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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Sintpert vereinigt mit Zustimmung Papst Leos [III.] und Kaiser Karls d. Gr. die beiden durch den Lech getrennten Diözesen [Augsburg und Neuburg-Staffelsee] unter seinem Episkopat.

Überlieferung/Literatur

Translatio s. Magni, MG SS 4, 425. - GP 2 I, 29 Nr. 2, vgl. auch GP 3, 383 f.

Kommentar

Zur Vita und Translatio sancti Magni vgl. Nr. 34, zu den Beziehungen der Diözese Neuburg-Staffelsee zu Augsburg vgl. Nr. 1, 2, 3, 14, 15, 16; Klebel, ZRG 59 KA 28, bes. 245 f. Die Ansicht, die Diözese Neuburg-Staffelsee sei erst nach 821 zum Bistum Augsburg gekommen, ist abzulehnen (Friedrich, SBM 1882 I, 347). Friedrich meint, daß ein Mann wie Erzbischof Arn von Salzburg nicht mit Zustimmung des Papstes und des Kaisers einen nicht unbedeutenden Teil seiner Kirchenprovinz hätte abgeben müssen, darum könne die Vereinigung nur nach Arns Tod (821) geschehen sein. Dem kann dadurch begegnet werden, daß im frühen 9. Jh. die Grenzen der einzelnen Sprengel noch keineswegs so fest gefügt waren, um eine solche Änderung auszuschließen; wohl gehörte Augsburg um 800 nicht zum Salzburger Bereich, wie die beiden Papstbriefe zeigen (Nr. 14, 16), doch ist auch die Zugehörigkeit zur Mainzer Provinz erst zum Jahr 829 einwandfrei beglaubigt (s. Nr. 30).

Der Terminus post quem für die Vereinigung zum Jahr 801 ist allgemein anerkannt, da Karl d. Gr. ausdrücklich als Kaiser bezeugt ist (RI 21 Nr. 370c). Hauck (KG Deutschlands 82, 466) und danach Brackmann (GP 2 I, 29 Nr. 2) setzen die obere Grenze mit 812 zu spät an, da sie den Nachfolger Sintperts in Augsburg, Bischof Hanto, nur aus dem Chronicon Laurissense breve zu diesem Jahr kennen (Nr. 24); doch dürfte der Tod Sintperts zum Jahr 807 feststehen (vgl. Nr. 20). Bauerreiß setzt mit 800-816 den Zeitraum zu groß an, weil Karl d. Gr. schon 814 starb, zu dessen Lebzeiten die Vereinigung stattfand, und auch das Inventar der Staffelseekirche von ca. 810 einen Bischof dort nicht erwähnt (StMOSB 60, 391 f).

 

Nachtrag:

 

Schmid, Wikterp 133 f und 137 leitet aus dieser Stelle der Magnus-Überlieferung die Feststellung ab, daß Karl der Große um 800 Sintpert beauftragt habe, Augsburg wieder zum Zentrum der Diözese zu machen; dabei sei der Aufenthalt des Bischofs in der Staffelsee-Kirche aufgelassen worden. Schwarzmaier, Königtum 10, 31, 39 folgt hier Schmid, daß Augsburg vor der Wirksamkeit Sintperts keine Bedeutung als Zentrum der Diözese gehabt habe.

Zur Problematik des Bistums Neuburg vgl. auch Bayerischer Geschichtsatlas, bearb. von G. Diepolder (hg. von M. Spindler) 1969, 90; ferner J. Heider, Bischof Simpert und das Problem Neuburg, in: St. Simpert, Bischof von Augsburg 778-807 (hg. von P. Rummel) 1978, 168-180; P. Fried, Bischof Simpert und das Bistum Neuburg-Staffelsee, in: Ebd. 181-185; J. Heider, Von der Keltenburg zum deutschen Königshof, in: Neuburger Kollektaneenblatt 118/119 (1965/66) 17-33; diese Arbeiten sind der Ansicht, daß der kurz vor der Mitte des 8. Jahrhunderts in herzoglich baierischem Interesse eingerichtete Bistumssprengel rechts des Lechs mit dem Sitz in Neuburg an der Donau (und auf der Staffelseeinsel) unter Einfluß Karls des Großen unter Bischof Sintpert (wieder?) mit der Diözese Augsburg vereinigt worden sei. Vgl. auch P. Fried, Zur Entstehung und frühen Geschichte der alamannisch-baierischen Stammesgrenze am Lech, in: Augsburger Beiträge zur Landesgeschichte Bayerisch-Schwabens 1 (1979) 57-61 (referiert über die Problematik der Ostgrenze der Diözese Augsburg, die lange Zeit gegen Osten offen gewesen zu sein scheint); vgl. dazu auch HAB Landsberg-Schongau 24. Zum Ausgreifen der Diözese Augsburg auf baierischen Boden nordöstlich von Augsburg vgl. auch Klebel, in: ZWLG 17, 197-203. Zur Entwicklung der Forschung und zu ihrem jetzigen Stand vgl. auch P. Fried, Bischof Simpert und das Bistum Neuburg-Staffelsee, in: St. Simpert, Bischof von Augsburg 778-807 (hg. von P. Rummel) 1978, 181-185. Über die Beziehungen Sintperts zu König Karl s. auch HAB Augsburg Land 12 f.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 17, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ace28a4d-9f1f-4e98-8a93-c7c87382a77d
(Abgerufen am 23.02.2018).

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