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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Folgt auf Bischof Udalrich

Überlieferung/Literatur

Bischofslisten MG SS 13, 280, 335; 14, 558; 15 II, 1308; Thietmari Merseburgensis episcopi chronicon III, cap. 8(6) (11. Jh.) MG SS rer. Germ. n. s. 9, 106 f; Trillmich 94.

Kommentar

Namensformen: Heinricus, Henricus. - Abstammung: Als Vater Heinrichs nennt die Vita Udalrici cap. 28 (MG SS 4, 415) einen Grafen Purchard. Ob dieser mit dem Markgrafen Purchard in der seit 955 wiedererstandenen Ostmark und dem Burggrafen von Regensburg identisch ist, bleibt unsicher (vgl. Riezler 21 I, 550; Reindel, Luitpoldinger 203 f Nr. 103. MB 28 I, 193 Nr. 193, 195; MG DD 2, 36 Nr. 27). Ganz unwahrscheinlich ist die Personengleichheit jedoch nicht (s. auch Uhlirz, Jb. Ottos II. 78). Nach Widukind III, 26 (MG SS Schulausg. 97) war Purchard ein „miles mediocris substantiae“. Herzog Heinrich I. von Baiern stiftete nach der gleichen Quelle die Ehe zwischen Purchard und einer Tochter Herzog Arnulfs von Baiern; dies kann in die Jahre zwischen 947 und 955 (Tod Heinrichs) gesetzt werden. Die Mitteilung der Vita Udalrici cap. 28 (MG SS 4, 418), daß Heinrich von nobiles parentes abstamme, hat im Hinblick auf die Standesverhältnisse mehr Wahrscheinlichkeit für sich als die Angabe Widukinds; es sei denn, man verzichtet auf eine strenge Auslegung der Wendung „miles mediocris substantiae“. Dies könnte sich nur auf einen Ministerialen beziehen; es erscheint zumindest zweifelhaft, daß aus einer unfreien Familie eines der bedeutenderen Reichsbistümer besetzt worden ist. Auch die großen Besitzungen, die Heinrich von seinem Vater ererbt hatte und über die er frei verfügte (s. Nr. 170), weisen auf Abstammung aus einem hochfreien Geschlecht (vgl. Simon, Stand und Herkunft 45 f).

Bischof Heinrichs Mutter ist nicht mit Namen bekannt. Nach der Vita Udalrici cap. 28 war die Gemahlin des Herzogs Purchard von Schwaben eine Tochter der Tante (matertera) des Bischofs Heinrich. Herzog Purchard II. von Schwaben hatte Hadwig zur Frau, die Tochter Herzog Heinrichs I. von Baiern und der Judith; letztere war eine Tochter Herzog Arnulfs von Baiern.

Die Vita Udalrici cap. 28 schildert Heinrich als sehr gebildeten und belesenen, redegewandten und sangeskundigen Mann. Daraus darf geschlossen werden, daß er die Ausbildung für den geistlichen Stand durchlaufen hat. Obgleich in derselben Quelle seine Gastfreundschaft gerühmt wird, war er gegen die Angehörigen seiner „familia“ ungewöhnlich streng und legte ihnen neue Abgaben auf. Über seine Tätigkeit vor der Erhebung auf den Bischofssitz von Augsburg fehlen Nachrichten; zu den Vorgängen, die zu seiner Wahl und Einsetzung führten vgl. Nr. 162.

Wie unter Bischof Udalrich wurden auch während der Regierungszeit Heinrichs in Augsburg Münzen unter dessen Namen geprägt; s. Steinhilber 36, 95 f Nr. 7, Abb. Tafel I Nr. 7, mit Literatur- und Abbildungsnachweisen; vgl. Baumann, Allgäu 1, 477. Aus der Zeit Bischof Heinrichs sind Prägungen der Augsburger Münzstätte unter dem Namen des Herzogs Otto von Schwaben erhalten (973-982); Steinhilber 107 Nr. 34, Abb. Tafel III Nr. 34. Wichtigste Quelle für die Geschichte Bischof Heinrichs ist Vita Udalrici cap. 28 (MG SS 4, 415 ff). - Im Überblick berichten über Heinrich Braun, Gesch. 1, 298-316; Zoepfl, Bisch. 77 ff. - Die Angaben Tyrollers, Wittelsbacher 27 Anm. 49 sind hinsichtlich Bischof Heinrichs unrichtig; die Mitteilung des gleichen Verfassers, daß der Besitz in Wischiburg (Lkr. Deggendorf), den Otto II. 976 dem Kloster Metten auf Intervention Bischof Heinrichs und des Markgrafen Luitpold übertrug, später an die Intervenienten gekommen sei, ist unbewiesen (s. Nr. 164). Eine Traditio an St. Afra in Augsburg bringt zur Datierung die Wendung „ .. . sub presule Heinrico, qui beato Oudalrico in episcopatum successit“ (MB 22,1 ff Nr. 1). - Heinrichs Name wird auch genannt in der Gründungsgeschichte des Stiftes Wettenhausen. Die Stiftstradition setzt die Gründung durch Gertrud von Roggenstein und deren Söhne Konrad und Wernher in das Jahr 982 „sub episcopo Heinrico I. huius nominis comite de Geisenhausen“ (Chronologiae Wettenhusanae pars I. HStA München, Kl. Wettenhausen Lit. 1 I fol. 1 und 2 fol. 1; 17. Jh.). Wettenhausen wurde jedoch erst unter Bischof Hermann in der ersten Hälfte des 12. Jh. von den Roggensteinern gegründet (s. dazu Schröder, BA 5, 487 ff; Zoepfl, Bischöfe 124 Anm. 2). Das Homiliarium, aus dem Raiser, 2. Jahresbericht hist. Verein Oberdonaukreis (1836) 78 Nr. 26 die Nachricht entnimmt, ist nicht im Original erhalten, sondern nur in der späteren Abschrift der Chronologia Wettenhusana.

 

Nachtrag:

 

Über die Familie, aus der Bischof Heinrich I. stammte, vgl. auch HAB Vilsbiburg 104, 272; Heinrichs Vater Burckhard wird mit dem Burggrafen von Regensburg und Ostmarkgrafen Burckhard gleichgesetzt. In diesem Sinn auch K. Lechner, Beiträge zur Genealogie der älteren österreichischen Markgrafen, in: MIÖG 71 (1963) 247f, Tyroller, Genealogische Tafeln 31, 33 Nr. 12 und K. Reindel, in: AZ 63 (1967) 226; s. auch P. Fried, Die Herkunft der Wittelsbacher, in: Wittelsbach und Bayern, hg. von H. Glaser, 1/1 (1980) 35. - Zu den Münzen aus der Zeit Bischof Heinrichs I. vgl. Hahn 101, 115, 150f. - Über die Gründung des Stiftes Wettenhausen vgl. Nr. 471. - Über Bischof Heinrich I. s. auch NDB 8, 336; E. Stahleder, Heinrich Graf von Geisenhausen und Bischof von Augsburg, in: Geisenhausen, hg. von J. Hager (1982) 14-26.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 160, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/c8f7dfaa-900d-46df-8b66-149f519da041
(Abgerufen am 18.02.2018).

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