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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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König Heinrich IV. schenkt der Domkirche in Augsburg (sanctae dei genitrici virgini Marie Avgvstensis episcopii dominae) das von Bischof Siegfried II. (dilectus noster Sigefridus Augustensis episcopus) erbetene Gut (praedium) Moringen [Mering, Lkr. Aichach-Friedberg] in der Grafschaft des Arnold im Augstgau (situm in pago Owesgowe in comitatu Arnoldi), nachdem es durch Urteil dem ehemaligen Herzog Welf [IV.] abgesprochen worden war, mit allem Zubehör (dabei u. a. genannt Leibeigene beiderlei Geschlechts, Gebäude, Kirchen, Jagdrechte, Mühlen), soweit dies nicht vorher andere Getreue urkundlich (cyrographis) vom König erhalten hatten. - Anno dominicae incarnationis 1077, indictione 1., 13. kal. april., data anno autem ordinationis domni Heinrici IV. regis 26., regni 24., actum Ratispone.

Überlieferung/Literatur

HStA München, Kaiserselekt Nr. 426 (Or. Perg. mit beschädigtem durchgedrücktem Rundsiegel); ebd., Hochstift Augsburg, Münchener Bestand Lit. Nr. 462 VII, fol. 206 f (Abschrift 15. Jh.). - Drucke: MG DD 6, 402 Nr. 306; MB 29 I, 202 Nr. 426; Chr. L. Scheid, Origines Guelficae 3 (1752) praef. 8 Nr. n. - Regesten: Vock, Regesten Hochstift Augsburg 6 Nr. 14; Oefele, Andechs 110 Nr. 17; BA 2, 487 Anm. 3; Stumpf, Reichskanzler 2, 234 Nr. 2812; Böhmer, Regesten 95 Nr. 1883; RB 1, 101.

Kommentar

Das Inkarnationsjahr der Datierung gibt 1077 an, die Herrscherjahre beziehen sich auf 1080; für die richtige Einreihung muß die auf 1078 lautende Indiktion herangezogen werden. Die Nennung Siegfrieds II. als Bischof von Augsburg zeigt, daß das Inkarnationsjahr nicht richtig sein kann; denn in diesem Jahr war Embriko noch Bischof. - Die Verurteilung Welfs IV., seine Entsetzung von der baierischen Herzogswürde und die Entziehung der Lehen fanden auf dem Hoftag in Ulm statt (Nr. 337); s. dazu auch Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 3, 36 f, ferner HB d. bayer. Geschichte 1, 248; 3, 847. Zur Übertragung der vormals welfischen Güter um Mering an Augsburg s. Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 3, 119 f; Riezler 1 II, 153; vgl. auch oben Nr. 302. Dieser Besitz war wohl erst im frühen 11. Jahrhundert durch Heirat an die Welfen gekommen (HB d. bayer. Geschichte 1, 321 f [mit weiterer Literatur über die Herkunft der Familie]; 3, 814); er gehört nicht zum ältesten Welfengut (wie noch Histor. Atlas v. Schwaben 24, Karte 18/19 nach der älteren Literatur annahm). 1096 kam Mering wieder an Welf IV. zurück, als sich dieser mit Heinrich IV. aussöhnte (Riezler 1 II, 174; HB d. bayer. Geschichte 1, 251), wie spätere Verfügungen der Familie zeigen (Hipper, Regesten St. Ulrich und Afra 6 f Nr. 9). Zur weiteren Entwicklung s. BA 2, 487 ff; HAB Friedberg-Mering 2 f u. Landsberg-Schongau 24, 27. Vielleicht geht der bischöflich augsburgische Besitzkomplex Mergenthau auf damals vom Bischof zurückbehaltene Welfengüter zurück (vgl. dazu Klebel, Grenzen 229; ebd. 190 f über die Ausdehnung des Augstgaus bis Mering). Zu Mergenthau vgl. Urbar von 1316 (MB 34 II, 373 ff) und BA 2, 475. - Der als Inhaber der Grafschaftsrechte genannte Arnold gehört zu der Familie der Grafen von Dießen (Öfele, Andechs 13 f, 89; Tyroller, Genealogische Tafeln 152 Nr. 18).

 

Nachtrag:

 

Regest und Abbildung: Aus 1200 Jahren (Ausstellungskataloge der staatlichen Archive Bayerns 11, 1979) 50 f Nr. 24. Vgl. MG DD 6, 735 (Nachtrag zu D. 306). - Zur Kirche in Mering vgl. Pötzl, in: JbAugBtmG 10, 93 Nr. 112. Über die Beziehungen Bischof Siegfrieds zu Heinrich IV. s. Vogel, Gregor VII. und Heinrich IV. 124. - Über den Welfenbesitz im Gebiet westlich des Lechs vgl. HAB Mindelheim 71 f sowie Jahn 366 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 345, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/aedb43c5-8e59-4b99-ac4a-c838081343b6
(Abgerufen am 20.06.2018).

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