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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Päpstliche Maßnahmen im Hammersteiner Eheprozeß. Auf Grund einer Appellation der gebannten Gräfin Irmgard, deren Verwandtenehe mit Otto von Hammerstein durch Erzbischof Aribo von Mainz gelöst worden war, sendet Papst Benedikt (VIII.) mehrmals Gesandte nach Deutschland und untersagt schließlich dem Erzbischof den Gebrauch des Pallium.

Überlieferung/Literatur

Erw.: n. 1275; Briefe Aribos an K. Kunigunde (Jaffé, Bibl. III 360 f.) u. an B. Meginhard v. Würzburg (Stimming, Mainzer UB. I 169). Reg.: GP. IV/4, 87 n. * 103. Lit.: Wappler, Papst Benedikt 88 ff.; Kippenberger, Beiträge zur Gesch. d. Erzbischofs Aribo 18 ff.; Schmidt, Erzbischöfe von Mainz 146; Engelmann, Legaten 106; Keßler, Eheprozeß 51 ff.; Lintzel, Hoftage 126; Wenner, Rechtsbeziehungen 164; Mikoletzky, Kaiser Heinrich 74 ff.; Holtzmann, Kaiserzeit 472 f.; Reicke, Der Hammersteinsche Ehehandel 203 ff.; Fried, Laienadel 390 f.

Kommentar

Aus den wenigen vorhandenen Quellen lassen sich die Ereignisse nur ungefähr rekonstruieren. Die Scheidung der Hammersteiner Ehe war auf dem Mainzer Provinzialkonzil zu Pfingsten 1023 (vgl. Boye, QuKat. 76) ausgesprochen worden, doch hatte Irmgard das Urteil nicht angenommen und war deswegen gebannt worden; vgl. Wolfher v. Hildesheim, Vita Godehardi 19 (MGSS. XI 206). Die daraufhin erfolgte persönliche Appellation der Gräfin in Rom läßt sich, abgesehen von n. 1275 und dem Briefe Aribos an Meginhard, aus den Beschlüssen der am 12. Aug. 1023 in Seligenstadt von Aribo veranstalteten Synode (vgl. Boye, QuKat. 77) entnehmen, welche über die Verwandtschaftsgrade und über das Verbot der Appellation an den Papst handeln (MG. Const. I 638), ohne freilich Irmgard mit Namen zu nennen. Von apostolicis legationibus, welche ihn in letzter Zeit beschäftigt haben, spricht Aribo in seinem Brief an die Kaiserin von Anfang 1024. Man kann daraus entnehmen, daß der Papst zunächst mit Aribo verhandeln ließ und erst spätere Gesandte die päpstlichen Strafverfügungen gegen den Erzbischof nach Deutschland brachten. Diese sind wohl durch die antipäpstlichen Beschlüsse von Seligenstadt veranlaßt worden und werden in allen zitierten Quellen erwähnt; vgl. Aribo an Meginhard: ex delatione anathematizatae Imme apostolicus mihi interdixit ornatus primos dignitatis meae. Wie sich aus dem Brief an Kunigunde ergibt, erfolgte der Palliumentzug gleichzeitig mit der Begünstigung Erzbischof Pilgrims von Köln in Rom im Dez. 1023 (n. 1267). Er veranlaßte das Schreiben der Mainzer Suffragane an den Papst (n. 1275) und die Einberufung einer neuen Provinzialsynode durch Aribo, wovon auch in den Briefen an Meginhard und Kunigunde die Rede ist. Über den weiteren Verlauf des Ehestreites und über diesen selbst vgl. außer Keßler auch A. Ortegel, Irmingard von Hammerstein im östlichen Franken (Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg 38/1944, 5‒50). Über die Verwandschaft von Otto und Irmgard vgl. E. Hlawitschka, Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen (1969) 45 ff. und J. Fried in FS. H. Jakobs 1995, 69 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1266, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1023-00-00_1_0_2_5_0_1327_1266
(Abgerufen am 29.03.2017).