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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Folgt auf Bischof Heinrich.

Überlieferung/Literatur

Bischofslisten MG SS 13, 280, 335; 14, 558; 15 II, 1308; Annales Augustani (11. Jh.) MG SS 3, 124; Herimanni Aug. chronicon (11. Jh.) MG SS 5, 117.

Kommentar

Herkunft: Seit dem 16. Jh. taucht in der Historiographie die Nachricht auf, Eticho stamme aus dem Geschlecht der älteren Welfen: Clemens Sender, Bischofskatalog, Wolfenbüttel; Formulae instrumentorum 1541/45 (OrdinariatsA Augsburg); Bucelinus, Germania sacra (1655) 12; Augsburger Bischofskatalog des Wessobrunner Mönches Stephan Leopolder (Leutner, Hist. Wessofontani 2, 56); Chr. L. Scheidtius, Origines Guelficae (Hannover 1751) 2, 213, Stammbaum nach 234; als genealogischen Arbeiten seien noch genannt E. Krüger, Ursprung des Welfenhauses (1899) und B. Sepp, Stammbaum der Welfen (1915).

Mit gleichzeitigen oder wenigstens mittelalterlichen Quellen ist diese Abstammung nicht zu belegen. Allein der bei den Welfen sehr häufig vorkommende Name Eticho (Edico) ließ diesen Schluß entstehen. In der Frage, an welcher Stelle Eticho in den welfischen Stammbaum einzureihen sei, hat sich im allgemeinen die Ansicht durchgesetzt, daß er ein Bruder Rudolfs II., ein Sohn Rudolfs I. und damit Neffe des Konstanzer Bischofs Konrad gewesen sei. Vgl. die Stammtafel bei Sepp, ferner v. Isenburg 21, Tafel 11, gekürzt bei König, Die süddeutschen Welfen als Klostergründer 30; ders., Historia Welforum, Stammtafel I.

Über die Bedeutung des Namens Eticho in der frühen Welfengenealogie vgl. E. Klebel, Zur Gesch. des Christentums in Bayern vor Bonifatius, in: Bonifatius-Gedenkgabe (1954) 407. Klebel meint, der Name Etich, der schon bei Königen der im baierischen Stamm aufgegangenen Skiren vorkommt, deute auf die baierische Herkunft der Welfen, die er mit dem Ort Welshofen (Lkr. Dachau; 1080: Welfishofen) in Zusammenhang bringt. Für die schwäbische Herkunft der Welfen tritt ein Tellenbach, Reichsadel 43 Anm. 98 (mit älterer Literatur). J. Fleckenstein (Über die Herkunft der Welfen u. ihre Anfänge in Süddeutschland, in: G. Tellenbach, Studien und Vorarbeiten zur Geschichte des großfränkischen und frühdeutschen Adels, Freiburg i. Br. 1957, 71-136) sucht die Welfen als Franken zu erweisen. (Vgl. auch G. Schnath, Neue Forschungen zur ältesten Geschichte des Welfenhauses, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 31 [1959] 256 ff). Die Welfen waren auch mit den seit dem 7. Jh. im Elsaß herrschenden Etichonen verwandt (vgl. auch Rößler-Franz, Biographisches Wörterbuch [1952] 881).

In einer Handschrift des Chronicon Hildesheimense (11. Jh.) MG SS 7, 847 ist eine Liste der mit dem dortigen Kapitel verbrüderten Bischöfe enthalten, die auch Eticho nennt. Nach Klewitz, AUF 16, 109, 112, 114 gehörten die hier genannten Bischöfe vor ihrer Erhebung dem Hildesheimer Kapitel an, aus dessen Reihen die Hofkapelläne hervorgingen. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich auch für Eticho der Weg zu einem Bischofssitz durch den Dienst in der capella öffnete, wie dies im ottonischen Kirchensystem vielfach der Fall war.

In der Schenkung Bischof Heinrichs an das Domkapitel von 980 tritt als Salmann ein gewisser Etich auf (s. Nr. 170). Es ist unwahrscheinlich, daß es sich dabei um den späteren Bischof handelt (wie Resch, Annales eccl. Sabionensis 3, 648 Anm. 628 und 558 Anm. 473 vermutet). Der Verfasser der Vita Udalrici, in der die Tradition überliefert ist, hätte wohl kaum einen Hinweis auf die Identität unterdrückt. Der Salman Etich kann auch nicht Geistlicher gewesen sein; es ist allerdings unbekannt, wann Eticho, der spätere Bischof, die Priesterweihe empfing.

Prägungen der Augsburger Münzstätte unter dem Namen Bischof Etichos sind nicht bekannt; aus seiner Regierungszeit haben sich nur Augsburger Münzen der Herzöge Heinrich III. (983-985) und Heinrich II. (985 bis 995) von Baiern erhalten; s. Steinhilber 36, 106 Nr. 35 und 36; Abb. Tafel III Nr. 35 und 36. Wahrscheinlich handelt es sich bei diesen Münzen um Nachahmungen Regensburger Gepräge.

Nachrichten über Dignitäre des Domkapitels aus der Zeit Bischof Etichos sind nicht erhalten. - Zusammenfassende Literatur: Zoepfl, Bisch. 79 f; Braun, Gesch. 1, 316-319; Simon, Stand und Herkunft 46.

 

Nachtrag:

 

Über die Genealogie der Welfen im 9. und 10. Jahrhundert, die Einordnung des Bischofs Konrad von Konstanz und das Vorkommen des Namens Eticho vgl. O. G. Oexle, Bischof Konrad von Konstanz in der Erinnerung der Welfen und der welfischen Hausüberlieferung während des 12. Jahrhunderts, in: Freiburger Diözesan-Archiv 95 (1975) 7-40; s. auch Tyroller, Genealogische Tafeln 162 f; Oexle, in: DA 24, 473 f. Zur Überlieferung der welfischen Hausgeschichte vgl. Wattenbach-Schmale 296-302; H. Patze, Adel und Stifterchronik, in: Blätter für deutsche Landesgeschichte 101 (1965) 108 ff. - Zur Geschichte der Welfen im späten 10. Jahrhundert vgl. Volkert, St. Stephan 101; über deren Beziehungen zur Augsburger Bischofskirche s. HAB Landsberg-Schongau 19 f, 217; HAB Augsburg Land 64 f. - Über die mögliche Herkunft Bischof Etichos aus dem Kapitel von Hildesheim vgl. Meyer, Domkapitel 402 f Nr. 15.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 175, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d7f03a92-6fc4-4605-bf43-beee68d7763a
(Abgerufen am 21.06.2018).

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