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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Embriko läßt die Kirche St. Afra niederlegen, wobei die Gräber der hl. Afra und anderer Heiliger freigelegt werden; unter Einsatz von Mitteln, die ihm von seinem Vorgänger überkommen sind, errichtet er einen Neubau, wofür ihm bis zur Vollendung (quousque novam basilicam ibidem perficeret) die Altaropfer (oblationes altarium) vom Konvent des Klosters (a fratribus memorate ecclesie) überlassen werden. - Primo anno ordinations sue, id est 1064 ... 2. kal. mai. ... 4. non. junii.

Überlieferung/Literatur

Bischofslisten (12. Jh.) MG SS 13, 280, 335; 14, 558; 15 II 1308; erwähnt in Urk. Bischof Konrads von Augsburg von 1156 Juni 1, Or. Perg. Ordinariats A Augsburg, Urk. Nr. 30/1. - MB 22, 173-175; Hipper 4 Nr. 6a; Lehmann-Brockhaus 20 Nr. 71.

Kommentar

Den Abbruch der Afra-Kirche und die Auffindung der Gräber der hl. Afra, Hilaria, Digna und Eutropia erwähnen die Bischofslisten, die - aus dem 12. Jahrhundert überliefert - auf gleichzeitige Aufzeichnungen zurückgehen; die Annales Augustani erwähnen dies ebenfalls zu 1064, ohne jedoch Embriko zu nennen (MG SS 3, 128; vgl. Loewe 43).

Die Tagesdaten der Auffindung (30. April und 2. Juni), die von den Bischofslisten überliefert werden, beziehen sich auf 1064, das Jahr des Baubeginns. Für die Feier der Afraverehrung haben diese Tage keine Bedeutung erlangt. Die Annales Augustani erwähnen Embrikos Wirken für St. Ulrich und Afra auch noch bei der zusammenfassenden Charakteristik anläßlich der Mitteilung der Todesnachricht zu 1077 (MG SS 3, 129; vgl. Loewe, Ann. Aug. 63). Einzelheiten sind dabei nicht genannt.

Über die umfangreiche ältere Literatur zur umstrittenen hagiographischen Überlieferung der hl. Afra vgl. vor allem Bigelmair, in: AHAug 1, 139-221; zur Überlieferung der Vorgänge von 1064 und zur Bedeutung der Bischofslisten bes. 153 und 165; neuere Zusammenfassung bei Bigelmair, in: Lebensbilder aus dem Bayer. Schwaben 1, 28 ff; Zoepfl, in: Jb. d. Vereins f. Augsburger Bistumsgeschichte 1, 9-24; NDB 1, 93; LthK 21, 170; H. Aurenhammer, Lexikon der christlichen Ikonographie 1 (1959-1967) 63 ff. Zum Kult der Afra-Mutter Hilaria s. auch LThK 25, 334, der Afra-Dienerinnen Digna, Eunomia und Eutropia s. LThK 3, 323. Das Fest der Afra zum 7. August nennen schon die ältesten, aus dem frühen 11. Jahrhundert stammenden Augsburger Kalendarien (s. Schröder, in: AHAug 1, 294). - Zur Afra-Verehrung vgl. auch Nr. 62, 182, 186, 311, 326 und 404.

Die Überlassung der Altaropfer bis zur Vollendung des Neubaues, die wohl durch die Weihe von 1071 (s. Nr. 317) gekennzeichnet ist, ergibt sich aus der Urkunde Bischof Konrads von 1156. Auf die Zeit dieses Neubaues bezieht sich höchstwahrscheinlich das von St. Ulrich und Afra ausgegangene Schreiben, welches zu einer Sendung von Reliquien Udalrichs, Afras und ihrer Genossinnen gehört; es wird darin von dem noch nicht geweihten Bau berichtet, wobei der Konvent eine Johannisreliquie erbittet (veröffentlicht und eingehend kommentiert von Schröder, in: AHAug 6, 782-787). Den Neubau des 11. Jahrhunderts erwähnt auch die dem 13. Jahrhundert angehörige Vita Simperti (AA SS Okt. VI, 247); vgl. Braun, Kirche St. Ulrich und Afra 8, 68, 238. Zur Baugeschichte vgl. Endres, in: ZhVSchwaben 22, 182 ff; Hartig, Ulrich und Afra 26; Hemmerle, Germ. Ben. 2, 45; Oswald-Schaefer-Sennhauser 28 f; Nr. 188, 214, 317, 326. Daß sich in dem 1064 freigelegten Grab ein antiker Sarkophag befand, ist möglich; Näheres ist in den Berichten über die Grabungen in St. Ulrich und Afra von 1961/62 zu erwarten. - Zum Verhältnis Embrikos zum Kloster St. Ulrich und Afra, das während des 11. Jahrhunderts als bischöfliches Eigenkloster gelten kann, vgl. Endrös, Reichsunmittelbarkeit 25 f, 42 f.

 

Nachtrag:

 

Zusammenstellung und Edition der Schriftquellen zu diesen Baumaßnahmen s. Volkert, UuA 109 f Nr. 28; Deutung der Baubefunde s. Haas, UuA 77 f; Radnoti, UuA 27 f. Zur Mitteilung von Braun, Ulrich und Afra 97, daß bei den Bauarbeiten Reliquien Bischof Wikterps gefunden worden seien, fehlen ältere Quellen (vgl. Zoepfl, Bischöfe 36 f; Schmid, Wikterp 105 Anm. 39; s. auch Nr. 279). Über einen römischen Sarkophag, der möglicherweise seit dem 11. Jahrhundert als Sarg der hl. Afra diente, s. Nuber, UuA 245 f Nr. 7. - Zur Entwicklung des Doppelpatroziniums Ulrich und Afra im 11. Jahrhundert vgl. Hörberg 14 f; Pötzl, in: JbAugBtmG 7, 107 f. Zur Afra-Verehrung vgl. auch Nr. 40 (mit Nachtrag). Die Handschrift der Universitätsbibliothek Basel, aus der Schröder, in: AHAug 6, 782 ff ein Reliquien aus Augsburg betreffendes Schreiben ediert hat, stammt wohl, wenigstens zum Teil, aus St. Ulrich und Afra; s. Hörberg 75-78. - Nach der spätmittelalterlichen Klosterchronistik habe Bischof Embriko den Abt Dietmar von St. Ulrich und Afra 1065 eingesetzt (Abtkataloge des Priors Adilbert, des Konrad Welling und des Wilhelm Wittwer; Hörberg 228 ff, 254, 295; Steichele, in: ABtmAug 3, 18, 84); Quellen des 11. Jahrhunderts dazu fehlen. Über die Beziehungen Embrikos zum Kloster vgl. auch HAB Schwaben II 2, 30 f.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 310, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/f0ec6641-7dac-44a1-a186-5985bf0d5031
(Abgerufen am 21.02.2018).

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