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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Bischof Eberhard stirbt; in Anwesenheit Kaiser Heinrichs III. finden die Exequien statt. - 8. kal. iun.; in vigilia ascensionis domini.

Überlieferung/Literatur

Herimanni Augiensis chronicon (11. Jh.) MG SS 5, 127; Annales Augustani (11. Jh.) MG SS 3, 126; Lamperti monachi Hersfeldensis annales (11. Jh.) MG SS Schulausg. 61; Annales Altahenses maiores (12. Jh.) MG SS Schulausg. 43 f (in nativitate s. Johannis baptistae); Annales Elwangenses (12. Jh.) MG SS 10, 18; Annales necrologici Fuldenses (11. Jh.) MG SS 13, 213; Annales necrologici Prumienses (12. Jh.) MG SS 13, 220; Necrologium monasterii s. Emmerami (11. Jh.) MG Necr. 3, 315; Kalendar in Missale des Augsburger Domes (11./12. Jh. Brit. Mus. Harl. Manuscr. Nr. 2908) MG Necr. 1, 63 (8. kal. iun.); Necrologium monasterii s. Udalrici Aug. civitatis (16. Jh.) MG Necr. 1, 123 (7. kl. iun).

- Vgl. Breßlau, Jb. Konrad II. 2, 428; Steindorff, Jb. Heinrichs III. 2, 7.

Kommentar

Herimannus Augiensis sagt, der Kaiser sei „in letaniis ante ascensionem domini“ [Mai 28] nach Augsburg gekommen; bei seiner Ankunft sei Bischof Eberhard gestorben. Die „litanie minores“ bezeichnen die drei Tage vor Christi Himmelfahrt. Da die Begräbnisfeierlichkeiten am Tage vor diesem Fest stattfanden (am Himmelfahrtstag selbst sei schon Eberhards Nachfolger eingesetzt worden), dürfte wohl der 25. Mai der Todestag sein. Diesen Tag überliefert auch das Kalendar in dem Missale des Augsburger Domes. Die Angaben der Altaicher Annalen können demgegenüber nicht berücksichtigt werden. Am Tag Johannis Baptistae befand sich der Kaiser nicht mehr in Augsburg. Die Mitteilung der Altaicher Annalen geht vielleicht darauf zurück, daß am 24. Mai der Tag der hl. Johanna ist. - Über die Bedeutung der Eintragung von Eberhards Namen im St. Emmeramer Nekrolog vgl. Nr. 264.

Ein Epithaphium Eberhards überliefert ein Blatt in der Handschrift der Nationalbibliothek Paris, Nouv. Acq. 241 (in den Rückdeckel eingeklebt):

Quid prosunt fasces, quid opes, quid fama, quid artes?

Qualescumque sumus, morte coequat humus.

Prefuit Auguste pater hic Eberhardus honeste.

Assecla iustitie, hostis avaritie.

Motus sorte pari pete cetibus annummerari,

Quos Abraham placido collocat in gremio.

(Druck: NA 6 [1881] 444 f; vgl. Wattenbach-Holtzmann 1, 259). Der Pariser Codex stammt aus Augsburg, er enthält die Gedichte des Prudentius (vgl. E. Steinmeyer - E. Sievers, Die ahd. Glossen 2 [1882] VIII). Er war Vorlage für clm 14395 (11. Jh.) aus St. Emmeram in Regensburg (über diesen s. E. Steinmeyer, Glossen zu Prudentius, in: Zeitschrift f. deutsches Altertum 16 [1873] 4). Vgl. auch Comptes rendus ed. Academie des inscriptions et belles lettres 1877 tom. 6, 87.

Zur Feier von Eberhards Jahrtag stiftete das Domkapitel vier Hufen in Bobingen [Bobingin, Lkr. Schwabmünchen] (Aufschreibung des 11. Jh. über die Besitzungen der Kanoniker clm 3739 fol. 68’; über diese Handschrift vgl. Ruland, ABtAug 1, 46 ff Nr. 7; Druck: 7. Jb. historischer Verein des Oberdonaukreises [1841] 72 Nr. 5, schlecht; s. auch Schröder, BA 8, 74). Die Formulierung in clm 3739 dürfte zeigen, daß diese Güter zum Zeitpunkt der Niederschrift der unmittelbaren Nutzung durch das Kapitel entzogen waren. Wer die Nutzung daraus zog, also für die Ausrichtung des Jahrtages sorgen mußte, ist nicht klar. Jedenfalls kann dies nicht das Kapitel gewesen sein; denn sonst müßten die Besitzungen auch in dem Oblaigüterverzeichnis aus der ersten Hälfte des 12. Jh. erscheinen. Nach Riedner, AHAug 1, 47 dienten die Oblationes der Gläubigen in erster Linie für Seelgeräte, während die „bona praebendalia“ für den Unterhalt der Kanoniker gedacht waren. Nun ist aber in dem Oblaigüterverzeichnis genannt: Bobingin huba dimidia; Bobingin hubae duae (StadtA Augsburg; Urkundensammlung Nr. 4; 7. Jb. historischer Verein des Oberdonaukreises 71 Nr. 4). Diese 2,5 Huben sind offensichtlich erst um die Mitte des 11. Jh. in den Besitz des Domkapitels gekommen, wie aus der Aufschreibung der domkapitelischen Besitzungen im Anschluß an die Schenkung Bischof Heinrichs II. hervorgeht (StadtA Augsburg, Urkundensammlung Nr. 3; 7. Jb. historischer Verein des Oberdonaukreises 70 Nr. 3; s. Schröder, BA 8, 75). Im Urbar des Domkapitels von 1310 (AHAug 1, 64 f) erscheinen Abgaben aus Bobingen, im „Liber oblagiorum“ von 1346 sind solche ebenfalls bei den Oblaigütern des gesamten Kapitels genannt (ebd. 87), ohne daß allerdings zu ersehen ist, wie groß der domkapitelische Besitz im einzelnen ist. Im bischöflichen Urbar von 1316 ist unter Bobingen als Besitz eingetragen: der Meierhof, 1 Hof, 1 Mühle und 4 Lehen (MB 34 II, 382 f). Es wäre auch denkbar, daß die vier Höfe von Eberhard zu Lebzeiten dem Kapitel übertragen wurden mit der Auflage, seinen Jahrtag zu begehen (vgl. die Schenkungen Heinrichs I. und Brunos). Das Kapitel hat diesen Besitz dann vielleicht im Rahmen der Grundleihe ausgetan; auf diese Weise könnte er ihm allmählich entfremdet worden sein. Daß die Güter in Geisenhausen und Straubing nicht im Oblaigüterverzeichnis erscheinen, besagt in diesem Zusammenhang nichts; denn diese großen Gutskomplexe nahmen immer eine Sonderstellung in der Verwaltung des Domkapitels ein. Über sie dürfte es eigene Aufzeichnungen gegeben haben.

 

Nachtrag:

 

Zur Überlieferung des Grabgedichts (NA 6, 444) vgl. Hörberg 98 f (mit der Vermutung, daß die Handschrift aus St. Ulrich und Afra stammt).

Das Missale des 11. Jahrhunderts, dessen Kalendar den Todestag Bischof Eberhards überliefert, bringt Hörberg 166 ff ebenfalls mit St. Ulrich und Afra in Zusammenhang; zur Handschrift s. auch Schröder, in: AHAug 1, 252 ff. - Zur Jahrtagsstiftung für Bischof Eberhard s. Nr. 367 Verz. II (10); die Güterverzeichnisse s. unter Nr. 302 und 367 Verz. I. - Zielinski 232 Anm. 237 erschließt aus Bonizo, Liber ad amicum V (MG Lib. de lite 1, 585), daß Bischof Eberhard Heinrich III. auf dem Italienzug 1046/47 begleitet habe, wobei auf Boye, in: ZRG 49 KA 18, 159 verwiesen wird. Die Anwesenheit Bischof Eberhards auf der Synode von Sutri ist dadurch jedoch nicht beglaubigt; vgl. dazu Nr. 217 (S. 128).

 

Regest übernommen aus: Die Regesten der Bischöfe und des Domkapitels von Augsburg, bearbeitet von Wilhelm Volkert (Veröffentlichungen der Schwäbischen Forschungsgemeinschaft, Reihe 2b), Augsburg 1985, S. 157ff.

Nachträge

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 275, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a5206868-d978-4e3e-a707-3e32702baf0f
(Abgerufen am 21.04.2019).

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