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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Bischof Jordan von Limoges informiert Papst Benedikt (VIII.) auch namens des Königs Robert (II.) von Frankreich, des Herzogs Wilhelm (V.) von Aquitanien und genannter Erzbischöfe und Bischöfe, veranlaßt durch Bestrebungen des Abtes Hugo (I.) von Saint-Martial (in Limoges) auf Zuerkennung des Aposteltitels an den Confessor Martial, über dessen Legende sowie über einen diesbezüglichen negativen Entscheid einer aquitanischen Synode, vor der Hugo den Apostolat Martials nicht habe beweisen können; macht darauf aufmerksam, daß unmöglich dem Confessor als einzigem unter den 72 Jungem Christi der Apostelrang zugestanden werden könne, zumal auch frühere Päpste dies nie zu tun gewagt hätten und nach der Überzeugung aller Aquitanier der Abt nichts anderes vorhabe, als sowohl die Würde des zu Ehren des Protomärtyrers Stephan errichteten Bistums Limoges als auch den Apostolat des Petrus zu schmälern; ersucht deshalb um Bestätigung des Synodalbeschlusses sowie um eine päpstliche Antwort durch den Überbringer und verspricht, selbst so bald als möglich nach Rom zu kommen. ‒ Dominum nostrum Jesum Christum ...

Überlieferung/Literatur

Druck: Font-Réaulx, Cartulaire 89 ff. Reg.: Pontal, Conciles 110 (zu ca. 1021). Lit.: Pfister, Robert le Pieux 341 ff.; Lasteyrie, L'abbaye de St-Martial 76; Hefele-Leclercq, Hist. des conc. IV 937 f.; Richard, Comtes de Poitou I 193 f.; Becquet, Evêques de Limoges 99 u. 104; M. Aubrun, L'ancien diocèse de Limoges (Clermont 1981) 74; H. Schneider, Ademar von Chabannes und Pseudoisidor (MG. Schriften 33/II, 1988, 147 f.).

Kommentar

Das undatierte Schreiben erreichte nicht mehr Benedikt VIII., sondern wurde angeblich durch Johannes XIX. beantwortet; vgl. Zimmermann, PUU. 1114 n. † 591, doch ist diese Urkunde als Fälschung erwiesen. Es müßte daher knapp vor dem Tode Benedikts abgesandt worden sein oder doch zu einer Zeit, als dieser in Frankreich noch nicht bekannt war. Jordan wollte dadurch den Bemühungen Hugos in Rom begegnen. Eine zu Pfingsten 1024 in Paris tagende Synode (Pontal, Conciles 111) sprach sich angeblich für Hugo aus, und Jordan wurde exkommuniziert. König Robert, Herzog Wilhelm und Erzbischof Gauzlin von Bourges unterstützten den Abt, dessen Ziel sicher die Eximierung seines Klosters war. Jordan behauptet aber, auch im Namen des Königs, des Herzogs und des französischen Episkopates zu schreiben, und nennt außer Gauzlin auch die Erzbischöfe Islo von Bordeaux und Arnulf von Tours sowie die Bischöfe Isembert von Poitiers, Arnald von Périgueux, Islo von Saintes und Roho von Angoulême. Der Papst wird auf das Beispiel der römischen Bischöfe Clemens (I.), Bonifaz (I.?) und Gregor (I.) hingewiesen, über deren Stellungnahme zum Apostolat Martials aber nichts bekannt ist. Jordans Information an den Papst über Martial beruht auf der dem zweiten Bischof von Limoges zugeschriebenen, aber erst aus dem 10. Jh. stammenden Vita Martialis, wonach dieser von Petrus als Missionar nach Gallien geschickt der Begründer des Bistums Limoges gewesen sein soll; vgl. Vies des Saints 6/1948, 518 ff. Jüngst wertet Landes, Autour d'Adémar 38 ff. den Brief als Erfindung Ademars.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. F1274, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1024-00-00_1_0_2_5_0_1335_F1274
(Abgerufen am 28.05.2017).