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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Embriko von Augsburg (episcopus Augustensis) weiht auf Bitte des Dompropstes Nortpert von Augsburg die Udalrich-Kirche in Hegibach [Habach, Lkr. Weilheim-Schongau] zum dritten Mal und umschreibt den Bezirk, in dessen Grenzen der Kirche die Zehnten von bebauten und unbebauten Grundstücken zustehen. Grenzbeschreibung: Hegibach - Obermühle, die zu Antdorf gehört (superior molina attinet Zanchdorf), über den Berg Striche [Flur „auf der Streichen“] zum Louppach [Lothdorfer Bach] bis zur Mündung des kleinen Louppach, diesen aufwärts in das Tiufental zum Pettinbach, über den Tribuhele [Berg mit drei Gipfeln in der Waldabteilung „Taferl“] zum Wilwech [Weg, der nach Groß- oder Kleinweil führt], wo die Grenze zwischen Hegibach und Slehdorf [Schlehdorf] ist, zur Dietrichesowa, westlich nach Loupdorf [Lothdorf], nördlich nach Racinesvuinchele, zur Quelle St. Udalrich, nach Ratinriet [Attenried, abgeg.; s. Braun, Beschreibung 1, 343] zum Bächlein [Achgraben], das in Richtung auf den Rechperch [Rehberg] fließt, zum Louppach, wo der Bubenperch [Baumberg] beginnt, aufwärts zum Tal Irmboldesriet, zum Ocinesriet, zum Ursprung des Baches, der Vualdecca [Waldabteilung „Hochwald“] und Pennenriet trennt, zum Ursprung des größeren Habach (maior Hegibach), nach Reginhartesriet, aufwärts zum Steinperch [Flur „Steinberg“] zum kleineren Habach (minor Hegibach), weiter zum größeren Habach und ostwärts zum Beginn der Grenze ; ferner vom Ort Re[in]e (villa) [Frauenrain] zur Langenovua [Flur „auf der Langen“], die im Steinpach beginnt, hinauf nach Duringesmos (?) [Dürnhausen?] nach Heidenovua, zum [Mu]lgraben, schließlich zum Steinpach, - Zeugen, Kanoniker: Dompropst Nortpert, Domdekan Erchanrich, Adalpert, Heinrich (Nachtrag über der Zeile: Patriarcha), Reginhard, Macelinus, Odalrich ; Abt Ratmunt [von Benediktbeuern, Lkr. Bad Tölz], Propst Arnolt von Pollingen [Polling, Lkr. Weilheim-Schongau], Dekan Liutericus, Heinrich, Hilteprant, Ezzo, Herimunt, Suompreht, Petto, Ebermunt ; Laien: Graf (praeses) Sigemar, Vogt Adalgoz von Augsburg (Augustensis), Präfekt Gerbold von Augsburg (Augustensis), Friedrich, Graf (comes) Sigimar, Adalpero, Richere, Gunpreht, Gebino, Friderich, Odalscalch, Aribo, Piligrim, Ato, Adalpero, Dietrich, Friderich, Reginvuart, Gotepolt, Ebo, Anshalm, Suitger, Gozvuin, Adalhart, Hartvuich und andere Kleriker und Laien. - 1073, ind. 10., 3. idus octobris.

Überlieferung/Literatur

HStA München, Kloster Habach Urk. Nr. 1 (Abschrift Perg., stark beschädigt, 12. Jh.). - Faksimile: Gewin, Blüte und Niedergang, nach S. 120. - Drucke: E. v. Oefele, Zur Geschichte des Hausengaues, in: OA 32 (1872/73) 8 f ; MG SS 15, 1026. - Regest: RB 1, 98; vgl. Lehmann-Brockhaus 104 Nr. 491.

Kommentar

Bei dieser durch die umfangreiche Grenzbeschreibung und die große Zahl der Zeugen auffallenden Weihenotiz handelt es sich offensichtlich um die Weihe einer Pfarrkirche, wie aus der Zuweisung der Zehntrechte in dem umschriebenen Sprengel hervorgeht. Das durch eine Benediktbeurer Handschrift des späten 12. Jahrhunderts (Clm 4563 fol. 1) überlieferte Verzeichnis der (Pfarr-)Kirchen im Dekanat Pähl (Lkr. Weilheim-Schongau) nennt die Kirche in Habach ebenso wie die Nachbarpfarreien Riegsee, Aidling, Antdorf, Sindelsdorf, Großweil, Obersöchering (Schröder, in: AHAug 1, 335 ff ; vgl. dazu auch Braun, Beschreibung 1, 334 f, 347, 351, 353).

Die Lokalisierung der Orts-, Flur- und Bachbezeichnungen ist bisher noch nicht vollkommen gelungen (vgl. dazu die Anm. bei Oefele, a.a.O. 8 f) ; wie ein Vergleich mit den modernen Grenzen der Pfarrei Habach und der umliegenden Seelsorgesprengel ergibt, handelt es sich um eine bis in die Neuzeit nicht wesentlich veränderte Beschreibung der Pfarrgrenzen, die in zwei Abschnitte südlich und nördlich von Habach zerfällt. Zur Identifizierung der Namen innerhalb der Gemarkungen Habach, Obersöchering, Antdorf, Frauenrain, Großweil, Sindelsdorf, Riegsee und Aidling wurden das Habacher Grundbuch von 1629 (HStA München, Kloster Habach Lit. Nr. 36) und Unterlagen des Verbandes für Flurnamenforschung, München, herangezogen. Uber den „Ulrichsbrunnen“ (ad fontem s. Udalrici) vgl. A. Layer, Ulrichsbrunnen, in: ZhVSchwaben 67 (1973) 106. - Die auf Betreiben des Dompropstes Nortpert durchgeführte Weihe gehört in den Zusammenhang der Errichtung eines Kanonikerstiftes in Habach, die 1085 vollendet wurde (s. Nr. 352). Über Nortpert s. Nr. 305 Ziffer 1. Zu seiner Familie gehörten auch die unter den Laienzeugen genannten Gebino und Friedrich (vgl. Tyroller, Gen. Tafeln 400). Der unter den Kanonikern genannte Heinrich wurde 1077 Patriarch von Aquileja (s. Nr. 305, 342). Praeses und comes Sigemar dürften zu der Familie gehören, die die Vogtei über Benediktbeuern innehatte (Tyroller, a.a.0. 210 f; vgl. Nr. 301). Über Vogt Adelgoz [von Schwabegg] s. BA 9, 134, 140; über den Präfekt Gerbold und die Funktion des Burggrafen s. Wolf, in: AHAug 4, 141 und Zeller, in: AHAug 5, 324 ff, 377 f. - An die Weihenotiz schließen sich Traditionsnotizen über Güter der Udalrich-Kirche in Habach an in den Orten (Ober- oder Unter-)Eglfing [Lkr. Weilheim-Schongau] oder (Ober- oder Unter-)Eberfing [ebd.] sowie in Huglfing [ebd.] an. Zur Besitzausstattung Habachs durch Bischof Nortpert s. HStA, Kloster Habach Urk. Nr. 2 von 1083 (RB 1, 102; Tiroler UB 1, 53 Nr. 104; Bündner UB 1, 163 Nr. 205) und unten Nr. 468; vgl. auch W. Mauthe, Das weltliche Chorherrenstift Habach, in: Lech-Isar-Land 1968, 54 ff.

 

Nachtrag:

 

Zu den Zeugen vgl. Nachtrag zu Nr. 352.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 321, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/b4447c37-cfd2-4ef1-941d-bd0516deb12f
(Abgerufen am 21.06.2018).

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