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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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[Domscholaster Meinhard von Bamberg] an Bischof [Einhard II. von Speyer, den früheren Dompropst von Augsburg]. Er dankt der Gnade Gottes, daß das Bistum Speyer (Spire nostre) einen solchen Hirten bekommen habe. Heftiges Seufzen werde in Augsburg laut werden (Auguste vestre). Jedes Lebensalter, jedes Geschlecht, jeder Stand und Beruf verliere weinend und klagend mit ihm den Vater. Klerus und Volk von Speyer seufzten nach ihm, die Wände des unvollendeten Domes und die Mauern der Stadt erwarten von ihm den Ausbau.

Überlieferung/Literatur

MG Briefe der deutschen Kaiserzeit 5, 123 f Nr. 76 (nach Abschrift 16. Jh. der Landesbibl. Hannover). - v. Guttenberg 136 Nr. 297. - Vgl. Erdmann, NA 49, 357; ders., Briefliteratur 40 f. - Demandt, Regesten Katzenelnbogen 70 Nr. 1.

Kommentar

Nach den Ann. Aug. (11. Jh.) MG SS 3, 127, den Ann. Bertholdi (11. Jh.) MG SS 5, 271, den Ann. Altahenses maiores (11. Jh.) MG Schulausg. 55, nach Lamperti monachi Hersfeldensis annales (11. Jh.) MG SS Schulausg. 77 und Herimanni Aug. chronicon, continuatio (11. Jh.) MG SS 13, 731 wurde Einhard 1061 Nachfolger des am 12. Dezember 1060 verstorbenen Bischofs Konrad von Speyer (vgl. Remling, Gesch. der Bischöfe zu Speyer 1, 266 f Anm. 478; Hauck, KG Deutschlands 93, 989). Es darf vermutet werden, daß Heinrichs Fürsprache hier für den Dompropst Einhard wirkte (Meyer von Knonau, Jb. Heinrichs IV. und V. 1, 203). Sudendorf, Registrum 2, 1 Nr. 1 hatte als Empfänger des Briefes den Bischof Reginbald von Speyer angenommen, der Abt von Lorsch war, vorher aber die Abtei St. Afra in Augsburg innegehabt hatte (vgl. dazu Breßlau, Jb. Konrads II. 2, 3 f Anm. 5). Schmeidler, Heinrich IV., 109 nimmt zu Unrecht einen Verfasser aus Hildesheim an; Meinhard von Bamberg war gleichzeitig Domkanoniker von Speyer (Reimer, ZGOR 26, 431). - Seit Simonis, Speyrische Chronik (1608) 79 wird Einhard in der Literatur gelegentlich als Graf von Katzenelnbogen bezeichnet, was jedoch in den Quellen nicht begründet ist (s. K. Demandt, Die Anfänge des Katzenelnbogener Grafenhauses und die reichsgeschichtlichen Grundlagen seines Aufstieges, in: Nassauische Annalen 63 [1952] 17).

Der Dom zu Speyer wurde am 4. Oktober 1061 unter Mitwirkung des Bischofs Gundekar von Eichstätt geweiht (J. E. Gugumus, Dedicatio Spirensis ecclesie antiqua, in: 900 Jahre Speyerer Dom, Festschrift zum Jahrestag der Domweihe 1061-1961, Speyer 1961, 175-187; Heidingsfelder 81 Nr. 230, 85 f Nr. 251). Da es nicht möglich ist, in der kurzen Zeitspanne zwischen der Ernennung Einhards zum Bischof (Jahreswende 1060/61) und der eindeutig datierten Weihe (Oktober 1061) umfangreiche Baumaßnahmen zur Behebung der in dem Brief erwähnten Schäden anzunehmen, setzte die baugeschichtliche Forschung das Schreiben zum Jahr 1073 (W. Meyer-Schwartau, Der Dom zu Speyer [Berlin 1893] 70 f; Empfänger: Bischof Rüdiger) oder zu 1033 (Lehmann-Brockhaus, Text 271 Nr. 1361a; Empfänger: Bischof Reginbald) oder zu 1090 (F. Klimm, Der Kaiserdom zu Speyer [Speyer 1953] 19; Empfänger: Bischof Johannes). Neuerdings schließt sich H. Christ, Das Mittelschiff des Domes zu Speyer, das Werk Kaiser Heinrichs IV. und seines Hofkaplans Otto, in der o. a. Festschrift 110 ff der Datierung Erdmanns (zu 1061) an und vermutet, daß der seit 1030 im Bau befindliche Dom vor der Weihe „in einzelnen Teilen baufällig geworden sei“. Über die Baugeschichte vgl. H. E. Kubach, Zur Baugeschichte des Domes, in der o. a. Festschrift 71-109 mit Angabe der umfangreichen älteren Literatur (für frdl. Beratung in dieser Frage danke ich Herrn Reg.-Baumeister Haas in München). - Über Einhard vgl. auch Beyer 31.

 

Nachtrag:

 

Vgl. H. E. Kubach - W. Haas, Der Dom zu Speyer (Kunstdenkmäler von Rheinland-Pfalz 5, Textband, 1972) 26 Nr. 47, Nr. 48-50 (über die Domweihe im November 1061) 702 f; die Bearbeiter schließen sich der Datierung des Briefes zu 1061 Januar an. - Zur Besetzung des Bistums Speyer s. RI 3 II, 83 Nr. 205.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 291, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f9cae6f8-6ea5-43ee-8d0a-a6d6b81d8107
(Abgerufen am 18.06.2018).

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