen Regiment auch bei Bonizo, Ad amic. VI (Ldl 1, 593 u. 595 f.); Sigeb. Gembl. 1062 (SS 6, 360). Bereits anläßlich des Regierungsantritts Heinrichs IV. Adam. Brem. III, 34 (SS rer. Germ. [1917] 176).

Kommentar

Als weitere Ursache des allgemeinen Unmuts erwähnt der Altaicher Annalist (SS rer. Germ. [1891] 59) das Versagen der Regentin in der Erziehung des jungen Königs (nec regem quisquam quod bonum iustumque esset, edocebat), vgl. auch Cod. Lauresh. c. 123c (Glöckner 391): dolens (sc. Anno Coloniensis archiep.) a matre materno quidem affectu, sed non regaliter enutriri. Vgl. R. Ahlfeld, Erziehung der sächsischen und salischen Herrscher (Diss. masch. Greifswald 1949) 126 f.; sowie Reg. (n. 255). – Zu Adams kritischen Äußerungen, welche vor dem Hintergrund der zwischen Erzbischof Adalbert von Bremen und dem sächsischen Herzogshaus bestehenden Spannungen (vgl. Reg. (n. 170)) betrachtet werden müssen, vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 648; sowie die Bemerkungen zu Reg. (n. 170). – Am dominierenden Einfluß Bischof Heinrichs von Augsburg hatte bereits Berthold 1058 (SS 5, 270; 13, 731) Anstoß genommen. Die sich hieran anknüpfenden Gerüchte und Verdächtigungen sittlicher Art greift Lampert auf. – Zu der von Lampert nachdrücklich betonten fürstlichen Teilhabe an der Herrschaft vgl. Struve, Hess. Jb. f. LG 20 (1970) 46 f. – Die gegen die Herrschaft einer Frau gerichteten Bedenken dürften von den streng kirchlich gesinnten Kreisen Italiens ihren Ausgang genommen haben. Mit deutlichem Bezug auf die Regierungsmaßnahmen der Kaiserin Agnes verurteilte Kardinal Humbert, Adv. sim. III, 12 (Ldl 1, 212) – obgleich er es vermied, diese namentlich zu erwähnen – die von Frauen des Laienstandes vorgenommenen Verfügungen in kirchlichen Angelegenheiten, insbesondere die Verleihung von Bistümern und Abteien durch Ring und Stab als perversissima abusio. Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 114 f. sowie Exkurs I, 649; Bulst-Thiele, Kaiserin Agnes 69. – Während die Schwächen der Regierung der Kaiserin Agnes vom Altaicher Annalisten mit dem kritischen Blick des Zeitgenossen offengelegt wurden, neigten spätere Betrachter unter dem Eindruck des Investiturstreites dazu, deren Wirken zu glorifizieren: Benzo, Ad Heinr. II, 15 (SS 11, 618 f.); Lib. de unit. eccl. II. 33 (Ldl 2, 258); Frutolf l056 = Otto Frising., Chron. VI, 34 (SS rer. Germ. [1912] 302); V. Heinrici IV. c. 2 (SS rer. Germ. [1899] 13 f.). Doch rühmte bereits Lampert, Inst. Herveld. eccl. II (SS rer. Germ. [1894] 353) die Umsicht der Kaiserin. Vgl. Bulst-Thiele, Kaiserin Agnes 82 f. – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 267 ff. sowie Exkurs I, 647 ff.; Giesebrecht 5 3, 79; Bulst-Thiele. Kaiserin Agnes 79 f.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 238, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1062-00-00_1_0_3_2_3_238_238
(Abgerufen am 23.04.2017).