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RIplus | SFG: Bischöfe und Domkapitel von Augsburg - Bd. 1: Wikterp - Walther I. von Dillingen (769-1152)

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Nachdem Hermann die Priesterweihe auf unkanonische Weise (contra statuta canonum) erlangt hat, erhält er von [Patriarch Udalrich] von Aquileja (ab episcopo Aquileiensi) die Bischofsweihe (ordinatur), nachdem dieser die durch den Erzbischof von Mainz dazu erteilte Genehmigung (licentiam magistri sui Maguntinensis archiepiscopi) sich hatte eidlich beglaubigen lassen; dies soll durch einen Ministerialen der Domkirche (ministerialis ex potiori familia beatae virginis Mariae) geschehen. Darauf schwört der Grundhold (tributarius quidam ex eadem familia) Bero, daß er Ministeriale (ministerialem militem) sei, und bestätigt in einem zweiten Eid die vom Erzbischof erteilte Erlaubnis. - Bischof Hermann kehrt nach Augsburg (Augustam) zurück.

Überlieferung/Literatur

Uodalscalcus, De Eginone et Herimanno cap. 12 und 13 (12. Jh.) MG SS 12, 437; Gebele 113 Nr. 5.

Kommentar

Die Ordination muß nach 1099 April 30, an welchem Tag Hermann noch als electus bezeichnet wird (s. Nr. 370), und vor der Verfügung zugunsten des Domkustos Sizo, die ohne Tagesangabe zu 1099 datiert ist (s. Nr. 372), stattgefunden haben. Patriarch Udalrich, aus der Familie der Eppensteiner, gehörte zu den Parteigängern Heinrichs IV. (Meyer v. Knonau, Jb. Heinrichs IV. u. Heinrichs V. 7,180 f; Ders., St. Gallische Geschichtsquellen, in: Mitt. z. vaterländischen Geschichte 17 NF 7 (1879) 120-131; Bündner UB 1,184 f Nr. 241). Seit 1077 war er Abt von St. Gallen, seit 1086 zugleich Patriarch von Aquileja (Meyer v. Knonau, a.a.O. 47 f, 76; P. Bütler, Ulrich von Eppenstein, Abt von St. Gallen und Patriarch von Aquileja, in: Jb. f. Schweizer Geschichte 22 [1897] 251-291; Mayer, Ostalpenländer 104 ff; Schmidinger, Besetzung 345; Ders., Patriarch 69; Klebel, Patriarchen 333; Klaar, Eppensteiner 35,109 f, 112; Feger, Bodenseeraum 2,46,53,70). Wo Udalrich, der ausdrücklich die Erlaubnis besaß, neben dem Patriarchat auch die Abtei St. Gallen beizubehalten (Casus mon. Petrishusensis lib. 3 cap. 29; Feger 152 ff. Vgl. auch Riese 42 f), die Ordination Hermanns vornahm, ist nicht bekannt. Vielleicht hielt er sich um diese Zeit in St. Gallen auf (Zoepfl, Bischöfe 111; vgl. auch ADB 39, 212 ff; Histor.-biograph. Lexikon der Schweiz 3, 48). Quellenmäßig ist ein Aufenthalt Udalrichs in St. Gallen nach 1092 nicht gesichert (Meyer v. Knonau, a.a.O. 90 f; Bütler, a.a. O. 281). Daß die Weihe außerhalb Augsburgs stattfand, ist durch Udalschalks Mitteilung von der Rückkehr Hermanns nach Augsburg belegt. - Merkwürdig ist dessen Erzählung von der zweimaligen Eidesleistung durch einen Hintersassen des Domstifts vor allem deshalb, weil das Genehmigungsschreiben des Erzbischofs Ruthard von Mainz erhalten ist (s. Nr. 368), das entweder dem Patriarchen nicht vorlag oder ihm nicht genügte. Vielleicht darf man vermuten, daß die Erzählung von dem offensichtlichen Falscheid aus der gegen Hermann eingenommenen tendenziösen Berichterstattung zu erklären ist. Letzteres ist wohl der Fall bei dem von ihm berichteten Zwischenfall während der ersten Messe des Ordinierten, der legendäre Züge enthält (vgl. dazu Gebele 17; Zoepfl, Investiturstreit 317 f).

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Empfohlene Zitierweise

RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 371, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/a0738e59-5189-4d53-800f-4f3cd51013c0
(Abgerufen am 19.06.2018).

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