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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Liutold erbaut zu Ehren des hl. Bischofs Udalrich (s. presulis Othelrici) eine Kapelle (oratorium) am südlichen Teil der St.-Afra-Kirche in Augsburg (in australi parte monasterii s. martyris Afrae).

Überlieferung/Literatur

Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon IV, 51 (31) (11. Jh.) MG SS rer. Germ. n. s. 9, 190 f; Trillmich 166 f.

Kommentar

Diese Baunachricht ist allein durch Thietmar von Merseburg überliefert im Zusammenhang mit der Beisetzung der Eingeweide Kaiser Ottos III. durch Herzog Heinrich von Baiern im Jahr 1002 (s. Nr. 214; Holtzmann, Sächs. Kaiserzeit 385; Geppert 182). - „Monasterium“ ist hier im Sinne von Kanonikatsgebäude (bzw. -kirche) zu verstehen; denn das Benediktinerkloster entstand erst unter Bischof Bruno um 1013 (s. Nr. 225). Auch für Kanonikate wurde der Ausdruck „monasterium“ gebraucht (vgl. Endrös 17; s. auch Nr. 125). Das Aussehen der Afrakirche und die Lage dieses dem Udalrich geweihten Oratoriums lassen sich vielleicht rekonstruieren, wenn die archäologischen Ergebnisse der 1961/62 durchgeführten Grabungen in St. Ulrich und Afra vorliegen. „Australis“ bedeutet ursprünglich südlich. Der Bedeutungswandel zu „australis = östlich“ tritt allmählich im 10. Jh. ein, hat sich aber an dessen Ende noch nicht völlig durchgesetzt, wie auch Vita Udalrici cap. 14 zeigt (MG SS 4, 403). Vgl. dazu J. Dienemann, Der Kult des hl. Kilian im 8. und 9. Jh. (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg 10, 1955) 181 ff; s. auch Lebensbilder aus dem Bayer. Schwaben 5, 10.

Unter Bischof Embriko wurde 1064-1071 eine zweischiffige Klosterkirche gebaut; ob diese sich tatsächlich in keiner Weise an vorhandene Architekturteile anschloß, wie Endres, ZhVSchwaben 22, bes. 183 ff vermutet, sei dahingestellt. Vielleicht bringen auch darüber die Grabungsberichte Aufschluß. M. Hartig, Das Benediktiner-Reichsstift St. Ulrich und Afra in Augsburg (Augsburg 1923) 26 nimmt an, daß mit dem Oratorium die Krypta Udalrichs gemeint sei, die von Liutold eventuell umgestaltet und erweitert worden sein könnte. An dieser Stelle sei auf die Weihegaben hingewiesen, die die Kaiserin Adelheid der Kirche darbrachte: Eine mit Gold und Edelsteinen reich geschmückte Tafel, vielleicht ein Altaraufsatz oder ein Antependium. Das wertvolle Geschenk wurde zwischen 1200 und 1204 in zwei Teilen veräußert (s. MB 22, 199 ff). Spätester Termin der Schenkung ist 999, da in diesem Jahr Kaiserin Adelheid starb (vgl. dazu auch Endres, ZhVSchwaben 22, 187 f; Baum, Malerei 132).

 

Nachtrag:

 

Über die Lage des Oratoriums vgl. Haas, UuA 62, 76; zu den Schriftquellen s. Volkert, UuA 105 f Nr. 17; vgl. auch Radnoti, UuA 46 Anm. 56. - Zu der von Kaiserin Adelheid dem Kloster überlassenen wertvollen Tafel s. Hörberg 23; zu deren urkundlicher Erwähnung vgl. Hipper 12 f Nr. 16 und Volkert, UuA 106 Nr. 17. - Zum Bau unter Bischof Embriko vgl. Nr. 310 (mit Nachtrag).

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 188, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f22eb667-4cce-4fb2-9903-09bfc2e92912
(Abgerufen am 19.06.2018).

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