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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Hermann von Augsburg (Augustensis episcopus) erklärt auf Bitte des Abtes Sigihard von Wessobrunn [Lkr. Landsberg a. Lech] (Weszinsbrunnensis abbatis) die dortige neue Kirche St. Johannes Baptista zur Pfarrkirche und teilt ihr Volk und Zehnten des umliegenden Ortes zu, wobei das Kloster zwei Teile, der Pfarrer einen Teil der Zehnten erhalten; die Zehnten eines Hofes sollen den Armen im Hospital zufallen; darüber hinaus gesteht er der Kirche die Zehnten von allen Rodungen des Herzogs Heinrich [X. von Baiern] mit dessen Einverständnis zu (decimas quibusdam ducis Heinrici ipso consentiente de novalibus) mit allen Hintersassen (colonis et habitatoribus eorumdem novalium) zur Taufe von deren Kindern, zum Begräbnis und zur Feier der Synode des Archidiakons (synodus archidiaconi). - Zeugen: Vicedominus Konrat, Archidiakon Hiltiperht (illius regionis archidiaconus), Sigeboto, Vto, Werinher (Archidiakone), Kustos Herimann, Propst Helmpreth von Wiesensteig [Lkr. Göppingen] (Wisinstaigensis praepositus), Capellarius, Notar Rüdiger. - Siegel des Ausstellers und Herzog Heinrichs (?), Monogramm des Ausstellers. - Acta hec sunt 1128, indictione 6., 2. k. marc., regnante Lothario rege.

Überlieferung/Literatur

HStA München, Kloster Wessobrunn Urk. Nr. 1 (Or. Perg. mit durchgedrücktem Rundsiegel; Schriftseite: Herzog Heinrich [ ? ]; Rückseite: nur mehr Bruchstücke des bischöflichen Siegels vorhanden); ebd., Kloster Wessobrunn Lit. Nr. 3a, 45f ( Abschrift 16. Jh.); ebd., Kloster Wessobrunn Urk. Nr. 1 (Abschrift 18. Jh.). - Drucke: MB 7, 378f Nr. 4; Leutner, Hist. mon. Wessofontani 118 f Nr. 4. - Regesten: Gebele 122 Nr. 71; RB 1, 126; vgl. Feist-Helleiner, in: AZ 37, 39 Nr. 9.

Kommentar

Das Diktat der Urkunde stammt möglicherweise von dem unter den Zeugen genannten Notar Rüdiger (über ihn s. Nr. 366); vgl. dazu Feist-Helleiner, a. a. O. 56 f. Die Bruchstücke des auf der Rückseite abgedrückten Siegels sind eindeutig die des bischöflichen Siegels. Auf der Vorderseite ist ein Gemmensiegel (oval, 26 mm hoch, 23 mm breit) mit nach rechts (vom Beschauer aus) blickender, behelmter Athena-Büste zu erkennen; es handelt sich um eine antike Gemme (griechisch, 3. Jh. v. Chr. nach Feist-Helleiner, a.a.O. 81 Anm. 61; sie kann aber auch erst aus der Kaiserzeit, etwa 1. Jh. nach Chr., stammen; Mitt. v. Dr. Küthmann, Staatliche Münzsammlung München). Die Umschrift ist nicht mehr lesbar. Die Besiegelung durch Herzog Heinrich X. von Baiern ist sachlich gerechtfertigt; vergleichbare Stücke aus seiner Regierungszeit sind allerdings noch nicht festgestellt (vgl. über ihn HB d. bayer. Geschichte 1, 256). Die Vermutung von Feist-Helleiner, a.a.O. 81, daß es sich um das Siegel des Abtes von Wessobrunn, das später angebracht worden sei, handelt, ist völlig unwahrscheinlich. Die Verwendung antiker Gemmen durch geistliche oder weltliche Siegler ist vielfach für das 11. und 12. Jahrhundert belegt (G. Hiebaum, Gemmensiegel und andere im Steinschnitt hergestellte Siegel des Mittelalters [Veröffentlichungen des Histor. Seminars der Universität Graz 9] 1931,38 ff, 49 ff, 74). Der Welfe Otto IV., 1198 bis 1208 deutscher König, benutzte eine, allerdings zeitgenössische, Gemme; P. E. Schramm, Ein Gemmenbild des Welfen Otto IV. aus den Jahren 1198 bis 1209, bisher auf Otto I. bezogen, in: MIÖG 71 (1963) 62-66. Weitere Beispiele für die Verwendung von Gemmen s. bei Breßlau, HB d. Urkundenlehre 2, 598.

Über die Rodungstätigkeit um Wessobrunn im 12. Jahrhundert und die Bedeutung der welfischen Herzöge von Baiern für das Kloster, dessen Hauptvogtei sie innehatten, vgl. HAB Landsberg-Schongau 97 f. - Uber den hier genannten Sprengelarchidiakon vgl. Schröder, in: AHAug 6, 144 und 158.

 

Nachtrag:

 

Zur Überlieferung vgl. QE NF 32 I, 112+, 142+. - Auf diese Urkunde nimmt offensichtlich Nr. 521 Bezug.

Nachträge (1)

Nachtrag von Irmgard Fees, eingereicht am 14.09.2017.

Foto der Urkunde im LBA Marburg, Zugangsnr. 6534

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 460, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ea92f7d8-79ac-4d66-ba10-bcc30e1e5af2
(Abgerufen am 20.06.2018).

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