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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Kommentar

Dignitäre des Domstiftes 1077-1096

1) Dompropst. Bis zur Ernennung zum Bischof von Chur wirkte Nortpert als Dompropst unter Siegfried; er ist in Chur erstmals 1080 Juni 25 nachgewiesen (Bündner UB 1, 163 Nr. 203). Udalrich; als Dompropst von Augsburg (sanctae Augustensis aecclesiae praepositus) 1092 genannt, als er von Erzbischof Thiemo von Salzburg zum Bischof von Passau ordiniert und konsekriert wurde (Bernoldi chronicon, MG SS 5, 454; s. dazu Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 4, 384); dies ist die einzige Nennung als Dompropst von Augsburg. Die zahlreichen anderen Quellen zur Erhebung zum Bischof von Passau erwähnen dies nicht (z. B. Annalen von Melk [MG SS 9, 500], von Kremsmünster [ebd. 553], von Admont [ebd. 576], von Klosterneuburg [ebd. 609], von Salzburg [ebd. 774]); vgl. dazu auch die lobende Erwähnung in Vita Gregorii VII. cap. 121 (I. M. Watterich, Pontificum Romanorum Vitae 1 [1862] 544 f); sie geht auf seine Augsburger Würde nicht ein. Merkwürdigerweise erwähnen die Annales Augustani (MG SS 3, 134) das Augsburger Amt Udalrichs nicht; vielleicht geht dies darauf zurück, daß er zu der eindeutig gregorianisch gesinnten Partei gehörte (vgl. dazu Mois, Rottenbuch 109 ff, 208 f). Die Konsekration zum Bischof fand 1092 Mai 16 durch Erzbischof Thiemo von Salzburg unter Mitwirkung der Bischöfe Gebehard III. von Konstanz und Adalbert von Worms statt (Ladewig-Müller 1, 71 Nr. 555; Hauck, KG Deutschlands 3, 862; Riezler 1 II, 169). Udalrich gehörte zu einer im ostschwäbischen Gebiet begüterten Familie; dies zeigt seine Schenkung von Eigengut in Mertingen [Lkr. Donau-Ries] an das Domstift Passau (praedium et hereditatem, quae sibi loco, qui dicitur Mardingen in provincia Suevia in pago Ovgesgowe, maiorum successione pervenerat), die 1111 König Heinrich V. bestätigte (MB 29 I, 224 Nr. 438); zu Mertingen s. auch Dertsch, in: AHAug 6, 315; Volkert, St. Stephan 107 f; ferner die Bischof Siegfried II. von Augsburg zugeschriebene Schenkung an das Domkapitel Augsburg (Nr. 344). Er wurde auch baierischen Familien zugeordnet (die ältere, unkritische Überlieferung s. bei Haemmerle, Domkanoniker 94 f Nr. 455), wie der Gründersippe von Seitenstetten (Oberösterreich; s. HB d. bayer. Geschichte 1, 392) oder den Grafen von Vornbach (J. Wodka, Altmann und der Ausbau des Passauer Bistums in Österreich, in: Der hl. Altmann, Bischof v. Passau. Festschrift zur 900-Jahr-Feier [1965] 56 Anm. 49); dies dürfte nicht zutreffen. Die Zugehörigkeit zu den Grafen von Altshausen-Veringen (Lkr. Saulgau) dürfte auch nicht zu halten sein (LThK 10, 368 f nahm dies an; s. dazu J. Kerkhoff, Die Grafen von Altshausen-Veringen, in: Hohenzollerische Jahreshefte 24 [1964] 1-132, mit Stammtafel). Über Udalrich vgl. außerdem LThK 210, 457; Wattenbach-Holtzmann 560 f; Geier, Traditionen Asbach (QE NF 23) 30x, 33x f; M. Maier, Ein Schwäbisch-Bayerischer Freundeskreis Gregor VII. nach der Vita Herlucae des Paul v. Bernried, in: StMOSB 74 (1963) 320-324; Zoepfl, Bisch. 111 Anm. 2. Ob Udalrich als Nachfolger des Dompropstes Nortpert zu betrachten ist, der 1080 Bischof von Chur wurde (s. Nr. 305, 351) oder ob er als Dompropst an der Seite von Bischof Wigolt angenommen werden kann (zu dessen Erhebung s. Nr. 341, 346), muß offen bleiben; Quellenangaben dazu fehlen. Über Dompropst Nortpert s. Nr. 305. Im Zusammenhang der Errichtung des Stiftes Habach durch Nortpert wird zu 1073 (Nr. 321) und zu 1085 (s. Nr. 352) unter den Domkanonikern ein Udalrich genannt; da dieser offensichdich zu der antigregorianisch eingestellten Gruppe um Bischof Siegfried und Dompropst Nortpert gehörte, ist es unwahrscheinlich, in ihm den späteren Dompropst und Bischof von Passau zu sehen.

2) Domdekan. Erkanrich; als Zeuge 1085 genannt (s. Nr. 352). Bereits unter Bischof Embriko (s. Nr. 305 Ziffer 2) und noch unter Bischof Hermann (s. Nr. 367 Ziffer 2) tätig.

3) Domscholaster. Heinrich; gestorben 1083 in St. Mang in Füssen, dort begraben (Annales Augustani, MG SS 3, 130); Heinrich, von den Ann. Aug. magister und canonicus Augustensis genannt, war zusammen mit Bischof Wigolt nach Füssen gegangen (s. Nr. 346). Er ist offensichtlich mit dem in der Handschrift der Staatsbibl. Bamberg, Lit. 10 (Ed. V. 10) genannten Heinricus Augustae urbis scolasticus identisch, von dem dort mit Neumen versehene liturgische Fragmente zur Osterliturgie überliefert sind; F. Leitschuh, Katalog der Handschriften der kgl. Bibliothek Bamberg 1 I (1898) 150 f; weitere musikalische Fragmente von ihm sind überliefert in den Handschriften der Österreichischen Nationalbibliothek Wien 51 und 1063; über Hs. 51 s. H. J. Hermann, Die deutschen romanischen Handschriften (Beschreibendes Verzeichnis der illuminierten Handschriften in Österreich, NF 2, Bd. 8: Die illuminierten Handschriften und Inkunabeln der Nationalbibliothek Wien II) 1926, 260-270, die Handschrift des späten 12. Jahrhunderts enthält musikwissenschaftliche Texte; F. Unterkircher, Inventar der illuminierten Handschriften, Inkunabeln und Frühdrucke der Österreichischen Nationalbibliothek (Museion II, 2.1) 1957, 4; über Hs. 1063 mit der Bezeichnung des Heinrich von Augsburg als Magister s. Hermann, a.a.O. 183 f; Unterkircher, a.a.O. 34. Über Heinrichs Bedeutung in der musikgeschichtlichen Überlieferung s. M. Huglo, Un theoricien du XIe siecle: Henri d’Augsbourg, in: Revue de Musicologie 53 (1967) 53-59. Th. Wohnhaas, Zur Handschr. Gl. Kgl. Saml. 3449, 8 der Kgl. Bibliothek in Kopenhagen, in: Jb. d. Vereins f. Augsburger Bistumsgeschichte 5 (1971) 60.

Sein Hauptwerk ist der nahezu 2300 leoninische Hexameter umfassende Planctus Evae (Erläuterung von Teilen der Genesis; Deutung von Schöpfung und Sündenfall im Hinblick auf die Erlösung durch Christus). Ausgabe: M. L. Colker, Heinrici Augustensis Planctus Evae, in: Traditio 12 (1956) 149-230 mit Erläuterung, Inhaltsangabe, Überlieferung und Mitteilung älterer Teildrucke. Die Angaben der älteren Literatur (noch Colker, a.a.O. 151), daß Heinrich aus Aquileja nach Augsburg als Angehöriger des Domkapitels gekommen sei, ist irrig. Die hierfür herangezogene Stelle der Annales Augustani zu 1077 (MG SS 3, 129) bezieht sich auf den Augsburger Domkanoniker Heinrich, der in diesem Jahr Patriarch von Aquileja wurde (s. Nr. 305, 342). Anhaltspunkte darüber, seit wann er in Augsburg wirkte, fehlen; als Anhänger des gregorianisch eingestellten Bischofs Wigolt dürfte seine Wirksamkeit in Augsburg während der Regierungszeit Bischof Siegfrieds gering gewesen sein. Möglicherweise ist er schon unter Embriko an der Domschule tätig gewesen. Über das für die zweite Hälfte des 11. Jahrhunderts wichtige exegetische Werk vgl. Manitius 2, 615 ff; Stammler, Verfasserlexikon 2, 248-251; Wattenbach-Holtzmann 535 Anm. 94 und 159+; NDB 8, 405; Walther 1, 770 Nr. 14843; K. Langosch, Die deutsche Literatur des lateinischen Mittelalters in ihrer geschichtlichen Entwicklung (1964) 122; HB d. bayer. Geschichte 1, 497; 3, 1237. Theologische und grammatische Texte Heinrichs, der dabei auch als scolasticus bezeichnet wird, bringen auch die Handschriften der Nationalbibliothek Wien 388 (s. Hermann, a.a.O. 95 f und Unterkircher, a.a.O. 15) und Bayer. Staatsbibliothek München, Clm 14506 (aus Tegernsee; s. Catalogus cod. Lat. 2 II, 183) sowie Clm 18580 (aus St. Emmeram in Regensburg; ebd. 2 III, 183 f).

Als Bischof von Trient folgte 1084 der Augsburger Domkanoniker Adalbero (genannt 1073; s. Nr. 321) dem Bischof Pereward (Ann. Aug. zu 1084, MG SS 3, 131); vgl. Gams, Ser. episc. 317; Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 3, 581 Anm. 71.

Er war italienischer Kanzler Heinrichs IV.; s. A. Gawlik, Adalbero von Trient und Oger von Ivrea als Leiter der italienischen Kanzlei unter Kaiser Heinrich IV., in: DA 26 (1970) 208-219.

Der Domkanoniker Wido von Augsburg wurde 1095/96 Bischof von Chur (s. Nr. 367).

Vielleicht gehört in die Zeit um 1090 die auf den Archidiakon Rudolf zurückgehende Schenkung einer Hube in Kissing (Lkr. Aichach-Friedberg) an das Domkapitel, die durch das Domnekrolog überliefert ist (MG Necr. 1, 63); aus gleichzeitigen Quellen ist der Archidiakon Rudolf nicht bekannt (vgl. dazu Schröder, in: AHAug 6, 139 Anm. 67, 227). Daß er mit dem 1085 genannten vicedomnus Rudolf (s. Nr. 352) identisch ist, kann allenfalls vermutet werden (Schröder, ebd. 109). Zum Domkapitelbesitz in Kissing s. Nr. 367 Verz. I (31) und Verz. II (20); BA 2, 470; HAB Friedberg-Mering 3, 38 f.

 

Nachtrag:

 

1) Zur Herkunft des Dompropstes Udalrich aus der Sippe der Gründer des Stiftes Seitenstetten s. HB d. bayer. Geschichte 21, 483 Anm. 116.

3) Zur Überlieferung neumierter Introitusverse des Domscholasters Heinrich s. B. Bischoff, Zur Kritik der Heerwagen- schen Ausgabe von Bedas Werken (Basel 1563), in: StMOSB 51 (1933) 175 f.

Nach der seit dem 13. Jahrhundert faßbaren Überlieferung aus St. Ulrich und Afra habe Abt Sigehard (1080 - ca. 1094) eine Wein- und Brotstiftung für die Domherren (dominis de choro maiori) am Udalrichstag (Juli 4) errichtet; s. Hörberg 180,15 (zur Regierungszeit Sigehards).

 

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 343, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d91fb14f-5bbd-41f4-bf31-e043dc28f415
(Abgerufen am 17.10.2018).

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