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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Benedikt (VIII.) gibt allen Gläubigen bekannt (omnibus sancte matris ecclesie filiis longe lateque diffusis), daß auf Bitte des nach Rom gekommenen Abtes Leduin von Saint-Vaast d'Arras (ecclesie pretiosissimi confessoris Christi Vedasti), Abt Richards Nachfolger, und gemäß früheren päpstlichen Privilegien diesem Kloster seine gesamten, namentlich genannten Besitzungen bestätigt wurden, besonders der Ort Haspres (bei Valenciennes) im Bistum Cambrai (locus in episcopio Cameracensi, qui vocatur Hasprea), der vom Abte Theodor von Jumièges mit Konsens des (Herzogs) Richard (II.) von der Normandie, des Erzbischofs Rotbert von Rouen und des Markgrafen Balduin (V.) von Flandern gegen den Ort Angicourt (am Rhony) (villa, que vocatur Angilcurt) eingetauscht worden sei und in Zukunft immer von einem dem Abte unterstehenden Prior regiert werden solle. ‒ Debita exigit ratio ... Scr. pm. Stephani not. et primi scrinii SRE. in men. Mar. et in die men. eius XVI. ‒ Dat. XII. kal. Apr. pm. Petri Hostiensis ep. et bibl. AS. temp. dom. Benedicti pp., imp. dom. Henrico imp. a. XII., ind. IIII.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) Ende 12. Jh., Arras Bibl. mun.: Ms. 1266 fol. 11. 2) 16.Jh., Arras Arch. départ.: 1 H 1 fol. 19. Drucke: Tailliar, Recherches 365; Drival, Cartulaire 59; Zimmermann, PUU. 1041 n. † 549. Reg.: JL. 4056; Santifaller, Elenco 339. Lit.: A. Guesnon, Un cartulaire de l'abbaye de St-Vaast d'Arras (Bullet. hist. et philol. du comité des travaux hist. et scientifiques 1896, 253); Voet, Étude sur deux bulles de Benoît VIII 187 ff.; Dauphin, Le bienheureux Richard 193; J. F. Lemarignier, Le prieuré d'Haspres, ses rapports avec l'abbaye de St-Vaast d'Arras et la centralisation monastique au début du XIIe siècle (Revue du Nord 29/1947, 261‒268).

Kommentar

Zur Überlieferung vgl. auch Ramackers, PUU. in den Niederlanden 79 und PUU. in Frankreich III 9 u. 16 sowie Besnier in Le Moyen Age 62/1956, 453 ff. Laut der Untersuchung von Voet ist die erstmals (vor Kop. 1) in dem aus dem 12. Jh. stammenden, aber nur in Abschrift aus dem 16. Jh. erhaltenen Chartular des Guiman (Kop. 2) überlieferte Papsturkunde eine Fälschung. Sie gibt sich schon durch ihr Formular zu erkennen. Während aber Voet das Falsifikat in die Zeit um 1170 datiert und Guiman selbst für den Fälscher hält, beweist Lemarignier, daß die Fälschung schon um 1109 entstanden ist und den Zweck hatte, Selbständigkeitstendenzen in dem sich der cluniazensischen Reform widersetzenden Priorat Haspres zu begegnen. Weiters sollten durch das Falsifikat auch Besitzrechte des Klosters auf andere in der Urkunde genannte Orte gesichert werden. Über die Anfang 1024 erfolgte Erwerbung von Haspres durch St-Vaast vgl. auch J. Lestocquoy, Un épisode de l'histoire d'Angicourt au XIe siècle (Comptes rendus et mémoires de la société archéologique et hist. de Clermont-en-Beauvaisis 1940‒41, 22). Zur Identifizierung der übrigen Orte vgl. das Ortsregister in der Edition von Drival. Die Datierung der Urkunde ist z. T. fehlerhaft, die Tagesangaben stimmen nicht überein, der Notarstitel ist unkorrekt, und auf 1024 kann nur mit der Annahme datiert werden, daß Kaiserjahr (XII. statt XI.) und Indiktion (IIII. statt VII.) verlesen wurden.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. F1273, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1024-03-16_1_0_2_5_0_1334_F1273
(Abgerufen am 20.10.2017).