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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Das Domkapitel von Bamberg (tota Bambergensis congregatio) antwortet Bischof E[mbriko von Augsburg] (reverentissimo episcopo et in Christi menbris valde honorando) auf die in seinem Brief erhobenen Vorwürfe (s. Nr. 331) und schildert eingehend die Angelegenheiten des wegen Simonie, Meineids und Unwissenheit untragbaren Bischofs Herimann von Bamberg. Auf Veranlassung des Metropoliten Erzbischof Siegfried von Mainz hätten einige Kanoniker das Verfahren an der päpstlichen Kurie in Rom betrieben und dort schließlich nach einem mißlungenen Bestechungsversuch Herimanns ein päpstliches Mandat erhalten, wonach sie den Bischof für exkommuniziert zu betrachten haben. Sie überlassen die Sache dem Ratschluß (consilium) des Empfängers, geben dabei aber zu bedenken, daß eine Wiederaufnahme des Bischofs auch im Falle der Besserung nicht stattfinden könne, weil er exkommuniziert sei.

Überlieferung/Literatur

Codex Udalrici; Österreichische Nationalbibliothek Wien, Cod. 398 fol. 59 f (Abschrift 12. Jh.); Ebd., Cod. 611 fol. 29 f (Abschrift 12. Jh.); StiftsA Zwettl, Cod. 283 pag. 101 ff (Abschrift 12. Jh.). - Drucke: MG Briefe der deutschen Kaiserzeit 5, 242-246 Nr. 41; J. P. Ludewig, Scriptores rerum episcopatus Bambergensis 1 (1718) 826 Nr. 20; Ae. Ussermann, Episcopatus Bambergensis codex probationum (1801) 49 Nr. 47; Eccard, Corp. hist. 2, 139 Nr. 141; Jaffe, Bibl. rer. Germ. 5, 93 Nr. 44. - Regesten: Böhmer-Will1, 203 Nr. 110; v. Guttenberg 244 f Nr. 474 (grundlegend).

Kommentar

Den Zeitansatz dieses im Codex Udalrici überlieferten Schreibens, für das in der Augsburger Überlieferung jede Spur fehlt, weist überzeugend v. Guttenberg nach, indem er die Stellung dieses für das verwickelte Verfahren gegen Bischof Herimann sehr wichtigen Dokuments aus der sachlichen Abhängigkeit von dem Exkommunikationsdekret von 1075 Juli 20 (MG EE sel. 2, 242 ff; v. Guttenberg 239 f Nr. 466) erschließt. Da auch das Schreiben Embrikos (s. Nr. 331) nach diesem Termin anzusetzen ist, für beide Briefe aber noch einige Wochen Beförderungszeit anzusetzen ist, wird hier im Anschluß an v. Guttenberg die Datierung in der zweiten Septemberhälfte angenommen. Die von Giesebrecht, Deutsche Kaiserzeit 33,1127; Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 2, 462 Anm. 23, 469 Anm. 33; Schmeidler, Heinrich IV. 282; Pivec, in: MIÖG 45, 414 ff; Erdmann, Briefliteratur 293; Ders., in der angegebenen Monumenta-Edition 242 erschlossene Zeitangabe ist damit überholt. - Als Empfänger des Briefes wird seit v. Giesebrecht, Deutsche Kaiserzeit 33, 1127 (so auch Erdmann, Briefliteratur 293) Embriko von Augsburg angenommen, wenn der Name auch nur mit dem Anfangsbuchstaben ohne Ortszusatz im Codex Udalrici überliefert ist. Als gleichzeitige Bischöfe kämen noch in Frage Ellenhard von Freising (1052-1078), Egilbert von Minden (1055-1080) oder Eppo von Zeitz-Naumburg (1045-1079); s. Hauck, KG Deutschlands 3, 1003, 995, 1010. Das diesem Bamberger Brief vorangehende Schreiben (s. Nr. 331) läßt engere Beziehungen zwischen dem Absender und König Heinrich IV. erschließen, die wohl in höherem Maße für Embriko von Augsburg als für die anderen genannten Bischöfe zutreffen. Daß er im Sommer und Herbst 1075 bemüht war, die außerordentlich erregten Situationen um das Bistum Bamberg wie auch im Verhältnis zwischen dem König und den sächsischen Fürsten durch Verhandlungen zu beruhigen, zeigt neben dem Bamberger Brief auch sein Kontakt mit Bischof Burchard von Halberstadt (s. Nr. 333); bei diesem letzteren Brief gibt es an der Verfasserschaft Embrikos von Augsburg keinen Zweifel (Erdmann, Briefliteratur 162). Die beiden vom Vermittlungsbemühen gekennzeichneten Aktionen dürfen daher demselben Autor zugeschrieben werden. - Der Brief wurde von Meinhard von Bamberg verfaßt; dadurch ist seine Überlieferung im Codex Udalrici erklärt (Erdmann, Briefliteratur 52 f; v. Guttenberg 245 Nr. 474; weitere Literatur zum Codex Udalrici s. bei Nr. 318). Zur Vorgeschichte der Exkommunikation Bischof Herimanns vgl. v. Guttenberg bes. 194 f Nr. 379; Erdmann, Briefliteratur 255-265; Kist, Bamberg 28 f; ferner die bei Nr. 328 angegebene Literatur sowie HB d. bayer. Geschichte 3, 64 f.

 

Nachtrag:

 

Vgl. Nachtrag zu Nr. 331.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 332, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e6811575-f6e1-433a-a14c-177f8bea7d31
(Abgerufen am 24.09.2018).

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