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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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Der königliche Hof verurteilt im Verein mit einigen deutschen Bischöfen unter maßgeblicher Beteiligung Annos von Köln auf einer hierzu einberufenen Synode Papst Nikolaus II., erklärt die von diesem erlassenen Verfügungen für ungültig und untersagt die Nennung seines Namens in der Liturgie.

Überlieferung/Literatur

Petr. Dam., Disc. (Ldl 1, 87): Rectores enim aulae regiae cum nonnullis Teutonici regni ... episcopis conspirantes contra Romanam aecclesiam, concilium collegistis, quo papam quasi per sinodalem sententiam condempnastis, et omnia, quae ab eo fuerant statuta, cassare ... presumpsistis; Deusdedit, Libell. contra inv. I, 11 (Ldl 2, 309): Nicholaum Coloniensem archiepiscopum pro suis excessibus corripuisse graviter tulerunt (sc. rex et optimates eius) eumque huius rei gratia, quantum in se erat, a papatu deposuerunt, nomenque eiusdem in canone consecrationis nominari vetuerunt; Benzo, Ad Heinr. VII, 2 (SS 11, 672): Ad vindicandam vero suam aliorumque iniuriam erexit se Anno Coloniensis, exquisitis adulterae nativitatis figmentis. Communi ergo consensu orthodoxorum direxit illi excommunicationis epistolam, qua visa, dolens et gemens presentem deseruit vitam.

Kommentar

Während Petrus Damiani lediglich von einer Verurteilung des Papstes berichtet, ist bei Deusdedit, der zusätzlich das Verbot der Nennung des päpstlichen Namens in der Liturgie erwähnt, von Absetzung und bei Benzo von Exkommunikation die Rede. Der Synodalbeschluß dürfte einer förmlichen Absetzung gleichgekommen sein. Vgl. Haller, Papsttum22, 593 f. Anm. zu 337. – Der unmittelbare Anlaß für diese Aufkündigung des Gehorsams wird wohl im Unwillen des deutschen Episkopats über das Vorgehen Nikolaus' II, insbesondere gegenüber Anno von Köln, zu suchen sein. Zur Verweigerung des Palliums für Erzbischof Siegfried von Mainz vgl. Reg. (n. 192). – Über die Beteiligung Annos von Köln an diesen Vorgängen Giesebrecht 53, 69; Jenal, Erzbischof Anno II. von Köln 1, 166 ff. – Die Verantwortung für dieses Vorgehen schrieb Petrus Damiani, Disc. (Ldl 1, 90) jedenfalls allein den königlichen Ratgebern zu, während er den König unter Hinweis auf dessen jugendliches Alter, die Kaiserin Agnes wegen ihres Geschlechts ausdrücklich von jeder Schuld ausgenommen wissen wollte. – Die Verurteilung Nikolaus' II. dürfte freilich niemals rechtlich wirksam geworden sein, zumal dieser bald darauf (20. Juli) starb. Vgl. Zimmermann, Papstabsetzungen (1968) 148, 199 f. – Zur zeitlichen Einordnung der Vorgänge wie zu deren Beurteilung jetzt in Berichtigung der älteren Darstellungen (Meyer von Knonau, Jbb. 1, 180 f., sowie Exkurs VIII, 684 ff.; Bulst-Thiele, Kaiserin Agnes 73 f.) Krause, Papstwahldekret (1960) 128 ff. Vgl. ferner Borino, Studi Gregoriani 4 (1952) 379 mit Anm. 23; Zimmermann, Papstabsetzungen 147 f.; Jenal, Erzbischof Anno II. von Köln 1, 166 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 218, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1061-07-20_1_0_3_2_3_218_218
(Abgerufen am 29.04.2017).