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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Siegfried (Augustensis episcopus) nimmt teil an der unter Vorsitz Kaiser Ottos III. und Papst Silvesters II. tagenden Synode zusammen mit Erzbischof Friedrich von Ravenna, dem Oblationar Rotbertus, dreißig Bischöfen und Äbten aus dem römischen Gebiet, aus Tuszien und der Lombardei, Bischof Notker von Lüttich und Bischof Hugo von Zeitz. Da die geladenen deutschen Bischöfe unter Führung Erzbischof Heriberts von Köln bis zum 6. Januar nicht erscheinen, wird in dem Streit zwischen Erzbischof Willigis von Mainz und Bischof Bernward von Hildesheim um die Diözesanzugehörigkeit des Klosters Gandersheim keine Entscheidung getroffen. Bischof Brun von Querfurt wird zum Erzbischof ernannt und für die Heidenmission bestimmt. - In festivitate sancti Johannis evangelistae; in epiphania domini.

Überlieferung/Literatur

Thangmari vita Bernwardi episcopi Hildesheimensis cap. 30, 34, 36 (11. Jh.) MG SS 4, 772, 774; Wolfherii vita Godehardi episcopi Hildesheimensis prior cap. 23 (11. Jh.) MG SS 11, 184. - Boye, NA 48, 70 (Ortsangabe irrtümlich Lodi);

Böhmer-Will 1, 134 Nr. 137; Ladewig-Müller 1, 53 Nr. 408; Oediger 1, 176 Nr. 591; JL S. 499; RI 2, 820 Nr. 1435c.

Kommentar

Nach Thangmar cap. 30 wurden alle deutschen Bischöfe zu dieser Synode geladen (universos Theodiscos episcopos); die meisten zogen unter Führung Heriberts von Köln über die Alpen. Der Zug kam nach dem 11. Januar am kaiserlichen Hof an, als sich Otto III. bereits im Lager von Paterno befand (vgl. Nr. 211; Oediger 1, 176 Nr. 591a). Siegfried hatte sich schon einige Zeit vorher beim Kaiser aufgehalten. Das Weihnachtsfest beging der Kaiser in Todi. Zum Gandersheimer Streit vgl. bes. H. Goetting, Die Anfänge des Reichsstifts Gandersheim, in: Braunschweigisches Jb. 31 (1950) 51 f; Perst 25 ff; Uhlirz, Jb. Ottos III. 346-351; ferner die Nrn. 209, 219, 243, 248, 254, 255.

Der Streit wegen Gandersheim hatte 989 begonnen, als die Liudolfingerin Sophia dort als Kanonisse aufgenommen wurde und sich weigerte, den Schleier aus den Händen Bischof Osdags von Hildesheim entgegenzunehmen. Sie bestand darauf, daß Erzbischof Willigis von Mainz die Handlung vornehme (s. RI 2, 501 Nr. 1017e). Im September 1000 setzte der Streit zwischen Willigis und Bischof Bernward von Hildesheim mit voller Heftigkeit ein (ebd. Nr. 1390 d). - Der Oblationar Rotbertus gehörte zu den engsten Vertrauten Papst Silvesters II.; er erschien in dessen Auftrag häufig in wichtiger Mission am kaiserlichen Hof (z.B. bei der Fahrt Ottos III. nach Gnesen 999/1000; bei der Gerichtssitzung zu S. Apollinare in Classe 1001 April 4; s. RI 2, 739 Nr. 1338c; 794 f Nr. 1407; Uhlirz, Jb. Ottos III. 313, 370, 541). Oblationarius bedeutet Subdiacon (E. Habel, Mittellateinisches Glossar [1931] 269); er hatte ursprünglich Aufgaben bei der Güterverwaltung und bei der Erledigung äußerer Geschäfte (vgl. dazu auch P. Hinschius, System des katholischen Kirchenrechts 1 [Neudruck 1959] 377, 507; W. M. Plöchl, Geschichte des Kirchenrechts 1 [21960] 139 f, 317 f). - Zur Synode von Todi vgl. Uhlirz, Jb. Ottos III. 387 f; Holtzmann, Sächs. Kaiserzeit 379; Hefele-Leclercq 4 II, 897; Wenner, Rechtsbeziehungen 153. Zur Überlieferung Thangmars s. J. R. Dietrich, Über Thangmars Vita Bernwardi, in: NA 25 (1900) 436; Wattenbach-Holtzmann 1, 61, R. Drögereit, Die Vita Bernwardi und Thangmar, in: Zeitschrift des Vereins für Heimatkunde im Bistum Hildesheim 28 (1959) H. 2, 2-46.

 

Nachtrag:

 

Regest: RI 2, Papstregesten 379 Nr. 957. - Zum Gandersheimer Streit vgl. Goetting, Kanonissenstift Gandersheim 92. - Über die Einladung zu dieser Synode s. RI 2, Papstregesten 377 f Nr. 951; zu der Gerichtssitzung von 1001 April 4 s. ebd. 372 f Nr. 941. Vgl. insgesamt auch GP 4, 85 Nr. 97.

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 210, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/ab75ea23-4109-4f43-b169-c577aa4ca8cd
(Abgerufen am 20.02.2018).

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