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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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König Heinrich IV. verleiht auf Intervention und Bitte der Kaiserin Agnes seinem Getreuen, Bischof Heinrich von Augsburg (fideli nostro Heinrico Augustensi episcopo) den Wildbann (wiltpannum) über einen zu dessen Kirche gehörigen Forst in näher beschriebenen Grenzen und über den Besitz, den er von seinen Konprovinzialen erwerben kann innerhalb dieser Grenzen. In diesem Gebiet ist es niemandem ohne des Bischofs Zustimmung erlaubt, zu jagen oder wilde Tiere zu fangen. Grenzbeschreibung: Vom Lech (de Lico) nach Spetinga [Spötting, Stadtkr. Landsberg am Lech], nach Alinchoua [Ellighofen, Lkr. Kaufbeuren], zum Fluß Sinckalta [Singold - Sinkel], an diesem entlang bis Hemmenhusa [Emmenhausen, Lkr. Kaufbeuren], nach Lengenuelt [Lengenfeld, Lkr. Kaufbeuren], nach Engelhereshouan [Engratshofen, Lkr. Kaufbeuren], von dort nach Wintenesaha [wahrscheinlich Name des Baches in der Flur Winterzach zwischen Engratshofen und Welden, Lkr. Kaufbeuren], zum Aschatala an den Ort Lintun [wahrscheinlich bei den Linden im Aschtal, südwestlich Leeder, Lkr. Kaufbeuren], durch dieses Tal bis Uinsterunstia [am finsteren Steig? im Sachsenrieder Forst], von dort nach Sahsenriet [Sachsenried, Lkr. Schongau], weiter nach Erboldesuuanc [Erbenschwang, Lkr. Marktoberdorf], zum Rischanc [bei Reisgang, Lkr. Schongau], zum Durgibach [Türkenbach, Lkr.-Grenze Schongau-Marktoberdorf], nach Regenprehtesriet [Remnatzried, Lkr. Marktoberdorf], zum Hirzbol [Hügel bei der Einöde Hirschbühl, Lkr. Marktoberdorf], zur Geltenaha [Geltnach], von dort zum Gotengraben [Kötengraben, Flur südöstlich Marktoberdorf], nach Talehouen an der Wertaha [Thalhofen, Lkr. Marktoberdorf; Wertach], dieser entlang bis Parenstein [Gelände beim Dorf Barnstein, Lkr. Marktoberdorf], weiter zum Bach Rotuuazzer [Sennenbach], zur Habechesekke [Waxenegg, Lkr. Kempten], nach Suarcenberch [Bergrücken mit den drei Orten Ober-, Unter- und Hinterschwarzenberg, Lkr. Kempten], über den Sulzberg [Lkr. Kempten], nach Mosebach [Moosbach, Lkr. Kempten], nach Kanale [Kenels, Lkr. Kempten], weiter zur Ilara [Iller] bei der Ummungesuurt [Humminfurt, wohl bei Humbach, Lkr. Sonthofen], die Iller aufwärts zur Mündung der Praitahe [Breitach unterhalb Oberstdorf, Lkr. Sonthofen], von dem Bach zum Gipfel Gemeinengumbet [Warmatsguntkopf, zwischen Kl. Walsertal und Stillachtal], zum Widerstein [Widderstein], über Eunoschin [Üntschenalpe - Üntschenspitze] zum Durechelenstein [Gipfel über dem Dörrenjöchel], von dort in gerader Linie zum Geizbach [Geißbach, mündet unterhalb Stubenbach, Gem. Lech, pol. Bezirk Bludenz, Vorarlberg, in den Lech], diesen entlang in den Lech (in Licum), von dort zurück zum Ausgangspunkt bei Spötting. - Gebehardus cancellarius vice Liutpoldi archiepiscopi recognovit. Data non. feb. 1059, indictione 12., anno autem ordinationis domni H. quarti regis 5., regni vero 3., actum Magontie, in dei nomine feliciter amen.

Überlieferung/Literatur

HStA München, Kaiserselekt 397 (Or. mit Rest des durchgedrückten Rundsiegels; auf der Rückseite aufgeklebt Notiz des späteren 14. Jh.: der erst und eltest brieve umb den wiltpann von König Hainrich. Wer den lesen oder brawchen wölle, der sol in gar sittlich und schon aufthun, wan daz insigel von alters wegen und gebrechen halb des wachs gar bresthafft und zercloben ist etc.) ; dabei Kopie (Papier, 16. Jh.) und Kopie (Papier 1766, beglaubigt 1835); ebd. Hochstift Augsburg Urk. 8 (Kopie 17. Jh.); ebd., Hochstift Augsburg Urk. 329 (inseriert in Urk. König Karls IV. von 1350 Mai 22, Or. Perg., dabei Abschrift Papier 16. Jh.); ebd. Hochstift Augsburg Urk. 1031 (Vidimus der Urkunde Karls IV. von 1350 Mai 22 durch Abt Heinrich von Neresheim von 1455 Mai 24, Or. Perg.); ebd., Reichskammergerichtsakten Nr. 3219 (Abschrift von 1480 Oktober 2, Or. - Libell fol. 7’ der Stadt Ulm). - Drucke: MG DD 6, 59 f Nr. 47; K. Haff, ZRG 69 (1952) 308 f; Miedel, AHAug 4, 86 ff; MB 29 I, 142 f Nr. 397; J. Fink - H. von Klenze, Der Mittelberg (Mittelberg 1891) 109 (Bruchstück); H. Sander, Beiträge zur Geschichte des vorarlbergischen Gerichts Tannberg 1 (Innsbruck 1886) 70 (Bruchstück); Bergmann, Untersuchung über die freien Walliser 62; v. Raiser, V. Bemerkung zu dem 33. Band 1. Abt. collectionis novae Monumentorum Boicorum, in: 7. Jb. hist. Verein Schwaben und Neuburg (1841) 75 f (Bruchstück); von Stichaner, Intelligenzblatt des Illerkreises (1815) 261 (Bruchstück); Braun, Gesch. 1, 377 f Note n (Bruchstück) ; Lori, Lechrain 2, 3 Nr. 3 (deutsche Übersetzung); Wegelin, Thesaurus rerum Suevicarum 4 (1760) 490 Nr. 4. - Regesten: Böhmer 86 Nr. 1723; Stumpf, Reichskanzler 214 Nr. 2568; RB 1, 92; RI 8 II, 701 Nr. 6651; Vock, Reg. Hochstift Augsburg Nr. 9, 357. - Vgl. Meyer von Knonau, Jb. Heinrichs IV. und V. 1, 151.

Kommentar

Über die Grenzbeschreibung s. die grundlegende Untersuchung von Miedel, AHAug 4, 88-128 (mit Karte), dessen Lokalisierung der Grenzbeschreibung hier übernommen wurde unter Berücksichtigung der Feststellungen von Dertsch, ONB Kaufbeuren 3 Nr. 12, 17 Nr. 62; 18 Nr. 63; 53 Nr. 187; 54 Nr. 190; 74 Nr. 279; 79 Nr. 298; 88 Nr. 326 und ONB Marktoberdorf 5 Nr. 41; 17 Nr. 145; 31 Nr. 287; 55 Nr. 529; 69 Nr. 664; 71 Nr. 674; 77 Nr. 725. Vgl. ferner Baumann, Allgäu 1, 275, 291, 593; ders., Forschungen 196; U. Crämer, Die Humminfurt, in: Deutsche Gaue 42 (1950) 38-58; ders., Das Allgäu (1954) 19, 37. Über den Namen Rischanc vgl. auch Hilble, ONB Krumbach 75 Nr. 110. - Zum Problem von Forst- und Wildbannverleihungen vgl. K. Beyerle, Grundherrschaft und Hoheitsrechte des Bischofs von Konstanz in Arbon, in: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees 32 (1903) 58; K. Bosl, Forsthoheit als Grundlage der Landeshoheit in Bayern, in: Gymnasium und Wissenschaft (Festgabe zur 100-Jahr-Feier des Max.-Gymn. München 1949) 2 ff; K. Haff, Urpfarreien in Ostschwaben und Tirol als Markgenossenschaft und Siedlungsverbände, in: ZRG 65 (1947) 285; ders., Die Wildbannverleihungen unter König Heinrich III. und IV. an die Bischöfe von Augsburg und Brixen und die Paßhut, in: ZRG 69 (1952) 301-309. Zum Jagdrecht des Hochstifts vgl. auch G. Geneve, Jagdrecht des Hochstifts Augsburg (jur. Diss. Erlangen 1907) bes. 17 f.

Für die umfangreiche Grenzbeschreibung lag der königlichen Kanzlei sicher ein eingereichter Entwurf des Empfängers vor; darauf deutet auch ein Nachtrag des Schreibers in eine ursprünglich zu groß gelassene Lücke. Das Siegel ist nur mehr als Bruchstück erhalten; es stammt von dem zweiten in der Kanzlei Heinrichs IV. verwendeten Stempel, der sonst erst ab 1060 November 18 vorkommt (MG DD 6, 88 f Nr. 68). Vielleicht wurde auch D 47 erst zu dieser Zeit besiegelt (s. a. a. O. 59 f Vorbemerkung zu D 47). - Über die Orte im Lkr. Kempten vgl. das demnächst erscheinende ONB Kempten Nr. 637, 818, 1097, 1232 und 1306.

 

Nachtrag:

 

Abschrift (16. Jh.) HStA München, Hochstift Augsburg Lit., Münchener Bestand Nr. 462 VII, fol. 81’ ff; Regest: RI 3 II, 64 Nr. 158. - HAB Füssen 48 und 96 (über die Bedeutung der Wildbann-Verleihung für die Entwicklung der bischöflichen Landeshoheit); HAB Landsberg-Schongau 216 ff (über die Bedeutung der Verleihung für die späteren Hochgerichtsgrenzen, sowie über die Orte Spötting, Ellighofen, den Fluß Singold und die folgende Grenzbeschreibung bis zum Türkenbach; dazu auch HAB Füssen 59). Zu den Orten im früheren Landkreis Marktoberdorf vgl. auch noch ONB Marktoberdorf 58 Nr. 552 (Sennenbach), 80 Nr. 759 (Zwölfpfarrwald), 38 Nr. 359 (Kötengraben); zu den Namen im früheren Landkreis Sonthofen vgl. ONB Sonthofen 25 Nr. 137 (Breitach), 85 Nr. 527 (Humminfurt). Zum Gemeinengumbet s. Th. Steiner, Die Flurnamen der Gemeinde Oberstdorf im Allgäu (Die Flurnamen Bayerns 6, 1972) 126 f, zu Eunoschin s. K. Finsterwalder, Siedlung und Namen am Tannberg, im Valluga- und Krabachgebiet (Jahrbuch des Deutschen Alpenvereins 1956) 20 ff, zu Durechelenstein s. W. Flaig, Hochtannberg (Der Bergfreund, Dornbirn, 23, 1971, Heft 5) 1-5, sowie insgesamt zu diesen Namen W. Vogt, Vorarlberger Flurnamenbuch 1 IX (1980) 47 Nr. 63, 51 Nr. 181, 67 Nr. 56.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 287, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e2077089-5bf4-49f4-bd0d-1caf29e28083
(Abgerufen am 18.02.2018).

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