Regestendatenbank - 182.315 Regesten im Volltext

RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

Sie sehen den Datensatz 476 von insgesamt 535.

Bischof Hermann von Augsburg (Augustensis episcopus) beurkundet, daß der Vogt von Augsburg (Augustensis advocatus) Uvernher und dessen Sohn Uvernher ihren Besitz zu Ursberc (II.: Ursberch) [Ursberg, Lkr. Günzburg] mit allem Zubehör (u. a. dominicalia sua, cum mansis et omnibus ipsorum iusticia) der Domkirche zu Augsburg (beate Mariae genitrici dei ad altare maioris ecclesie Augustensis) unter der Bedingung übergeben haben, daß dort von den Gütern die nach der Regel des hl. Augustinus und der Einrichtung des Bischofs Nortpert (I.: Name fehlt) lebenden Brüder unterhalten werden, gewährt diesen das Recht der freien Propst- und Vogtwahl, die Ausübung der Seelsorge (predicare, baptizare, sepelire) und die Freiheit von Abgaben an den Bischof mit Ausnahme der Lieferung einer Stola an den neuen Bischof. - Zeugen, Nobiles: Otto von Richen [Hohenreichen, Lkr. Dillingen a. d. Donau], Konrat von Walerestein [Wallerstein, Lkr. Donau-Ries], Gotefried von Romesperch [Ronsberg, Lkr. Ostallgäu] (II.: Hi sunt nobiles), Heinrich, Diephart und Ödalrich, Brüder von Gnottesheim [Gnotzheim, Lkr. Weißenburg-Gunzenhausen], Heinrich von Bürron [Kaufbeuren], Gozzolt von Aseheim [Achsheim, Lkr. Augsburg], Hartnit von Graifespach [Graisbach, Lkr. Donau-Ries], Reginhart und Rödolf von Eggintal [Eggenthal, Lkr. Ostallgäu], Hatto von Grönenbach [Grönenbach, Lkr. Unterallgäu], Otto von Aske [Asch, Lkr. Landsberg a. Lech], Friderich von Uischaha [Fischach, Lkr. Augsburg] (II.: fehlt), Gerunc von Beizwile [Baisweil, Lkr. Ostallgäu], Marquart von Cheningenhusen [Könghausen, Lkr. Unterallgäu], Elbwin und Adalbert von Durniwanch [Dirlewang, Lkr. Unterallgäu] (II.: fehlen); Dienstleute der [Dom-] Kirche (servientes ecclesie) Uvitego Präfekt, Diepolt, Adalphert, Gerbolt von Lutterichishoven [Leitershofen, Lkr. Augsburg], Diepolt, Odalrich, Könrat, Trageboto von Husen [Hausen, Lkr. Augsburg], Heinrich und Konrat von Erringen [Langerringen, Lkr. Augsburg] und andere.Siegel des Ausstellers und des Domkapitels Augsburg. - Acta indictione 8., regnante Luithario rege Romanorum augusto, data Auguste 14. kl. martii.

Überlieferung/Literatur

Zwei Ausfertigungen: I. HStA München, Kloster Ursberg Urk. Nr. 1 (Or. Perg., beschädigt; mit durchgedrücktem Rundsiegel, das auf beiden Seiten Stempelabdrucke trägt: Schriftseite Domkapitel Augsburg [s. Nr. 367]; Rückseite: Aussteller [s. Nr. 366]). Rückvermerk: Originalem hanc fundationem redemi ego Augusta per fl. 4 kr. 40 die 16. Augusti anno 1643. MV. I.; ebd., Hochstift Augsburg, Münchener Bestand Lit. Nr. 462 VII, fol. 207ff (Abschrift 15. Jh.); ebd., Kloster Ursberg Lit. Nr. 10, S. 45 ff, 73 ff (deutsche Übersetzung; beide 17. Jh.).-II. HStA München, Domkapitel Augsburg Urk. Nr. 4710 (Or. Perg. mit durchgedrücktem Rundsiegel wie I.; daneben durchgedrücktes Rundsiegel, dessen größere Wachsplatte sich auf der Rückseite befindet; sie trägt keinen Stempelabdruck); ebd., Kloster Ursberg Urk. Nr. 2/II (Nachzeichnung mit durchgedrücktem Rundsiegel ohne Stempelabdrucke, 16. Jh. ?); Rückvermerke: 1. Des original wirdt beym stifft zue Augspurg gefunden (16. Jh.); 2. Daß wahre original, welches, wie oben stehet, beym stifft Augspurg auf behalten gewesen, hab ich von dem fürstlichen registratore M. Joanne Schrall an mich gelöst per fl. 440 kr. den 16. Augusti anno 1643. MV. manupropria; OrdinariatsA Augsburg, Slg. PI. Braun (Abschrift 19. Jh.). - Drucke: Lünig, Reichsarchiv 18, 675 Nr. 2 (nach II.); Ch. L. Hugo, Sacri ordinis Praemonstratensis annales 2 (Nancy 1736), Prob. 708 (nach II.). - Regesten: Gebele 122 Nr. 76; BA 9, 143 Nr. 24; RB 1, 131; vgl. Feist-Helleiner, in: AZ 37, 39 Nr. 14; GP 2I, 83.

Kommentar

Beide Ausfertigungen sind über Augsburg (bischöfliches und domkapitelisches Archiv) überliefert; von II. besorgte sich Ursberg spätestens im 16. Jh. eine Nachzeichnung, von I. 1643 sogar das Original. Feist-Helleiner, in: AZ 37, 61 weisen beide Ausfertigungen demselben Schreiber (C) zu, den Schröder, in: AHAug 6, 813 mit dem Kanoniker und Notar Hermann identifizieren will. Die Ausfertigungen unterscheiden sich vor allem durch die Zeugenreihe (s. oben); bei II. fehlt die Wendung über den Verzicht des Bischofs auf die Investitur des von den Brüdern gewählten Propstes. - Die Gründung des Klosters durch die Herren von Schwabegg-Ursberg ist um 1125 anzunehmen; Burchardi praepositi Urspergensis chronicon (MG SS Schulausg. 2) 17 (13. Jh.); vgl. dazu Backmund, Monasticon Praemonstratense 1, 86 ff; 3, 684; Ders., Chorherrenorden 147,203 ff, der annimmt, daß die Gründung unter dem Einfluß von Gerhoh von Reichersberg gestanden haben könnte. Die aus dem 14. Jh. stammenden Aufzeichnungen über Traditionen an Ursberg erwähnen die Urkunde Hermanns unrichtig zu 1134 (Schröder, Ursberg 7 f); über die päpstliche Privilegierung durch Innozenz II. 1139 s. GP 2 I, 84 Nr. 1; über die Gründerfamilie s. BA 9, 134; HAB Mindelheim 3 f; über Wernher IV. vgl. auch Nr. 382, 396. Zur Gründung allgemein vgl. auch ONB Krumbach 62; ferner W. Volkert, Kloster Ursberg und seine inkorporierten Pfarreien, in: Das Obere Schwaben vom Illertal zum Mindeltal 5 (1959/60) 232 ff. Zu den Ortsbestimmungen der Zeugenreihe vgl.: Hohenreichen: Schwarzmaier, Königtum 69, 90 f; vgl. Nr. 472; Wallerstein: Schröder, Ursberg 9 und 38; Ronsberg: BA 6, 156 Nr. 28; ONB Marktoberdorf 57 Nr. 546; Gnotzheim: Büchner, Bistum Eichstätt 1, 380; Kaufbeuren: BA 6, 258 Nr. 17; ONB Kaufbeuren 38 Nr. 151; Achsheim: Grundriß Augsburg 252; Schröder, Ursberg 9 und 28; Graisbach: BA 2, 685; Eggenthal: BA 2, 341; ONB Kaufbeuren 15 Nr. 53; Schwarzmaier, Königtum 184; Grönenbach: Baumann, Allgäu 1, 507 f; HAB Memmingen 296; Asch: ONB Kaufbeuren 3 Nr. 10; Fischach: BA 2, 52; Volkert, St. Stephan 75; Grundriß Augsburg 276; vgl. Nr. 314; Baisweil: BA 2, 318; ONB Kaufbeuren 4 Nr. 17; HAB Mindelheim 5; Könghausen: BA 9, 117; HAB Mindelheim 5; Dirlewang: HAB Mindelheim 116; Leitershofen: Volkert, St. Stephan 75; Grundriß Augsburg 225; vgl. Nr. 438; Hausen: Volkert, St. Stephan 75; Grundriß Augsburg 106; vgl. Nr. 367 Verz. I (1, 62), 453,461; es ist unwahrscheinlich, daß andere der zahlreichen mittelschwäbischen Hausen-Orte hier in Frage kommen (Hausen, Gem. Villenbach, Lkr. Dillingen a. d. Donau; Hausen, Stadt Buchloe, Lkr. Ostallgäu [so vielleicht ONB Kaufbeuren 27 f Nr. 111]; Hausen, Gemeinde Mauerstetten, Lkr. Ostallgäu; Hausen, Stadt Marktoberdorf, Lkr. Ostallgäu; Hausen, Lkr. Unterallgäu; Hausen, Lkr. Günzburg); Langerringen: BA 8,368 f; Schröder, Ursberg 14 und 33; Volkert, St. Stephan 75, 98. - Über den praefectus (Burggraf) Witego s. Nr. 472; Zeller, in: AHAug 5, 378.

 

Nachtrag:

 

Druck. Peters, in: ZBLG 43, 586f; vgl. ebd. 577ff den Nachweis, daß als Diktatvorlage die Urkunde des Erzbischofs Adalbert I. von Mainz für das Prämonstratenserkloster Ilbenstadt anzunehmen ist. Peters leitet daraus ab, daß Ursberg mit Kanonikern aus Ilbenstadt besetzt worden sei. - Die Signatur der unter II. angeführten Ausfertigung lautet jetzt: HStA München, Domkapitel Augsburg Urk. Nr. 4. - Zur Gründung vgl. HAB Krumbach 28 f. - Das Privileg Innozenz II. von 1139 s. Nr. 498. - Zu den in der Zeugenreihe genannten Reginhart und Rodolf von Eggintal vgl. Bühler, Duria-Orte 20,22; zu Gnotzheim s. ONB Gunzenhausen 107 Nr. 96.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 470, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a65825c5-26e3-42f3-824b-4243de071d11
(Abgerufen am 18.02.2018).

Bestandsinformationen