Regestendatenbank - 182.315 Regesten im Volltext

RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

Sie sehen den Datensatz 311 von insgesamt 535.

Dignitäre des Domstifts unter Bischof Embriko.

Kommentar

1) Dompropst. Nortpert; erwähnt als Zeuge bei der Errichtung des Stiftes St. Gertrud in Augsburg (s. Nr. 320); über seine Rolle in der Güterverwaltung des Domkapitels s. Nr. 307. Ob er unmittelbarer Nachfolger des unter Bischof Heinrich II. genannten Dompropst Einhard, seit 1061 Bischof von Speyer, war, ist nicht belegt (s. Nr. 277). Er gehörte zu der Edelfreien-Familie, die später nach ihrem Besitzzentrum Weilheim genannt wurde (s. dazu Tyroller, Gen. Tafeln 400; Gewin, Adelsgeschlechter 40, 120). Die Zuweisung zu den Grafen von Hohenwart (Ratpotonen), die gelegentlich noch in der Literatur vertreten wird (s. Nr. 325), ist nicht zu halten. 1079 wurde er zum Bischof von Chur erhoben (Annales Augustani MG SS 3, 130; vgl. auch 131 und 133 zu 1085 und 1087; Bertholdi annales, MG SS 5, 323; in beiden Quellen als Dompropst von Augsburg bezeichnet). Über seine Wirksamkeit in Chur s. J. G. Mayer, Geschichte des Bistums Chur 1 (1908) 159 ff (rechnet Nortpert zu den Gegenbischöfen; so auch Histor.-biographisches Lexikon der Schweiz 4 [1927] 273); F. Pieth, Bündner Geschichte (1945) 40; zur urkundlichen Überlieferung s. Bündner UB 1, 163-167 Nr. 203, 205-209. Vgl. auch Meyer-Marthaler 188 ff. Sein Eintreten für die Sache Heinrichs IV. erhellt besonders seine Verbindung mit Bischof Siegfried II., mit dem er gleichzeitig 1085 geweiht wurde (s. Nr. 351); er starb um die Jahreswende 1087/88 (Quellen dazu s. bei Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 4, 176; s. auch Erben, in: ZRG 42 KA 11, 2 Anm. 3). Im Augsburger Domnekrolog (Liber anniversariorum ecclesiae maioris Augustensis [15. Jh.] MG Necr. 1, 57 und MB 35 I, 14) ist vermerkt, daß Nortpert eine Hube in Urfrehteshusen dem Domkapitel schenkte; dabei handelt es sich wohl um Frecholzhausen (Lkr. Aichach-Friedberg), wo noch um 1300 alte domkapitelische Rechte nachweisbar sind (Riedner, in: AHAug 1, 69); später sind dort der Herzog von Baiern und die Deutschordenskommende Blumenthal begütert (BA 4, 25; HAB Friedberg-Mering 34). Oder sollte ein Zusammenhang mit dem 1063 genannten Ort Husun (Dürnhausen, Lkr. Weilheim-Schongau) bestehen (s. Nr. 301), zu dem möglicherweise Nortperts Familie Beziehungen hatte (Oefele, in: OA 32, 3)? - Daß Nortpert bereits 1055 Domkanoniker von Augsburg geworden ist, wie Khamm, Hier. Aug. 2, 100 und Haemmerle, Domkanoniker 7 Nr. 26 annehmen, ist durch gleichzeitige Quellen nicht belegt. - Für die Diözese Augsburg hat er durch die Errichtung des Stiftes Habach, die er nach seiner Erhebung zum Bischof von Chur vollzog, besondere Bedeutung (s. Nr. 321 und 352).

2) Domdekan. Erkanrich; bei der Weihe der Kirche in Habach 1073 genannt (s. Nr. 321). Möglicherweise ist er mit dem 1071 erwähnten Priester Erchanrich identisch (s. Nr. 320). Als Domdekan noch unter den Bischöfen Siegfried II. und Hermann genannt (s. Nr. 343 und 367).

 

Die Auflösung der vita communis der Domkanoniker dürfte in den späteren Jahren Bischof Embrikos vorangeschritten sein; zu 1084 werden eigene Domherrenhäuser erwähnt (Annales Augustani, MG SS 3, 130; vgl. Nr. 350). Die seit dem 17. Jahrhundert konstatierte völlige Beendigung der vita communis unter Bischof Embriko (s. die Belege bei Braun, Geschichte 1, 400) geht mit dieser Ausschließlichkeit zu weit. Die Nachricht, daß Embriko für einige wenige Kanoniker, die am gemeinsamen Leben festhalten wollten, das Stift St. Georg errichtet habe, ist ohne zeitgenössischen Beleg. Das Kanonikerstift St. Georg wurde 1135 errichtet (Hörmann 14 ff, 98 f; GP 2 I, 50; Zoepfl, Bischöfe 97 und 129; Backmund, Chorherrenorden 52; Schröder, in: AHAug 6, 824 ff). Zeitliche Anhaltspunkte für den Bau der Kirche St. Georg fehlen. - Zur vita communis des Domkapitels in den späteren Jahren Embrikos vgl. auch Nr. 307; ferner Schröder, in: ZhVSchwaben 24, 101; Leuze 2 f; Riedner, in: AHAug 1, 48; Rückert, in: AHAug 5, 196 ff.

Der Augsburger Domherr Heinrich (s. Nr. 320, 321) wurde 1077 Patriarch von Aquileja (s. Nr. 342; Bertholdi annales, MG SS 5, 301; Annales Augustani, MG SS 3, 129). Er war königlicher Kapellan gewesen (Bonin 14, 123; Klebel, Patriarchen 333; Mayer, Ostalpenländer 100 f; Schmidinger, Patriarch 69; Ders., Besetzung 345). Über Aquileja vgl. Gams, Ser. episc. 774; Enciclopaedia ital. 3, 799 f; LthK 21, 781. - Domkanoniker in Augsburg war auch der 1078 zum Bischof gewählte Wigolt (s. Nr. 346).

Bischof Embriko übertrug dem Domkapitel Grundbesitz (zehn Huben und Salland) in [Groß- und Klein-] Aitingen [Lkr. Augsburg] (Domnekrolog, 15./16. Jh.; MG Necr. 1, 66; MB 35 I, 78). Über früheren Besitz in diesen Orten s. Nr. 161; vgl. auch das Güterverzeichnis aus der Zeit Bischof Hermanns, Nr. 367 Verz. I Ziffer (79) und (81). Zum Besitz um 1300 s. Riedner, in: AHAug 1, 58 f; ferner BA 8, 7, 9, 13, 57. - Zur Besitzgeschichte des Domkapitels unter Bischof Embriko vgl. auch Nr. 307. - Die in Bayer. Staatsbibliothek München, Clm 3739 fol. 68’ überlieferten Notizen über Güter des Domkapitels, die Rückert, in: AHAug 5, 190 Anm. 17 auf die Regierungsjahre Bischof Embrikos datiert, gehören der Zeit Bischof Hermanns an (s. Nr. 367 Verz. II); dies ist auch der Fall bei der von Ruland, in: ABtmAug 1, 73 zu 1060-1070 gestellten Traditionsnotiz (s. Nr. 369).

Die in Bayer. Staatsbibliothek, Clm 2 überlieferten Annalen sind wahrscheinlich von 1064/65 an von Verfassern aus dem Domkapitel niedergeschrieben worden. Über die Handschrift vgl. Catalogus cod. lat. 21 I,1 f; MG SS 3, 123; Roth, in: Beiträge zur deutschen Sprach-, Geschichts- und Ortsforschung 3, 245 f; Arndt-Tangl, Schrifttafeln 31 (1896) 5, Tafel 21; Potthast 1, 52; Repertorium Fontium 2, 250; Ruf, Bibliothekskataloge 13; Schröder, in: AHAug 6, 692. Ausgabe: Annales Augustani MG SS 3, 123-136; Übersetzung von G. Grandaur, Geschichtsschreiber der deutschen Vorzeit (1893); kritische Untersuchung von Loewe, Ann. Aug. Auf die Herkunft der seit dem 16. Jahrhundert in der herzoglich bayerischen Bibliothek in München verwahrten Handschrift läßt die mehrfache Berücksichtigung augsburgischer Angelegenheiten schließen (s. Nr. 307). Der reichhaltige zweite Teil der Annalen setzt in den 1060er Jahren ein; der oder die Verfasser sind in dem kaisertreu eingestellten Domkapitel zu suchen (so schon W. Giesebrecht, Geschichte der deutschen Kaiserzeit 3 II, [31869] 1037 f; vgl. dazu besonders Loewe 115 ff; Überblick bei Wattenbach-Holtzmann 535 f, 159+). Für den mit etwa 1074 einsetzenden dritten Teil sind einzelne Verfasser nicht zu unterscheiden. Das in der Handschrift von etwa 1135 erhaltene Werk ist von einer einheitlichen Hand überarbeitet worden.

 

Nachtrag:

 

1) Dompropst Nortpert. H. Büttner, Churrätien im 12. Jahrhundert, in: Vorträge und Forschungen 15 (1972) 242 f betont die enge Bindung Nortperts an König Heinrich IV. Zur Familie, aus der Nortpert stammte, s. Störmer, Früher Adel 292. - Der Ortsname Frecholzhausen ist in Frechholzhausen zu berichtigen.

Zur Errichtung des Stiftes St. Georg in Augsburg s. Nr. 488.

Wohl in die Zeit Bischof Embrikos gehört die im Domnekrolog (16. Jh.; MG Necr. 1, 66) erwähnte Schenkung an das Domkapitel durch den Graf Dietpald [II., gest. 1078] von fünf Huben in Amervelt [Ammerfeld, Lkr. Donau-Ries] und Waltstat [Waldstetten, Lkr. Donau-Ries]. Über die Güter vgl. Nr. 367 Verz. I Ziffer 66 und 67. Die Lokalisierung auf Waldstetten [Lkr. Günzburg] kommt wohl nicht in Frage (BA 5, 462; HAB Günzburg 229). Über den Schenker vgl. Bühler, in: JbhV Dillingen 71, 40 mit Tafel I, II. - Zur Handschrift Clm 2 der Annales Augustani vgl. auch Schröder, in: AHAug 1, 258 f.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 305, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/d7e1c288-b428-40ae-9360-9ea3d69e0f60
(Abgerufen am 18.06.2018).

Bestandsinformationen