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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Udalschalk von Elisindorf [Elsendorf, Lkr. Mainburg] händigt den Kanonikern der Augsburger Kirche in die Hände des [Dom-]Dekans Dietrich und des Vogtes Mangold [von Donauwörth?] die ihm von Bischof Bruno übergebenen Besitzungen in Strubinga [Straubing, Ndby.] (s. Nr. 261) aus, damit diese zum Heil von Brunos Seele täglich den Psalm „De profundis“ [Ps. 129] sängen, an dessen Jahrtag zum Grab zögen und dort Vigil und Messe hielten. Hundert Armen und Schülern (scolaribus) müssen sie angemessenen Lebensunterhalt reichen. Zubehör des geschenkten Gutes: Leibeigene, Kirchen, Gebäude, Dörfer, Äcker, Wiesen, Weiden, Mühlen, Wege, feste Plätze (civitatibus), gerodete und ungerodete Wälder, Zoll und Fischrechte, Neubruchzehnt, eine Salzquelle in [Reichen-]Hall (Halle). - Actum est. … 1029, indictione 4., in civitate Auguste in ecclesia sancte dei genitricis.

Zeugen: Vogt Mangold [von Donauwörth], Perhtolt von Holzhaim [Holzheim, Lkr. Dillingen/Donau?], Graf Babo, Engilbrecht von Sitenbach [Sittenbach, Lkr. Friedberg] jeweils mit dem Gefolge (cum militibus), Richer, Reginhart, Ovdalhart, Reginpreht und viele andere. Folgende Eigenleute werden mit dem Gut Straubing übergeben: Diakon Liutpreht, Kleriker Sahso, die Laien Gozzenrich, Gozzerat, Pezeman, Rovdepreht. Anwesend: (Kaiser Konrad und) die Kanoniker.

Überlieferung/Literatur

Überlieferung und Drucke wie Nr. 261.

Kommentar

Der bedeutende Umfang dieser Schenkung, die aus liudolfingischem Hausgut stammte, erhellt aus späteren Quellen, besonders aus dem 2. Urbar der Herzöge von Baiern. Danach gehörten zu dem Domkapitelbesitz: Straubing, Steinach, Unterparkstetten, Agendorf, Kindlasberg, Trudenhofen, Muckenwinckling, Scheftenhof, Scheftenmühle, Stockmühle, Bruckmühle, Hörabach [alle Orte Lkr. Straubing], Lintach, Edenhofen, Vorder-, Mitter- und Hinterschieda [diese Orte Lkr. Bogen] (s. M. Piendl, Jb. hist. Verein Straubing 57 [1954] 45 f; Mondschein, ebd. 8, 66 f). Die Vogtei über diese Güter war mit dem Bogenschen Erbe an die Wittelsbacher gekommen, erscheint daher in deren zweitem Urbar (MB 36 I, 504).

Beim Vogt Mangold dürfte es sich um Manegold von Donauwörth handeln (über diesen s. Steichele, BA 3, 695; RI 3, 71 Nr. 140 a; 76 Nr. 150; 79 Nr. 158 c; Breßlau, Jb. Konrads II. 1, 272 ff, 285). Zu Engilbrecht von Sittenbach s. Raiser, Viaca 71 f; Großmann, ONB Friedberg Nr. 100. Ein Udalschalk von Elsindorf (Elesendorf) erscheint zwischen 1078 und 1098 als Zeuge in Freisinger Traditionen (QE NF 5, 333 Nr. 1486 b und 478 Nr. 1650). Die Verwandtschaft zu dem hier als Salman auftretenden Udalschalk von Elsendorf ist nicht geklärt. 1185 sind als Zeugen Ditric und Rudiger von Elsindorf erwähnt (QE NF 8, 496 Nr. 978; vgl. dazu Wallner, Altbairische Siedlungsgeschichte 47). Ob der unter den Zeugen genannte Perhtolt von Holzhaim zu dem seit der Mitte des 12. Jh. in Holzheim (Lkr. Dillingen a. d. Donau) nachweisbaren Geschlecht gehört, ist nicht eindeutig bewiesen (Schröder, Ortsnamen 57; Seitz Nr. 187); Ortsadel, der im 12. Jh. in der Ministerialität der Kalendin oder der Graisbacher erscheint, gab es auch in Holzheim (Lkr. Neuburg a. d. Donau). Möglicherweise bestehen verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Familien beider Orte (vgl. Kdm. von Bayern, Stadt- und Lkr. Neuburg a. d. Donau 52 f; J. Balle - J. Heider, Königsgut Barre und Hofmark Baar - Oberbaar, Unterbaar, Wiesenbach, in: Neuburger Koll. bl. 114 [1961] 19 ff).

Die Mitteilung, daß Kaiser Konrad auch der Übergabe in Augsburg beigewohnt habe, ist unrichtig; der Kaiser blieb in Regensburg zurück (s. Nr. 262).

Zum Besitz des Domkapitels in Straubing vgl. auch Riedner, AHAug. 1, 47; Rückert, AHAug 5, 194; Schröder, AHAug 6, 104.

Die Verpflichtung zur Jahrtagsfeier der Kanoniker für Bischof Bruno zeigt Parallelen zu der Anordnung über die Jahrtage Bischof Heinrichs I. (vgl. Nr. 170). Hier wie dort handelt es sich wohl um eine „concelebratio caeremonialis“ („et celebrata missa altaris hostie oblationem in commune deo offerant“).

 

Nachtrag:

 

Zum Umfang der Schenkung von Straubing vgl. W. Störmer, in: FS Straubing (1968) 51; K. Fehn, in: Ebd. 60; W. Freundorfer, in: Ebd. 75 f; HAB Straubing, bes. 15 f, 31 (vgl. auch die Nachweise zu den in der Erläuterung zu Nr. 263 genannten Orten; dabei ist Trudenhofen in Trudendorf zu berichtigen). Wahrscheinlich meint P. Schmid 128 f die Schenkung von Straubing, wobei er zwei Königshöfe vermutet. - Zum Vogt Mangold vgl. Nachtrag zu Nr. 267; zu Perhtolt von Holzheim s. ONB Dillingen 96 Nr. 187.

 

Regest übernommen aus: Die Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Augsburg, bearbeitet von Wilhelm Volkert (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Reihe 2b), Augsburg 1985, S. 151f.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 263, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f1ca6b77-840e-4cf1-ab1c-ad21db81d06e
(Abgerufen am 16.09.2019).

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