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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Herzog Friedrich [I. von Schwaben], viele Grafen sowie die Bischöfe [Hermann] von Augsburg (Augustensis) und [Eberhard] von Eichstätt unter der Zustimmung der Prioren beider (utriusque prioribus consencientibus) beschwören Landfriedensbestimmungen zum Schutz von Geistlichen, Kirchen, kirchlichen Gebäuden, Friedhöfen, eingefriedeten und nichteingefriedeten Hofstätten, Frauen, Kaufleuten und Bauern, die bis Ostern und dann ein weiteres Jahr gelten sollen (usque pascha et a proximo pascha usque ad sequens pascha). - Ante proximum festum sanctae Mariae.

 

Überlieferung/Literatur

MG Const. 1,613 ff Nr. 430 (nach Aufzeichnung 12. Jh.). - Heidingsfelder 93 Nr. 273; Gebele 114 Nr. 13.

Kommentar

Es besteht in der Forschung Übereinstimmung, daß diese auf den schwäbischen Bereich bezüglichen Landfriedensbestimmungen zeitlich nicht zu weit von den Anordnungen Heinrichs IV. in Mainz 1103 Januar 6 zu trennen sind (Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 5, 175 f; S. Herzberg-Fränkel, Die ältesten Land- und Gottesfrieden in Deutschland, in: FdG 23 [1883] 157-161; K. S. Bader, Probleme des Landfriedensschutzes im mittelalterlichen Schwaben, in: ZWLG 3 [1939] 13; Weller, Schwäbischer Stamm 257). Beide Texte sind in Clm 3739 (Dombibliothek Augsburg) überliefert (s. dazu Nr. 378). Die Anwesenheit Hermanns in Mainz 1103 Januar 6 ist wegen des Auftrages zur Einführung des Bischofs Ottos von Bamberg (s. Nr. 381) anzunehmen; weder der überlieferte Text (MG Const. 1,125 f Nr. 74) noch die Annales Augustani, die ihn ausführlich würdigen (MG SS 3, 135; Loewe, Ann. Aug. 111) nennen seinen Namen. Da in beiden Landfriedensanordnungen Herzog Friedrich von Schwaben genannt ist, kann es sich nur um Friedrich I. handeln, der 1105 starb (vgl. über ihn NDB 5,588 f mit Lit.). Aus diesem Grund dürfte sich der Zeitansatz des Schwäbischen Friedens auf 1108 (so in MG Const. 1,613 f Nr. 430 als Möglichkeit angedeutet) nicht halten lassen; es liegen keine Anhaltspunkte vor, daß der jugendliche Friedrich II. von Schwaben nach dem Tod des Vaters dessen Landfriedensinitiativen weiterführte. - Es wird in Abschnitt 5 bestimmt, daß jederman vor dem nächsten Marienfest, womit wohl Lichtmeß (Februar 2) gemeint ist, den Frieden beschwören müsse; daher kommt für das Treffen der schwäbischen Großen vor allem der Anfang des Jahres 1104 in Frage, da sich Hermann 1103 in derselben Jahreszeit auf der Reise nach Bamberg befand. Zur Eidleistung vgl. auch J. Gernhuber, Die Landfriedensbewegung in Deutschland bis zum Mainzer Reichslandfrieden von 1235 (Bonner rechtswissenschaftliche Abhandlungen 44) 1952, 68 f, 71, 75 f.

 

Nachtrag:

 

Über die Entwicklung der Landfrieden im frühen 12. Jahrhundert und die Bedeutung des hier vorliegenden schwäbischen Landfriedens vgl. E. Wadle, Heinrich IV. und die Friedensbewegung, in: Vorträge und Forschungen 17(1973) 153-173; im allgemeinen vgl. Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte 2 (1978) 1451-1485. - Über Herzog Friedrich I. von Schwaben vgl. Nachtrag zu Nr. 349.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 384, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fe6d2ead-3839-4692-9efc-a361e1afa42d
(Abgerufen am 19.06.2018).

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