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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Udalrich (servus servorum dei Odalricus sanctae Augustensis ecclesiae episcopus) beurkundet die [968 April 23 stattgefundene] Gründung eines Kanonissenstiftes bei der Kirche des hl. Stephan [in Augsburg], an der bereits eine „cella“ besteht, zu dessen Ausstattung der verstorbene Archidiakon Amalrich (Amalrici bone memoriae nostrae ecclesie archidiaconi), dessen Neffe, der Diakon Waltker, und die in der „cella“ lebende Ellensind Eigengut (proprietatis adminiculo) in Pazenhoua [Batzenhofen, Lkr. Augsburg], Gerfredeshoua [Gersthofen, Lkr. Augsburg], Geginga [Göggingen, Lkr. Augsburg] und Pirichah [Birkach, Lkr. Schwabmünchen?] und Jagob bei der Aufnahme seiner Tochter eine Hube in Woleibeshusa [Wollishausen, Lkr. Augsburg] geschenkt haben. Udalrich gibt zum Unterhalt des Stiftes aus dem Besitz der Domkirche (ex facultatibus nostrae matricis ecclesie) alle Lehen, die Amalrich zu seinen Lebzeiten in der Stadt (intus in civitate) und an einem Äckerlein vor den Mauern von St. Stephan innehatte, dazu den Zehnt von Spettinga [Spötting, Stadtkr. Landsberg/Lech], Geltendorf [Lkr. Fürstenfeldbruck; dies Nachtrag von späterer Hand] und von Munestiure [Münster, Lkr. Schwabmünchen oder Münsterhausen, Lkr. Krumbach] mit Ausnahme des Anteils der Geistlichen, überträgt Ellensind mit Zustimmung aller seiner Getreuen (cum consensu omnium fidelium nostrorum) die Leitung des Stifts und gewährt dem Konvent nach deren Tod freie Wahl der Äbtissin. - Haec conscriptio facta est anno dominicae incarnationis DCCCCLXVIIII. indict. XII. regnante Ottone rege anno XXV. imperialis potentiae anno VIIII. regni autem filii eius anno VIII. imperialis potentie eius I. episcopatus autem venerabilis Odalrici anno XLV. VIIII. kl. mai. super altare sancte Marie publice in nomine domini.

Überlieferung/Literatur

Orig. Perg. mit durchgedrücktem Rundsiegel (fehlt; es handelte sich wohl um dasselbe Siegel Udalrichs, das noch an der Urkunde Bischof Hermanns von 1099 für den Domkustos erhalten ist, Orig. Perg. HStA München, Augsburg, Domkapitel Urk. Nr. 1 ; s. Feist-Helleiner, AZ 37, 39 Nr. 5 und S. 48 ; Abb. des Siegel ebd. Tafel 2 Nr. 1. Das Siegel Udalrichs trug auch die Urkunde Bischof Embrikos für St. Gertrud in Augsburg von 1071 November 23, wie die Ankündigung zeigt, MB 33 I, 8 ff Nr. 11 ; am Orig. [OrdinariatsA Augsburg] ist es nicht mehr erhalten) HStA München, Augsburg, Stift St. Stephan Urk. Nr. 1; Abschriften : ebd. (13. Jh.) mit Übersetzung (18. Jh.) ; HStA München, Augsburg, Stift St. Stephan Lit. Nr. 226 fol. 1 f (17. Jh.), Lit. 225 fol. 1 ff (Übersetzung 17. Jh.) ; HStA München, Hochstift Augsburg Urk. Nr. 7 (16. Jh.). - Drucke: C. Khamm, Hierarchia Augustana (1717) Prodromus partis III., 460-462 ; J. N. v. Raiser, Antiquarische Reise von Augusta nach Viaca (1829) Anhang 1 Nr. 1 ; A. Schröder, Alt-St. Stephan 36-39 (mit Faksimile) ; V. Feist-K. Helleiner, Urkundenwesen der Bischöfe von Augsburg, in: AZ 37, 46 f (mit Faksimile). - RB 4, 731. Vgl. auch Nr. 140.

Kommentar

Grundlegend handelt Schröder, Alt-St. Stephan 1-51 über diese älteste im Original erhaltene augsburgische Bischofsurkunde, deren Echtheit nunmehr gegenüber den Bedenken älterer Forschung eindeutig gesichert ist (vgl. auch die Besprechung von P. Schöffel in: ZBLG 3, 93-96). Die Urkunde ist nicht von der gleichen Hand in einem Zug geschrieben. Ein Nachtrag ist offensichtlich bei der Aufzählung der an St. Stephan geschenkten Zehnten die Angabe „insuper et Geltendorf“; dies bezieht sich auf eine spätere Tradition (vielleicht noch des 10. Jh.) an das Stift, wie auch die beiden am linken und unteren Rand der Schriftseite und die auf der Rückseite dieser Urkunde eingetragenen Traditionsnotizen (vgl. Schröder a. a. O. 14 ff und 52-57). Einen Nachtrag enthält auch die Datierung der Urkunde, die nur bis „regnante Ottone rege“ vom Schreiber im ersten Arbeitsgang geschrieben ist. Der zweite Teil der Datierung dürfte wohl von gleicher Hand mit anderer Feder nachgetragen sein (Schöffel, a. a. O. 96). Schröder 17-21 hat überzeugend nachgewiesen, daß sich der erste Teil auf die Beurkundung im Jahr 969 (ohne Monats- und Tagesangabe), der zweite mit der Ortsangabe auf die Handlung von 968 April 23 bezieht, wobei hier das Bischofsjahr Udalrichs und das Kaiserjahr Ottos II. verlässig sind. Die Frage nach Aussteller- oder Empfängerdiktat bzw. -ausfertigung läßt sich wegen des völligen Mangels an Vergleichsmaterial sowohl aus der bischöflichen wie der klösterlichen Schreibstube nicht entscheiden. - Die Herkunft der von Udalrich der Neugründung zur Verfügung gestellten Güter ist nicht genau zu erhellen; nach der Wendung „ex facultatibus nostrae matricis ecclesie“ können sie sowohl aus dem bischöflichen Tafelgut wie aus dem Sondergut der Kanoniker stammen, zur Zeit Udalrichs war ja die Trennung in diese beiden Gutskomplexe schon vollzogen (vgl. Nr. 125; Schröder AHAug 6, 112 ff). Zu den Ortsnamenbestimmungen von Birkach und Münster vgl. Zoepfl, BA 9, 110 und 234. Bei dem zweiten Ort könnte man auch an Münster am Lech (Lkr. Neuburg/Do.) denken.

 

Nachtrag:

 

Abbildung und Druck der Urkunde mit eingehender formaler und inhaltlicher Erörterung s. Volkert, St. Stephan 14 ff, 26-38, 39-104; ebd. 23 ff über das Siegel; zu dessen weiterer Verwendung s. Nr. 102 (Nachtrag), 320 und 372. Abbildung und Druck s. auch Ad sanctum Stephanum 969-1969 (1969) 4 f. Regest und Abbildung: Bayerns Kirche im Mittelalter (1960) 11 Nr. 26 Abb. 15; Aus 1200 Jahren (Ausstellungskataloge der staatlichen Archive Bayerns 11, 1979) 20 f Nr. 10.- Zur Gründung und weiteren Geschichte des Stiftes s. auch P. Braun, Geschichte des adeligen Damenstiftes St. Stephan, in: Ad sanctum Stephanum 1-49. - Zur kopialen Überlieferung der Urkunde vgl. auch Vock, Regesten Hochstift Augsburg 1 f Nr. 3-5. Regest: 700 Jahre Augsburger Stadtrecht 24 Nr. 2. - Zur Ausdehnung des Besitzbereichs in Augsburg s. HAB Augsburg 135 f; zur Stadttopographie im Gebiet von St. Stephan zur Zeit Udalrichs s. Groos, in: ZhV Schwaben 67, 44 f; Herzog, Ottonische Stadt 190. - Über die Patrozinien St. Stephan und St. Gallus s. Pötzl, in: JbAugBtmG 9, 46 f, 61. - Bauerreiß, in: StMOSB 81, 250 f meint, daß in St. Stephan der ursprüngliche „domus episcopalis“ Augsburgs zu erkennen sei, wie er dies schon in seinen Studien zur frühesten Geschichte von St. Stephan in Augsburg, in: StMOSB 64 (1952) 77 ff und Stephanskult und frühe Bischofsstadt (Veröffentlichungen der bayer. Benediktinerakademie 2, 1963) postuliert hatte. Mit archäologischen Argumenten wendet sich dagegen L. Weber, Zur Vor- und Frühgeschichte von St. Stephan, in: Ad sanctum Stephanum 61, 67; vgl. dazu auch Volkert, St. Stephan 50 ff; HAB Augsburg 40. Zum Ort Spötting vgl. HAB Landsberg-Schongau 26, 147; zu Batzenhofen vgl. Grundriß Augsburg 245 f; zu Gersthofen ebd. 233; zu Göggingen ebd. 222; zu Birkach ebd. 85 (369 ist ein abgegangener Ort Birkach bei Augsburg nachgewiesen); zu Wollishausen ebd. 273. Die Identifizierung des Namens Spettinga mit dem bei Reinhartshausen abgegangenen Ort Spettingen (HAB Augsburg Land 98, 462) trifft nicht zu.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 144, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/dc12db4f-4aa2-4f8f-b906-041fe0c28c30
(Abgerufen am 21.06.2018).

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