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RI III Salisches Haus (1024-1125) - RI III,2,3

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In verschiedenen Gegenden des Reiches kommt es zu Empörungen gegen Heinrichs Regierung, die jedoch durch das gemeinsame Einschreiten der Reichsregentin und der Fürsten niedergeschlagen werden können. Insbesondere in Sachsen sollen sich die Großen aus Erbitterung über die Ungerechtigkeiten, welche sie angeblich unter dem verstorbenen Kaiser (Heinrich III.) erlitten hätten, mit dem Plan getragen haben, dem jungen König die Herrschaft zu entreißen, ja sogar ihn zu töten, wenn sich hierzu Gelegenheit böte; fürchteten sie doch, daß der Sohn dem Beispiel des Vaters folgen würde. Kristallisationspunkt dieser oppositionellen Bewegung ist Otto, ein Halbbruder des im Vorjahr gegen die Liutizen gefallenen Markgrafen Wilhelm von der Nordmark, dessen Hoffnungen, nunmehr die Mark seines Bruders für sich zu gewinnen, durch die Ernennung Udos von Stade zunichte geworden waren. Die Sachsen sollen ihm nicht nur ihre Unterstützung zum Erwerb der Nordmark zugesagt, sondern ihn sogar zum Griff nach der Krone ermuntert haben.

Überlieferung/Literatur

Lampert 1057 (SS rer. Germ. [1894] 71): Principes Saxoniae crebris conventiculis agitabant de iniuriis, quibus sub imperatore affecti fuerant, arbitrabanturque pulchre sibi de his satisfactum fore, si filio eius, dum adhuc aetas oportuna iniuriae esset, regnum eriperent; nec procul ab fide aberat filium in mores vitamque patris pedibus ... iturum esse. Accessit ex insperato magno turbandis rebus adiumentum Otto frater Willehelmi marchionis, sed matrimonio impari, matre scilicet Sclavica, natus ... Is ... comperta morte fratris, magna spe obtinendae hereditatis regressus in Saxoniam, a cunctis illic principibus benigne excipitur, magnisque omnium adhortationibus instigatur non modo marcham ..., sed ipsum quoque regnum affectare. Ubi alacrem paratumque negocio advertunt, fidem omnes dicunt, suas quisque manus, suam operam pollicentur, regemque ... interficere constituunt; nur kurz dagegen Ann. August. 1057 (SS 3, 127): Multorum factiones contra imperatoris filium exortae, divinitus sedantur.

Kommentar

Die allein von Lampert überlieferte Nachricht von den Unruhen in Sachsen, die unverkennbar unter dem Eindruck späterer Ereignisse, des Sachsenkrieges und der Diskussion um die Absetzung Heinrichs IV., steht, läßt zwar keine Verallgemeinerung zu; doch artikulierte sich hierin ein Unbehagen am salischen Herrschaftssystem, das – wie die von Hermann von Reichenau bereits zu 1053 vorgebrachte Kritik (SS 5, 132) erkennen läßt – zunehmend in Gegensatz zu den Interessen der Stämme geriet. Dies ist zudem die einzige Stelle, wo Lampert, der die Regierungszeit Heinrichs III. sonst durchgehend glorifizierte, Kritik an diesem Herrscher anklingen läßt (Struve, Hess. Jb. f. LG 20 [1970] 36 f., 56). – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 37 ff.; Bulst-Thiele, Kaiserin Agnes 54 f.; Fenske, Adelsopposition und kirchliche Reformbewegung (1977) 22 f.; Giese, Stamm der Sachsen (1979) 149; Boshof, Reich in der Krise, HZ 228 (1979) 279 f. – Über die Erhebung Friedrichs von Gleiberg vgl. Reg. (n. 117).

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Empfohlene Zitierweise

RI III,2,3 n. 109, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1057-00-00_2_0_3_2_3_109_109
(Abgerufen am 18.01.2017).