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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Die Feinde König Heinrichs IV. [unter Führung Welfs IV.] nehmen durch List Augsburg (Augusta) ein, besetzen das Gebäude der Domkanoniker (claustrum canonicorum), hausen in den Refektorien und den anderen Räumlichkeiten (in refectoriis ceterisque officinis), verzehren das zum Unterhalt der Kanoniker Bestimmte; im bischöflichen Hof (in curte episcopali) werden die Kirchen St. Michael, St. Peter und St. Laurentius mit dem Palatium und anderen Gebäuden niedergebrannt.

Bischof Wigolt erscheint, verteilt Wertgegenstände des Domes (ornamenta ecclesiastica, calices, turibula, anulos), entfernt eine Tafel vom Marienaltar (altaris sancte Marie tabulam) und verschleudert den Schatz (thesaurum), den Bischof Embriko den Brüdern hinterlassen hat. Die Wohngebäude (habitacula fratrum) der Domkanoniker, die entflohen sind, überläßt er wie andere kirchliche Besitzungen seinen Helfern. Bischof Siegfried war entflohen. - König Heinrich IV. erscheint im Juli am Lech; nachdem er vierzehn Tage den feindlichen Scharen gegenübergelegen war, ziehen diese ab, der König besetzt die Stadt, und mit ihm nimmt Bischof Siegfried wieder den Bischofssitz ein.

Überlieferung/Literatur

Annales Augustani (11. Jh.) MG SS 3, 130 f; Bernoldi chrotiicon (11. Jh.) MG SS 5, 439; Frutolfi chronica zu 1083 (11. Jh.) Frhr.-vom-Stein-Gedächtnisausgabe 15, 96ff; Casus monasterii Petrishusensis, lib. 2 cap. 42 (12. Jh.). Schwäbische Chroniken der Stauferzeit 3, 118 f; MG SS 12, 647. - Lehmann-Brockhaus 21 Nr. 77.

Kommentar

Aus der Schilderung der Ereignisse des Jahres 1084 bei Bernold ist zu schließen, daß die Einnahme Augsburgs anfangs Februar stattfand. Die Quellen, die König Heinrichs Zug von Italien nach Regensburg und weiter an den Lech bei Augsburg erwähnen, s. bei Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 3, 575 f Anm. 62; davon sind hier nur die erwähnt, die näher auf die Ereignisse in Augsburg eingehen. Nach den Annales Augustani zogen die Gegner Heinrichs IV. in der Nacht vom 6. zum 7. August ab (in nocte, quae beatae martyris Afrae festum praecedit; vgl. dazu Loewe, Ann. Aug. 76). Bernold gibt für den Zug Heinrichs gegen Schwaben die Zeit „circa kal. augusti“ an. Von der Rückkehr Siegfrieds mit dem König berichten die Casus monasterii Petrishusensis. Frutolf teilt mit, daß Bischof Siegfried vor Welf, in dessen Schutz Wigolt inthronisiert wurde, geflohen sei, gibt aber die unrichtige Jahreszahl 1083 an; vgl. zu dieser Quelle die Einleitung der genannten Ausgabe; ferner Wattenbach- Holtzmann 494 f, 152+-155+. - Durch diese Ereignisse wurde die gemeinsame Lebensführung des Domkapitels schwer beeinträchtigt; es bestanden aber damals schon neben dem claustrum canonicorum eigene Wohngebäude (habitacula) der Domherren (vgl. dazu Schröder, in: ZhVSchwaben 24,101; Leuze 2; Rückert, in: AHAug 5,196). - Da die Augsburger Annalen ausdrücklich von Brandschäden in der Bischofspfalz berichten, ist anzunehmen, daß damals größere Verluste bei den handschriftlichen Beständen eingetreten sind (Schröder, in: AHAug 6, 688 f). - Über das Lager Heinrichs IV. am Lech vgl. auch Eberl, Lechfeldschlacht 110.

 

Nachtrag:

 

Zur Topographie des Dombereiches und der Kanonikerhöfe s. auch Herzog, Ottonische Stadt 191 f; HAB Augsburg 120 f. Zu den Patrozinien der niedergebrannten Kirchen St. Michael, St. Peter und St. Laurentius vgl. Schmid, Wikterp 108, der mit Recht vermutet, daß diese Kapellen zur Zeit Bischof Udalrichs, vielleicht nach der Ungarnschlacht am Laurentius-Tag 955 (s. Nr. 124), entstanden sind; vgl. auch Pötzl, in: JbAugBtmG 9, 42. Zum Laurentius-Patrozinium vgl. Schröder, in: AHAug 6, 287 ff. - Zur Rückkehr Bischof Siegfrieds nach Augsburg vgl. Vogel, in: Frühmittelalterliche Studien 16, 162.

 

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 350, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ad83a970-9913-4de5-b7c3-52eb114f8a20
(Abgerufen am 21.02.2018).

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