Regestendatenbank - 182.315 Regesten im Volltext

RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

Sie sehen den Datensatz 372 von insgesamt 535.

Graf Udalrich bewirkt bei Kaiser Heinrich IV. durch die Zahlung von 500 Pfund (quingentis talentis), die er als Darlehen bei Bürgern von Verona aufgenommen hat, und durch das Versprechen von Kriegsdiensten, daß dieser seinen Bruder [Hermann] mit dem vakanten Bistum Augsburg (episcopatu Augustensi) investiert, wobei sich Hermann verpflichtet, das Darlehen zurückzuzahlen; unter bewaffnetem Schutz wird Hermann in Augsburg eingeführt. - Apud Veronam.

Überlieferung/Literatur

Uodalscalcus, De Eginone et Herimanno cap. 12 (12. Jh.) MG SS 12, 436 f. Bischofslisten: MG SS 13, 280, 335; 14, 559; 15 II, 1308. - Gebele 113 Nr. 1.

Kommentar

Namensformen: Hermannus, Herimannus. - Die Zeitangabe ergibt sich aus dem Todesdatum Bischof Siegfrieds II. (s. Nr. 365) und aus der Dauer des Aufenthaltes Kaiser Heinrichs IV. in Verona im Jahr 1096 und anfangs 1097; s. Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 4, 479 f und 5, 1 f. Über Udalrich s. unten; sein Bruder, der Pfalzgraf Ratpoto war ebenfalls in Verona anwesend, wie die Beurkundung Heinrichs IV. für St. Lambrecht in der Steiermark zeigt (MG DD 6, 608 ff Nr. 451; Klaar, Eppensteiner 57 f Nr. 76 f; 125). Über Hermanns Einsetzung s. auch Zoepfl, Bischöfe 109; Ders., Investiturstreit 316; Bonin 30. Zur Bischofsweihe s. Nr. 368, 371. - In der biographischen Literatur über Bischof Otto von Bamberg (1103-1139) taucht die Mitteilung auf, daß Kaiser Heinrich IV. seinem Kanzler Otto vor dessen Ernennung zum Bischof von Bamberg den Augsburger Bischofssitz habe übertragen wollen (vgl. Meyer v. Knonau, a.a.O. 5, 168 f Anm. 24; Looshorn 2, 23; v. Guttenberg, Germ, sacra Bamberg 1, 120). Tatsächlicher Quellenwert ist dieser Mitteilung nicht beizumessen; über die Biographien Ottos s. auch die Angaben bei Nr. 381.

Urkundliche Nachrichten über Hermann aus der Zeit vor der Bischofserhebung fehlen; allenfalls könnte man hierher beziehen die Schenkung des Presbyters Hermann, plebanus de Chamba [Cham], der durch die Hand des Gozpold von Gozpoldiscella [Kasparzell, Lkr. Straubing-Bogen] ein Gut in Sagastingin [Saisting, Lkr. Cham] an das Kloster St. Paul in Regensburg, Vogt Rapoto, übergibt (HStA München, Kloster St. Paul-Regensburg Lit. Nr. 18,5; Druck: J. F. Knöpfler, Bruchstück eines Traditionsbuches des Stiftes St. Paul in Regensburg, in: AZ NF 11 [1904] 268; s. dazu J. Geier, Das Traditionsbuch des Klosters St. Paul in Regensburg, in: VO 111 [1971] 169-171. Zur Identifizierung der genannten Orte vgl. Piendl, in: Jb. histor. Verein Straubing 56, 34 und 75 Anm. 231). Da Hermanns Vater Ratpoto seit 1074 als Graf von Cham erscheint, bezieht Tyroller, Gen. Taf. 188 Nr. 17 diese Stelle auf Bischof Hermann und sieht in dem Vogt Rapoto dessen Bruder Ratpoto V. (gest. 1099).

Die äußere Erscheinung Bischof Hermanns wird von Udalschalk cap. 12 (MG SS 12, 437) wenig anziehend, wohl böswillig übertreibend, geschildert (luscus; ex dorsi incurvatione); vgl. dazu Gebele 13; Volkert, in: Lebensbilder 6, 5.

Hermanns Herkunft: Aus dem baierisch-ostschwäbischen Dynastengeschlecht, das Grafschaftsrechte im Augstgau im 11. Jahrhundert besaß und die Mark Cham innehatte; genealogisch ist es mit der Hupald-Sippe, der Bischof Udalrich angehörte, zu verknüpfen (s. dazu Nr. 102, ferner 163, 288, 349 und 404). Vgl. die Stammtafeln bei Bühler, in: JbhV Dillingen 71, 31-41 mit Tafel I und II; Tyroller, Gen. Tafeln 182 f; Bosl, in: ZBLG 14, 189 ff; Schwarzmaier, Königtum 51; Kerkhoff, in: Hohenzollerische Jahreshefte 24, 6 ff; Dertsch, in: Jb. d. Vereins f. Geschichte des Bistums Augsburg 4, 9 ff; s. auch Zoepfl, Bischöfe 110 und HB d. bayer. Geschichte 1, 331 und 3, 859 f. Die Verfügungen Hermanns über Güter und Leibeigene zugunsten von Passau (s. Nr. 450) und Asbach (s. Nr. 449) sind noch genauer im Hinblick auf Hermanns Herkunft aus der Familie der Ratpotonen zu interpretieren; dies gilt ebenso für die Göttweiger Tradition des Sigiboto von Parnham, als dessen Herr Bischof Hermann bezeichnet wird (s. Nr. 397), für die Übergabe des Gutes Kreen an den Augsburger Dom (s. Nr. 369) und für eine Vornbacher Tradition (s. Nr. 476).

Eltern: Ratpoto IV. (Tyroller, a.a.O. 184 Nr. 6); genannt von 1059 an; [1074] als comes de Chambe [Cham] bezeichnet; als Vater Bischof Hermanns genannt im Güterverzeichnis I des Domkapitels (s. Nr. 367); gestorben 1080. Verheiratet in zweiter Ehe mit der Mutter Hermanns, einer Tochter des Grafen Hermann I. von Kastl (über diesen s. Tyroller, a.a.O. 198 Nr. 4). Diese Verbindung ist von Tyroller erschlossen wegen des Namens Hermann und wegen des großen Altersabstandes zwischen dem Bischof und seinen älteren Brüdern Ratpoto V. und Udalrich. Cham habe Ratpoto IV. von Hermann von Kastl ererbt.

Großvater väterlicherseits: Dietpald I., der ein Nachkomme des Dietpald, Bruder Bischof Udalrichs, gewesen sein dürfte (Tyroller, a.a.O. 181 Nr. 4); Dietpald I. genannt 1059 (s. Nr. 288).

Brüder: Ratpoto V. (Tyroller, a.a.O. 186 f Nr. 12); 1072 als Sohn Ratpotos IV. genannt; 1083 auf der Seite Bischof Siegfrieds II. (s. Nr. 349); [vor 1099] Schenkung an das Domkapitel Augsburg (s. Nr. 369); gestorben 1099 April 30 (s. Nr. 370). Udalrich (Tyroller, a.a.O. 187 Nr. 13); als Sohn Ratpotos IV. und Bruder Ratpotos V. 1072 genannt; tätig bei Hermanns Bischofseinsetzung (s. oben), dort als dessen Bruder bezeichnet. Über die von Tyroller angenommene Identität mit Udalrich, Vogt von Passau, vgl. Bühler, a.a.O. 41, 63, 65 f. Hermanns Brüder hatten keine männlichen Nachkommen. Den Übergang ratpotonisch-diepoldingischen Erbes an die Herzöge von Kärnten aus dem Haus Spanheim nimmt Tyroller über Uta, die Erbtochter des Grafen Udalrich an, während Bühler, a.a.O. mit Tafel IV vermutet, daß dieser Erbgang über Uta, die Tochter Udalrichs von Passau, eines Vetters des erstgenannten Grafen Udalrich, vor sich gegangen sei (s. auch Nr. 450).

Schwestern (von Tyroller, a.a.O. 187 f Nr. 14-16 erschlossen): Mathilde, Hadwig, Ita.

Siegel Bischof Hermanns. Rundsiegel, Durchmesser 75 mm. Siegelbild: Thronender Bischof mit Mitra auf Faldistorium, in der rechten Hand einen einwärts gewendeten Stab, in der linken Hand ein offenes Buch haltend. Umschrift: HERIMANNVS DI GRA AVG EPC (Herimannus dei gratia Augustensis episcopus). Als durchgedrücktes Siegel gut erhalten an Nr. 458 und 470, Bruchstücke an Nr. 460 und 465. Besiegelt mit einem Abdruck dieses Typars waren wahrscheinlich auch Nr. 453, 457, 461 und 468, so daß die Verwendung zwischen 1125 und 1130 gesichert erscheint. Es muß offenbleiben, ob auch Nr. 438 (1121) mit diesem Siegel versehen war. Abbildungen: Feist-Helleiner, in: AZ 37, Tafel 2/3 Nr. 2a (verkleinert); Volkert, in: Lebensbilder aus dem Bayer. Schwaben 6, nach S. 16; Zoepfl, Bischöfe Abb. 24; Baumann, Allgäu 1, 356. Zum Siegel vgl. auch Feist-Helleiner, a.a.O. 80 f. Über die Entwicklung der bischöflichen Siegeltypen (Ablösung der Brustbildsiegel durch die Thronsiegel) vgl. Kittel, Siegel 389 ff; vgl. auch die Parallelentwicklung in Freising bei C. Siferlinger, Die Siegel der Bischöfe von Freising (Diss. München 1925).

Die wohl nach 1162 verfälschte Urkunde Bischof Hermanns für Kloster Fultenbach (s. Nr. 472) trägt das Bruchstück eines anderen Siegels Bischof Hermanns (vgl. dazu Feist-Helleiner, a.a.O. 86, wo das Siegel als spätere Fälschung bezeichnet wird). Das Fragment läßt ein ovales Siegel mit der Gestalt eines Bischofs erkennen; von der Umschrift ist nurmehr vorhanden .. C+HERIMA ... Es handelt sich um eine etwas plump wirkende Arbeit, deren Entstehung im frühen 12. Jahrhundert jedoch nicht ausgeschlossen ist. Da die Besieglung erst nach 1162 durchgeführt wurde, ist es möglich, daß dabei ein aus den Anfangsjahren Bischof Hermanns stammender Stempel verwendet wurde, von dem andere Abdrucke nicht erhalten sind. - Über die Verwendung des Udalrich-Stempels s. Nr. 372.

Monogramme Bischof Hermanns. Zwischen 1127 und 1130 sind Namensmonogramme auf Urkunden Hermanns überliefert, wobei zwei Formen zu unterscheiden sind: 1. Grundform H, rechts angefügt E, links R, unter dem Querbalken A (umgekehrt), darüber S (Nr. 457); 2. Grundform M, rechts angefügt E und h, links R, unter dem linken Schrägstrich des M ein A, darüber S (Nr. 460, 461, 465, 468; die letztgenannte Urkunde nur in Nachzeichnung des 17. Jahrhunderts). Vgl. auch Feist-Helleiner, in: AZ 37, 79; Abbildung von 2 s. Volkert, in: Lebensbilder aus dem Bayer. Schwaben 6, nach S. 16.

Anfänge einer kanzleimäßigen Einheitlichkeit der Urkundenausstellung unter Bischof Hermann sind seit 1127 (Nr. 457, 458) zu beobachten. 1128 erscheint erstmals ein Notar (notarius Rudiger) als Zeuge in einer Urkunde Hermanns (s. Nr. 460). Auf Rudiger geht möglicherweise das Diktat dieser Urkunde zurück; sicher hat er die Urkunden Nr. 461 und 465 von 1129 eigenhändig geschrieben. Auch unter Hermanns Nachfolger, Bischof Walther, ist er in der Kanzlei tätig. Zu seiner Herkunft (er war der Bruder des Domscholasters Gerhoh) s. Nr. 367 Ziffer 4; über seine weiteren Ämter in Augsburg (Domkanoniker seit 1128, Archidiakon 1149, Domdekan 1156, 1159) s. eingehend Schröder, in: AHAug 6, 819-835. Zur Kanzlei s. auch Feist-Helleiner, in: AZ 37, 56-61; Schröder, a.a.O. 811-816. Die zur Zeit Bischof Hermanns geprägten Münzen der Münzstätte Augsburg zeigen auf der Vorderseite einen Bischof (Brustbild) mit Krummstab und Buch, auf der Rückseite eine drachenartige Figur, darüber ein Gebäude mit drei Türmen, aus dem mittleren Turm blicken zwei Köpfe (Steinhilber 39, 103 Nr. 26).

Wichtigste historiographische Quelle für Bischof Hermann für die Zeit von der Bischofserhebung bis in die 1120er Jahre ist der Bericht des Mönches, seit 1124 Abtes (s. Nr. 451) von St. Ulrich und Afra in Augsburg, Udalschalk „De Eginone et Herimanno“; zur Überlieferung, die nicht über den Abtkatalog von Wilhelm Wittwer (2. Hälfte 15. Jahrhundert) zurückreicht, s. Kraft, Handschriften 46 Nr. 10, 92 Nr. 78; P. Joachimsohn, Zur städtischen und klösterlichen Geschichtsschreibung Augsburgs im 15. Jahrhundert, in: Alemannia 22 (1894) 123 ff; Bühler 62. Der Abtkatalog (mit Ausnahme von Udalschalks Bericht) ist herausgegeben von Steichele, in: ABtmAug 3, 10-437. Ausgaben von Udalschalks Bericht: MG SS 12, 429-447; Canisius, Lectiones antiquae 2, 205 ff; 23 II, 619 ff; Migne, PL 170, 834 ff. Zur Überlieferung Udalschalks s. Gebele 5-8; Bühler 19. Zur literarischen Bedeutung s. Manitius 3, 561 ff; Wattenbach-Holtzmann 537. Zu Abt Egino und Udalschalk vgl. auch Zoepfl, Bischöfe 109 ff; Ders., Investiturstreit 316, 323; LThK 3, 549; 10, 359; 23, 672; 210, 444; HB d. bayer. Geschichte 3, 893, 1237. Besondere Bedeutung hat die bald nach 1120 entstandene Schrift Udalschalks vor allem wegen der hier wiedergegebenen Briefe zur Auseinandersetzung zwischen Bischof Hermann und Abt Egino von St. Ulrich und Afra; es handelt sich dabei um Schreiben Papst Paschalis II. (s. Nr. 389, 392, 408, 409, 410, 419) und des Erzbischofs Adalbert I. von Mainz (s. Nr. 425, 430). Ein Brief Paschalis’ II. an das Domkapitel Augsburg (s. Nr. 419) ist außerdem auch in der Churer Briefsammlung (12. Jahrhundert) überliefert; dort finden sich zwei weitere Schreiben (s. Nr. 421, 422), die in den Zusammenhang der Beziehungen Bischof Widos von Chur zu Hermann von Augsburg gehören. Über diese Sammlung vgl. vor allem Ewald, in: NA 3, 168-181; Bündner UB 1, 175 Nr. 225 (mit der älteren Literatur); Erörterung chronologischer Fragen der bei Udalschalk überlieferten Briefe vor allem bei Löwenfeld, in: NA 6, 590-595 und Ewald, in: NA 7, 198-212.

Weitere Werke Udalschalks: Vita des Bischofs Konrad von Konstanz; Ausgabe: MG SS 4, 430-436; vgl. Wattenbach-Holtzmann 249; Bühler 18. Vita des Bischofs Adalpero von Augsburg; Ausgabe: Jaffe, in: ABtmAug 3, 1-9 (s. Nr. 52). Registrum Tonorum; Ausgabe: Ph. Jaffe, Des Abtes Udalskalk von St. Ulrich in Augsburg Registrum Tonorum, in: ABtmAug 2, 68-78; über Udalschalks musikgeschichtliche Bedeutung s. Musik in Geschichte und Gegenwart 13 (1966) 1017 f; Wohnhaas, in: Jb. d. Vereins f. Augsburger Bistumsgeschichte 5, 60 Anm. 12. Verschiedene Legenden, Hymnen und Verse über Afra, Udalrich, Maria Magdalena u. a.; s. Nr. 467; vgl. dazu Bühler 20 ff; Wittwer, Catalogus, in: ABtmAug 3, 102-123; Dreves-Blume, Ein Jahrtausend lateinischer Hymnendichtung 1 (1909) 234 ff. - Udalschalk und Abt Egino gehörten zum monastischen Reformkreis, der von Hirsau, St. Blasien und St. Georgen auch auf Augsburg ausstrahlte (vgl. Nr. 399, 405); zur Reformbewegung im Kloster St. Ulrich und Afra s. Endrös, Reichsunmittelbarkeit 36 ff; Jakobs, Hirsauer 60; Ders., St. Blasien 119; R. Bauerreiß, St. Georgen im Schwarzwald, ein Reformmittelpunkt Südostdeutschlands im beginnenden 12. Jahrhundert, in: StMOSB 51 (1933) 200 f. - Udalschalk starb um 1152 (Hemmerle, Germ. Ben. 2, 48).

Auf die Regierungszeit Bischof Hermanns in Augsburg nehmen Bezug die Urkunde Herzog Friedrichs von Schwaben, seiner Gemahlin Agnes und seiner Söhne Friedrich und Konrad mit der Übertragung der Abtei Lorch (Lkr. Schwäbisch Gmünd) an die römische Kirche von 1102 Mai 3 (Wirtembergisches UB 1, 334 Nr. 264; vgl. dazu auch GP 2 I, 106) und die von Abt Udalschalk von St. Ulrich und Afra in Augsburg geschriebene Urkunde von 1127 über den Kauf eines Gutes durch das Kloster vom Grafen Rudolf von Bregenz (MB 22, 13 f; vgl. BA 9, 142 Nr. 22). Aus der Zeit um 1100 stammen zwei Schatzverzeichnisse der Augsburger Domkirche (Bayer. Staatsbibliothek München, Clm 3704 fol. 181’ f; Druck: Bischoff, Schatzverzeichnisse 15 Nr. 4a und 4b, wobei der zweite Teil [Nr. 4b] als Schenkung eines Bischofs [?] gekennzeichnet ist. Ebd., Clm 3739 fol. 85’ ff; Drucke: Ruf, Bibliothekskataloge 17 ff Nr. 3; Bischoff, Schatzverzeichnisse 16 Nr. 5; über die beiden Handschriften vgl. auch Ruland, in: ABtmAug 1, 15 f, 46 ff, 67 f; Schröder, in: AHAug 4, 497 Nr. 3 und 4). Ruf hält das erstgenannte Verzeichnis wegen des Schriftcharakters, der auf das erste Drittel des 12. Jahrhunderts weise, für jünger; darin genannt ist Bischof Heinrich, womit wohl Heinrich II. gemeint ist; im zweiten Teil (Bischoff Nr. 4b) sind Sandalen Bischof Udalrichs (scandalia sancti Oudalrici) aufgeführt. Die im zweiten, größeren Schatzverzeichnis erscheinenden Namen beziehen sich wohl auf Domherren: Richart (s. Nr. 305: Archidiakon), Tuto (s. Nr. 382), Lanzo (s. Nr. 382), Reginhart, Swigger (s. Nr. 461), Sizo (s. Nr. 352, 367, 382, Domkustos), Heriman (s. Nr. 382, 453, 461). Außerdem werden u. a. genannt: Psalterium, Fahne (vexillum) und goldener Kelch des hl. Udalrich; ein elfenbeinerner Sessel des Bischofs (thronus episcopi eburneus), die bischöfliche Kapelle (capella episcopi); ein goldener Siegelstempel (sigillum aureum); ein Siegelstempel im Besitz des Bischofs; der Dekan, der Vicedomnus und der Camerarius; Meßgewänder des Stiftes St. Moritz [in Augsburg]; ein Meßbuch im Besitz des Abtes von Tierhoubeton [Thierhaupten, Lkr. Augsburg]; Psalterium der Äbtissin von Nivwenburc [Neuburg a. d. Donau]; der Jude Salemon und ein weiterer Jude, der Meßgewänder besitzt. Ruf, a.a.O. 18 hält es für möglich, daß dieses Verzeichnis 1096/97 nach dem Tod Bischof Siegfrieds bei der Ernennung Hermanns angelegt wurde, während er das kürzere, von Bischoff, a.a.O. 15 noch dem Ende des 11. Jahrhunderts zugewiesene Verzeichnis, mit einer Bestandsaufnahme nach dem Tode Bischof Hermanns in Verbindung bringen möchte.

In dem im ersten Viertel des 12. Jahrhunderts entstandenen Verzeichnis der von Diemot von Wessobrunn geschriebenen Bücher wird ein Liber officialis cum baptisterio aufgeführt, der dem Bischof von Augsburg übergeben worden ist (Ruf, Bibliothekskataloge 181 Nr. 60; = Verzeichnis A Nr. VII). Die von Diemot geschriebenen Bücher setzt Ruf, a.a.O. 8 und 180 in die Zeit zwischen 1080 und 1120 und vermutet darum, daß der Empfänger des nach Augsburg gegebenen Buches Bischof Hermann gewesen sei (über Hermanns Beziehung zu Wessobrunn vgl. Nr. 390, 427). Über Diemot s. Bauerreiß, Kirchengeschichte Bayerns 3, 45; NDB 3, 648; LThK 23, 376.

Zusammenfassende Literatur über Hermann: Braun, Geschichte 2, 18-81; Gebele; Zoepfl, Bischöfe 109-126; Ders., Investiturstreit 316-333; Volkert, in: Lebensbilder aus dem Bayer. Schwaben 6, 1-25; NDB 8, 630.

In dem Diplom Kaiser Heinrichs II. von 1018 Juni 26 für Kloster Sonnenburg [Provinz Bozen, Südtirol] erscheinen als Zeugen die Bischöfe Hermann von Augsburg (Augustensis episcopus) und Hartwig von Regensburg, Herzog Welf von Baiern und Markgraf Dietpold von Vohburg (MG DD 3, 680 ff Nr. 527). Zu dieser Fälschung, die die Namen der Zeugen vielleicht aus einem für Sonnenburg zu erschließenden Diplom Heinrichs V. nahm, welches den Fälschungen von 1120 Juli 28 und 1120 September 9 als Grundlage diente, vgl. Nr. 231; ferner K. Wolfsgruber - L. Santifaller, Die mittelalterlichen Stiftsurbare des Bistums Brixen, I. Die ältesten Urbare des Benediktinerinnenstiftes Sonnenburg im Pustertal (Österreichische Urbare III, 5) 1968, XIII-XIX; bei den angeblichen Urkunden von 1018 und 1120 handelt es sich um Fälschungen des Klosters aus dem 13. Jahrhundert. Gebele 120 Nr. 58 gibt irrtümlich an, daß Hermann von Augsburg in dem gefälschten Diplom von 1120 Juli 28 als Zeuge genannt ist. Druck der Urkunde: F. A. Sinnacher, Beyträge zur Geschichte der bischöflichen Kirche Säben und Brixen in Tyrol 2 (1822) 387 Nr. 81 (vgl. dazu Wolfsgruber-Santifaller, a.a.O. XVII Nr. 4 I).

 

Nachtrag:

 

Über die Ratpotonen-Diepoldinger vgl. HAB Schwaben II 2, 37-41 (hier wird die Bedeutung des Klosters St. Ulrich und Afra in Augsburg als Hauskloster der Sippe herausgestellt); Hörberg 99 f (über die Beziehungen der Sippe zu St. Ulrich und Afra in Augsburg); vgl. auch Volkert, UuA 107 Nr. 23; Borst, Mönche 107; s. auch oben Nachtrag zu Nr. 102.

Zum Siegel Bischof Hermanns vgl. Groten, in: HJb 100, 193f, der in der Gestaltung auf Ähnlichkeit mit dem Siegel Erzbischof Adalberts I. von Mainz (1110-1137) hinweist; das Thronsiegel Hermanns ist eines der frühesten Beispiele für diesen Typ der Siegel deutscher Bischöfe.

Über die historiographischen Arbeiten des Abtes Udalschalk von St. Ulrich und Afra vgl. Hörberg 157-160, 236-242; W. Berschin, Odalscalcs Vita S. Konradi im hagiographischen Hausbuch der Abtei St. Ulrich und Afra, in: Freiburger

Diözesan-Archiv 95 (1975) 82 ff; Wattenbach-Schmale 269 f, 284 sowie Nr. 478; über seinen Tod s. Volkert, UuA 115 Nr. 42.

Das in dem Schatzverzeichnis der Zeit um 1100 genannte, im Besitz des Abtes von Thierhaupten befindliche Meßbuch ist möglicherweise mit einem jetzt in der Kgl. Bibliothek in Stockholm liegenden Plenarmissale zu identifizieren, in welchem auch Reliquien des hl. Udalrich (Stola, Gürtel) erwähnt sind; die Handschrift ist in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts in der Diözese Augsburg, vielleicht im Kempten, entstanden; vgl. H. Tüchle, Ein Plenarmissale aus der Augsburger Diözese, in: JbAugBtmG 12 (1978) 197-208. Über die in den Schatzverzeichnissen genannten Udalrich-Reliquien von der Wende des 11. zum 12. Jahrhundert vgl. auch Volkert, UuA 110 Nr. 28 sowie Nachtrag zu Nr. 159.

Über Augsburg zur Zeit Bischof Hermanns s. Augsburg (1984) 125 f.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 366, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/e1577763-2577-4a9a-b947-8fab85c70b22
(Abgerufen am 19.06.2018).

Bestandsinformationen