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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Bruno von Augsburg sucht aus Mißgunst gegen seinen verstorbenen Bruder Heinrich [II.], König Konrad [II.] zur Auflösung des Bistums Bamberg (episcopatum Babenbergensem) zu veranlassen; er verspricht der Königin Gisela, ihrem Sohn Heinrich [III.] alle seine Erbgüter zu übertragen. Nach einem Besuch des Bischofs Eberhard von Bamberg erscheint ihm im Traum sein Bruder Heinrich, um ihn von dem Plan gegen das Bistum Bamberg abzubringen. Dieses Gesicht und eine bald darauf eintretende Lähmung veranlassen Bruno, von seinem Vorhaben abzustehen.

Überlieferung/Literatur

Frutolf von Michelsberg, Chronik zu 1025 (11./12. Jh.) MG SS 6, 194 (als Rezension A der Chronik des Ekkehard von Aura gedruckt; s. Wattenbach-Holtzmann 1, 496) ; Adalberti miracula Heinrici II. imperatoris II, cap. 1 (12. Jh.) MG SS 4, 811 f (vgl. I cap. 20; ebd. 805); Annalista Saxo zu 1024 (12. Jh.) MG SS 6, 676; Annales Magdeburgenses (12. Jh.) MG SS 16, 168; Sächsische Weltchronik cap. 168, MG Deutsche Chroniken 2, 170. - RI 3, 10 f Buchst. p; von Guttenberg 86 f Nr. 186; Jäck, Beiträge zur Urgeschichte Bambergs, in: 7. Bericht des historischen Vereins Bamberg (1844) 22 zu 1025; Looshorn, Geschichte des Bistums Bamberg 1, 308 f. - Vgl. Hirsch-Pabst, Jb. Heinrichs II. 2, 141 Anm. 2; Hirsch-Breßlau, Jb. Heinrichs II. 3, 289 Anm. 4; Breßlau, Jb. Konrads II. 1, 31; Giesebrecht, Deutsche Kaiserzeit 52, 631; Braun, Gesch. 1, 354 f; Zoepfl, Lebensbilder aus dem Bayer. Schwaben 2, 52.

Kommentar

In der Gründungsurkunde des Btm. Bamberg 1007 Nov. 1 hatte Heinrich II. versprochen, die durch diese Gründung verursachten Vermögenseinbußen Brunos zu ersetzen (s. Nr. 222). Von einem solchen Ersatz ist nichts bekannt. Vielleicht wollte sich Bruno jetzt eine Entschädigung verschaffen.

Die Überlieferung geht auf Frutolf von Michelsberg zurück; die Nachricht ist daher sicher in bambergischem Sinne übertrieben. Die ganze Erzählung erscheint sehr legendenhaft. Tatsache ist jedoch die starke Spannung zwischen Bischof Bruno und seinem Bruder Heinrich, die sich auch als Abneigung Brunos gegen des Kaisers Gründung Bamberg ausgewirkt haben mag. Ob ein Zusammenhang mit der Verbannung Brunos im Jahr 1024 besteht, ist ungewiß (s. Nr. 237). König Konrad hatte anfänglich vielleicht im Sinn, die reiche Ausstattung Bambergs durch Heinrich II. etwas zu beschneiden; es fällt auf, daß er mit der Bestätigung des Besitzes bis zum Jahr 1034 wartete (v. Guttenberg 94 Nr. 206). - Zur Datierung: Wenn Bruno tatsächlich Maßnahmen eingeleitet haben sollte, dann käme dafür besonders die Zeit kurz nach Konrads II. Wahl im September 1024 in Frage. Andere Unfreundlichkeiten Brunos gegen Bamberg wären auch zu Heinrichs II. Lebzeiten denkbar, doch ist nicht festzustellen, worin sie bestanden haben. Frutolf erzählt diese Geschichte zum Jahre 1025 im Anschluß an die Königswahl Konrads II; das Jahr der Wahl ist jedoch auf 1024 zu korrigieren. - Zur Darstellung des Traumes vgl. auch A. Schönbach, Studien zur Erzählungsliteratur des Mittelalters, in: SB Wien 145 (1903) 6. Abh. 90.

Kurze Zeit nach Konrads Krönung mußte Bischof Eberhard von Bamberg das Erzkanzleramt für Italien abgeben. Vielleicht ist darin eine gewisse Zurücksetzung des Bamberger Bischofs zu erkennen, wozu dann auch Pläne wie der Bischof Bruno zugeschriebene passen könnten (vgl. v. Guttenberg 86 Nr. 185). - Die Annales s. Aegidii Brunswicenses (12. Jh.) MG SS 30 I, 10 berichten, daß Bruno öffentlich bekannt habe, er hätte gegen seinen Bruder gesündigt. Diese nicht nähere ausgeführte Nachricht dürfte auf Frutolf zurückgehen und Brunos Abkehr von seinen gegen Kaiser Heinrich gerichteten Plänen widerspiegeln (vgl. Wattenbach 62, 435).

 

Nachtrag:

 

Zur Überlieferung der Chronik des Frutolf von Michelsberg vgl. Wattenbach-Holtzmann 149+-155+.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 241, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/fa0ae971-4213-48c8-a2dd-ed22b3cd5e52
(Abgerufen am 21.02.2018).

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