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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Folgt auf Bischof Siegfried.

Überlieferung/Literatur

Annales Augustani zu 1007 (11. Jh.) MG SS 3, 124; Bischofslisten MG SS 13, 280, 334; 14, 558; 15II, 1308.

Kommentar

Namensformen: Bruno, Bruono, Brvno, Brono, Brono, Brun, Prvn, Pruno, Pruno, Prouno.

Nach den Annales Augustani ist Bruno 1007 zum Bischof geweiht worden. Dies ist wohl möglich, da nach Siegfrieds Tod vermutlich einige Zeit verstrich, bis eine Wahl durchgeführt und die königliche Investitur eingeholt war, damit der Kandidat geweiht werden konnte; die Weihe nahm wohl der zuständige Erzbischof von Mainz, Willigis, vor.

Brunos Geburtsjahr: Erste Erwähnung Brunos bringt die Urkunde Ottos II. von 976 Juli 22 (MG DD 2, 155 f Nr. 138; s. unten). Damit ist der spätest mögliche Zeitpunkt gegeben. Da sein älterer Bruder Heinrich IV. 973 Mai 6 geboren wurde (s. Holtzmann, Ausgabe Thietmars von Merseburg, MG SS rer. Germ. n. s. 9, 348 bes. Anm. 3), ist der frühest mögliche Zeitpunkt seiner Geburt die erste Hälfte des Jahres 974 (vgl. auch Reindel, Luitpoldinger 252 f Nr. 131).

Brunos Familie: Aus dem Geschlecht der sächsischen Kaiser. Brunos Großvater Heinrich wurde als erster aus einem sächsischen Haus von seinem Bruder, Otto I., zum Amtsherzog von Baiern gemacht. (Vgl. v. Isenburg, Stammtafeln 21, Tafel 3).

Vater: Herzog Heinrich II. (der Zänker) von Baiern, ca. 951-995 (Otlohni vita Wolfkangi episcopi cap. 30 [11. Jh.] MG SS 4, 538; Chuonradi chronicon Schirense cap. 16 [13. Jh.] MG SS 17, 620 verwechselt Heinrich I. von Baiern mit dem Sohn Heinrich d. Z. Es macht Herzog Heinrich IV., Bruno und Gisela zu Kindern des ersteren; s. dazu Reindel, Luitpoldinger 74 f; Hirsch, Jb. Heinrichs II. 1, 422 f). Über Heinrich II. vgl. Reindel, Luitpoldinger; Riezler 21 I, 553 ff; Holtzmann, Sächs. Kaiserzeit 254—263.

Mutter: Gisela von Burgund, gest. 1006; vgl. Hirsch, Jb. Heinrichs II. 1, 87 f; Riezler, Gesch. Baierns 21 I, 555; Uhlirz, Jb. Ottos III. 32; MG SS rer. Germ. n. s. 9, 139 Anm. 10; Holtzmann, Sächs. Kaiserzeit 263; R. Pou- pardin, Le royaume de Bourgogne 888-1038 (Paris 1907) 384 f. Wipo cap. 24 (Schulausg. 43) bezeichnet Bruno als Sohn einer Tante der Kaiserin Gisela, der Gemahlin Konrads II. Gisela von Burgund war eine Tochter König Konrads von Burgund aus dessen erster Ehe mit Adelania; damit war sie eine Stiefschwester König Rudolfs III. von Burgund und Gerbergas. Letztere war vermählt mit Herzog Hermann II. von Schwaben, deren Tochter Gisela in zweiter Ehe mit König Konrad II. verheiratet war (s. von Isenburg, Stammtafeln 22, 23; Poupardin 150, 387 ff; M. Uhlirz, Waren Kaiser Konrad II. und dessen Sohn Heinrich III. Nachkommen Theophanus? in: ZGOR 105 NF 66 [1957] 328-333).

Geschwister: 1) Heinrich IV. (geb. 973) 995-1004 Herzog von Baiern; vgl. RI 2, 591 Nr. 1144c, 1145c; als deutscher König Heinrich II. (1002-1024). Bruno wird als Heinrichs Bruder genannt bei Wipo cap. 1, 24 (MG SS Schulausg. 10, 43) „Augustam Vindelicam regebat episcopus Bruno, frater Heinrici imperatoris, utilis et clarus ingenio, si fraterno odio, quo imperatori oberat, non obscuraretur“; „nobilis enim valde fuit ipse episcopus Bruno. Nam dum esset frater Heinrici imperatoris . . .“; Otlohni vita Wolfkangi episcopi cap. 30 (11. Jh.) MG SS 4, 538; Frutolfi chronicon universale (um 1100) MG SS 6, 192; Adalberti vita Heinrici cap. 20 (12. Jh.) MG SS 4, 805; vgl. ferner Nr. 220-222, 226, 230, 232, 237, 238. - Über Heinrichs Stellung als Herzog von Baiern s. Riezler 21, II, 3-37; neuere Lit. bei Gebhardt-Grundmann 81, 210-222; LThK 25, 179.

2) Gisela (gest. 1038); vermählt 997 mit König Stephan I. von Ungarn (RI 2, 668 Nr. 1246 f). Als Schwester Brunos genannt bei Wipo cap. 24 (Schulausg. 43), Otlohni Vita s. Wolfkangi cap. 30 (MG SS 4, 538). Isenburg, Stammtafeln 22, Tafel 104; Riezler 21, II, 11; LThK 24, 901 f; 9, 808 f (über Stephan I. von Ungarn).

3) Brigida, Nonne, später Äbtissin von St. Paul in Regensburg. Otlohni Vita s. Wolfkangi cap. 30 (MG SS 4, 538); über ihre Stellung in St. Paul s. ebd. cap. 17 (MG SS 4, 534); Hirsch, Jb. Heinrichs II. 1, 123. Sie wird 1004 auch als Äbtissin des elsässischen Klosters Andlau genannt (MG DD 3, 99 f Nr. 79). S. dazu Hirsch, Jb. Heinrichs II. 1, 315 Anm. 3, der bezweifelt, ob die Bezeichnung „soror nostra“ in dem Diplom Heinrichs II. auf eine leibliche Verwandtschaft gedeutet werden kann (vgl. auch Riezler 21 II, 11).

4) Gerberga, Äbtissin von Frauenchiemsee; als Schwester Heinrichs II. genannt in einem zum Teil verunech- teten Diplom Heinrichs IV. von 1077 (MG DD 6, 395 ffNr. 302; vgl. Hirsch, Jb. Heinrichs II. 1, 124; Riezler 21 II, 11).

5) Arnold, Erzbischof von Ravenna (1013-1019); als Halbbruder Heinrichs II. verschiedentlich erwähnt; Hirsch-Pabst, Jb. Heinrichs II. 2,417; Thietmar von Merseburg, Chronik, MG SS rer. Germ. n. s. 9, 398 f. Eine vom Anonymus Haserensis überlieferte Geschichte über die Verwandtschaft Brunos mit Bischof Megin- gaud von Eichstätt trägt legendäre Züge: Ein königlicher Abgesandter habe von Bischof Megingaud (991 bis 1015?) eine Weindienstleistung verlangt; darauf erklärte der Bischof, er habe keinen Wein, außer einem kleinen Fuder (carrada), das ihm „sodes meus diabolus Augustensis episcopus“ gesandt habe. Der Anonymus ergänzt dazu, damit sei Bischof Bruno gemeint (11. Jh. MG SS 7, 260; vgl. Heidingsfelder 51 Nr. 142). Megingaud nennt sich propinquus Heinrichs II.

 

Nachtrag:

 

Zur Bischofserhebung Brunos vgl. Fleckenstein, Hofkapelle 2,211. - Zur Familie s. HB der bayer. Geschichte 21, 292-308; RI 2, 855 Nr. 1483 a; NDB 8, 341 (Herzog Heinrich II., Vater Bischof Brunos); ebd. 340 f (Herzog Heinrich I., Großvater Bischof Brunos); ebd. 310-313 (Herzog Heinrich IV., Bruder Bischof Brunos); H. Naumann, Brunoldes Stul, in: Mitteilungen des historischen Vereins der Pfalz 63 (1965) 81 ff (mit Stammtafel); RI 2, 905 Nr. 1574 (Äbtissin Brigida, Schwester Bischof Brunos).

Über die Beziehungen Bischof Brunos zu Bischof Megingaud von Eichstätt vgl. Störmer, Früher Adel 319. - (Zu 217 a): Zu der Nennung von Bruno „nepos noster“, die vielleicht auf den späteren Bischof Bruno bezogen werden könnte, s. RI 2, 855 Nr. 1483 a. Zu den Beziehungen Bischof Abrahams von Freising zu Herzog Heinrich IV. s. RI 2, 933 f Nr. 1639. - (Zu 217 b): Zu den liudolfingischen Besitzungen in Beutelhausen (nicht Beutelshausen) vgl. Klaar, Eppensteiner 20 Nr. 14; HAB Vilsbiburg 76 f, 322, 359. - (Zu 217 d): Über den Markgrafen Heinrich von Schweinfurt vgl. Tyroller, Genealogische Tafeln 34 Nr. 21; über den Aufstand im Nordgau s. HB der bayer. Geschichte3, 56f; RI 2, 890 Nr. 1547a-f.-(Zu 217e): Vgl. RI 2, 899 Nr. 1559 c. - (Zu 217f): Zur Tätigkeit Brunos als Kanzler Heinrichs II. vgl. RI 2, 915-923 Nr. 1596-1603, 1605-1612; Fleckeustein, Hofkapelle 2,167. - Zu Bonizo von Sutri s. Wattenbach-Holtzmann 877 f. - Zu den Münzen der Münzstätte Augsburg aus der Zeit Bischof Brunos s. Hahn 102 f, 120, 123,150 f. Über Augsburg zur Zeit Bischof Brunos s. Augsburg (1984) 121.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 217, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/bd5c847d-cd64-4c94-bf86-19570d4d4f3e
(Abgerufen am 22.02.2019).

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