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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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In Anwesenheit des Bischofs Wikterp von Augsburg (Augustanae civitatis episcopus) und zahlreicher Geistlicher und Laien der Umgebung soll Bonifatius die Kirche des von Lantfrid gestifteten Klosters Benediktbeuern geweiht haben.

Überlieferung/Literatur

Rotulus historicus Benedictoburanus (11. Jh.) MG SS 9, 213 f; MB 7, 4.

 

Nachtrag:

 

Zur Überlieferung der Gründungsgeschichte von Benediktbeuern vgl. auch Schmid, Wikterp 114 f Nr. 6; Sprandel, Untersuchungen 174 f; Hemmerle, Germania Benedictina 2, 61 f; ferner Prinz, Mönchtum 366 f, der die Datierung „nach 748“ ansetzt, wohl in Anlehnung an die erwähnte Teilnahme des 748 erstmals als Herzog erwähnten Tassilo III. Vgl. auch HB d. bayer. Geschichte 21, 213; HAB Füssen 38f.

Kommentar

Die Datierung zum Jahr 740 fand sich in einem nun verlorenen Codex aus Ettal, den Pez, Thesaurus anecdotorum 3, 597 herausgab und der dem Druck in MG SS 9, 212 ff zugrunde liegt. Vom noch erhaltenen Original des „Rotulus“ (HStA München, Kloster Benediktbeuern Lit. 8 = Vorlage von MB 7, 1 ff) ist der Anfang mit dieser Zeitangabe weggeschnitten (vgl. L. Steinberger, Benediktbeurer Studien, in: HJb. 38, 243). Zur Ausgabe in den MG SS 9 vgl. Meyer, ZRG 51 KA 20, 151 f.

F. L. Baumann erkennt in dem hier im Regest u.a. wiedergegebenen Teil des „Rotulus“ (Acta sunt hec in presentia ... feliciter in Domino amen, MG SS 9, 214; MB 7, 4) den Rest einer Charta des Klosterstifters Lantfrid (F. L. Baumann, Die Benediktbeurer Urkunden bis 1270, 5). - Unter den Anwesenden ist auch Herzog Tassilo von Baiern (748-788) genannt; es dürfte aber nicht gerechtfertigt sein, deswegen die Gründung Benediktbeuerns in die ersten Regierungsjahre des letzten Agilolfingers zu verlegen (Löwe, Reichsgründung 26). Tassilo wurde vom Benediktbeurer Rotulusschreiber des 11. Jh. wohl deshalb genannt, weil er als tatkräftiger Förderer geistlicher Stiftungen bekannt war (vgl. die Gründung von Kremsmünster, die Schenkung an Abt Atto von Scharnitz für die Gründung Innichen [Riezler 21 I, 205, 303; Löwe, Reichsgründung 55 f]). Der „Rotulus“ vermerkt auch eine Schenkung Tassilos für Benediktbeuern; vielleicht lag im 11. Jh. darüber noch eine Traditionsnotiz vor, von der her die Nennung des Herzogs im Gründungsbericht zu erklären wäre. Wikterps Anwesenheit dürfte jedoch darauf hinweisen, daß die Weihe der Klosterkirche vor der Errichtung des Bistums Neuburg stattfand (vgl. dazu jedoch Klebel, ZRG 59 KA 28, 178, 246). Benediktbeuern gehörte zur Diözese Neuburg, die nach 740 aus den östlich des Lechs liegenden Teilen des Augsburger Sprengels gebildet worden sein dürfte (vgl. auch Nr. 1, 2, 14, 16 und 17).

 

Die benediktbeurische Historiographie kennt die Unterscheidung der beiden Diözesen Augsburg und Neuburg sehr wohl und bezeichnet den an der Gründung des Klosters beteiligten Wikterp als Augsburger Diözesan. Der Mönch Gottscalch des 11. Jh., der Verfasser des „Rotulus“ (vgl. Ruf, StMOSB 47, 466, 476; Meyer, ZRG 51 KA 20, 151 f), hat wohl auch den Nachtrag in der benediktbeurischen Handschrift der „Vita Bonifatii auctore Willibaldo“ geschrieben, der mitteilt, daß Manno als Bischof von Neuburg eingesetzt worden sei (MG SS Schulausg. 39; Bauerreiß, StMOSB 60, 379). Dieser Nachtrag ist zwar nicht dazu angetan, die verworrene Neuburger Bistumsgeschichte zu klären, er zeigt aber deutlich, daß der Benediktbeurer Chronist des 11. Jh. Wikterp nicht von den Diözesanverhältnissen seiner Zeit zurückschließend als Augsburger Bischof bezeichnete, der in Wahrheit nach Neuburg gehört hätte. Dieser klösterlichen Überlieferung ist ein weit höherer historischer Quellenwert beizumessen als dem durch keinen älteren Beleg gestützten Lazius.

 

Rein hypothetisch ist es, in der Diözese Neuburg-Staffelsee ein spätantikes Bistum zu sehen (Bauerreiß, StMOSB 52, 166-170; 60, 400; KG Bayerns 1, 4). Die „Notitia Galliarum“, eine zuverlässige Liste der Bistümer aus dem 4. Jh., enthält erst in einer Handschrift des 9. Jh. den Nachtrag der „Civitas nova“ bei der „Metropolis Juvavo“ (MG AA 9, 594; über Augusta nova (?) in der „Cosmographia“ des Anonymus von Ravenna vgl. Nr. 2; zur Nennung von Augsburg in der „Notitia Galliarum“ s. Schnetz, AHAug 5, 660 ff). Zudem kann man wohl kaum aus der Reihenfolge der genannten baierischen Bistümer auf die Lokalisierung von „Civitas nova“ im Staffelsee schließen, es könnte damit auch Neuburg an der Donau gemeint sein. Da sich Wikterps Tätigkeit im südlichen Teil der Diözese Augsburg, in Füssen und Kempten (s. Nr. 4, 5 und 7), aus dem historischen Kern der Magnus-Legende herauslesen läßt, kann man ihn nicht für die Diözese Neuburg beanspruchen; denn selbst wenn ihr Sitz nur auf der Insel Wörth im Staffelsee gewesen sein sollte, so hat sie sich doch sicher nicht über das ganze (heute bayerische) Allgäu bis nach Kempten ausgedehnt.

 

Die Vita Bonifatii auctore Willibaldo cap. 7 (MG SS Schulausg. 37 f) und die Vita Willibaldi cap. 40 (MG SS 15 I, 104 f) berichten vom Aufenthalt des Bonifatius 739/40 in Baiern. Die Vita Willibaldi nennt als Orte, die er besuchte, (Nieder- und Ober-)Lindhart [Lkr. Mallersdorf], zum Jahr 740 auch Freising (vgl. Zeiß, BVfr 7, 64 f Nr. 45); in diese Zeit könnte auch der Aufenthalt in Benediktbeuern fallen. Die Weihe der Kirche durch Bonifatius selbst ist allerdings durch die verhältnismäßig junge Klostertradition nicht aufs beste verbürgt. Die Gründung Benediktbeuerns im Jahre 740 (so auch Bauerreiß, StMOSB 57, 1-11) dürfte auch ein Grund sein, die Errichtung der Diözese Neuburg in der Zeit der Unabhängigkeitsbestrebungen Herzog Oatilos 742/43 anzusetzen (vgl. Schieffer, Winfrid-Bonifatius 234; oben Nr. 1, 2). - Der erste namentlich bekannte Bischof von Neuburg war sicher Manno; aus dem Eintrag seines Namens im Verbrüderungsbuch von St. Peter in Salzburg ist zu schließen, daß er vor Virgil von Salzburg Bischof wurde (Herzberg-Fränkel, NA 12, 102 f; zu Virgil vgl. auch Wattenbach-Levison, Geschichtsquellen 143; H. Löwe, Ein literarischer Widersacher des Bonifatius. Virgil von Salzburg und die Kosmographie des Aethicus Ister [Ak. d. Wiss. u. d. Lit. Mainz, Abh. d. geistes- u. sozialwissenschaftl. Kl. 1951, Nr. 11] 930 f. Virgil wurde zwischen 746 und 748 Bischof, s. RE für prot. Theologie und Kirche 20 [31908] 695 f, LThK 10, 640 f). Der im Brief des Papstes Zacharias an Bonifatius von 744 (MG EE sel. 1, 107 f Nr. 58; GP 1, 383 und Zeiß, BVfr 8, 48 Nr. 54) genannte namenlose Bischof, den Bonifatius absetzte, könnte sehr wohl ein nur kurze Zeit amtierender Vorgänger Mannos gewesen sein. - Vgl. dazu auch Bigelmair, Lebensbilder 3, 3-8.

 

Nachtrag:

 

Zu dem als ersten Bischof von Neuburg in älteren Quellen erwähnten Manno vgl. auch Schmid, Wikterp 114 Nr. 5, 132, der als Vorgänger Mannos den von Bonifatius abgesetzten Wikterp erkennen zu können meint.

Renner, in: StMOSB 76, 124-130 setzt die allein von Bischof Wikterp durchgeführte Konsekration zu 742-750 und meint, daß Bonifatius um 740 in Benediktbeuern gewesen sei und als „Initiator“ der Gründung gelten könne.

Über die Gründer von Benediktbeuern, die wohl der Sippe der Huosi zuzuordnen sind, vgl. Störmer, Früher Adel 119 ff, 363; Ders., Adelsgruppen 94 ff; HAB Landsberg-Schongau 25.

Im Gegensatz zu der in der Erläuterung zum Regest getroffenen Feststellung, daß Wikterp nicht als Bischof von Neuburg-Staffelsee in Frage kommen könne, hält Schmid, Wikterp 117 f Nr. 12, 135 f dies für hinreichend begründet und erschließbar; vgl. dazu auch ZBLG 28, 688 f.

Zu dem Aufenthalt des Bonifatius in Baiern, der sich aus der Vita Willibaldi zu 740 ergibt, vgl. auch Bauch, Quellen 80 f.

Zum Brief Papst Zacharias’ an Bonifatius von 744 vgl. auch Rau 170 ff Nr. 58. - Zur Förderung baierischer Klöster durch Herzog Tassilo III. s. H. Fichtenau, Die Urkunden Herzog Tassilos III. und der „Stiftbrief“ von Kremsmünster, in: MIÖG 71 (1963) 1-32.

Klebel, in: ZWLG 17, 203 vermutet, daß das Ausgreifen der Augsburger Bistumsgrenzen über den Lech auch mit der Gründung des Klosters Benediktbeuern durch die Huosi, die „sich eher an die Franken als an die bayerischen Herzöge anlehnten“ Zusammenhängen könne. Ders., Bayern und der fränkische Adel im 8. und 9. Jahrhundert, in: Vorträge und Forschungen 1 (1955) 199 f weist auf Verbindungslinien zwischen Benediktbeuern und Franken hin. Die in ZRG 59 KA 28, 178 und 246 geäußerten Bedenken gegen die Anwesenheit Wikterps bei der Weihe von Benediktbeuern nimmt Klebel, in: AZ 53, 183 zurück.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 3, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bee9c9bf-7536-40f7-8f92-ebf6060146bb
(Abgerufen am 23.06.2018).

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