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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Benedikt (VIII.) weiht mit Assistenz vieler Bischöfe die Stiftskirche St. Stephan in Bamberg und beschenkt sie reich mit Reliquien. Während der gottesdienstlichen Feier bestätigt er mit Zustimmung der anwesenden Bischöfe und Fürsten die Privilegien und Freiheiten des ihm von Kaiser Heinrich tradierten Bistums Bamberg.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Bebo diac., Epist. (Jaffé, Bibl. V 494); Chr. Suevicum univ. (MGSS. XIII 70); Hermann v. Reichenau, Chr. (MGSS. V 119); Adalbert v. Bamberg, Vita Heinrici 26 (MGSS. IV 807); Vita Meinwerci 165 (Tenckhoff, SS. rer. G. 59/1921, 87); Vita Cunegundis 1 (MGSS. IV 821). Reg.: JL. I p. 511; Guttenberg, Reg. 76 n. 160; Deinhardt, Dedicationes 5 n. 3; Böhmer-Graff n. 1964 a. Lit.: Hirsch, Jahrbücher III 162; Looshorn, Bamberg I 242; Wappler, Papst Benedikt 59; Mann, Lives V 181; Mikoletzky, Kaiser Heinrich 66; Schimmelpfennig, Bamberg 17 f.; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 33 f.; Swinarski, Herrschen mit Heiligen 443.

Kommentar

Die unter großen Feierlichkeiten vollzogene Weihe des vermutlich im Jahre 1007 (vgl. Guttenberg, Reg. 21 n. 35) durch Heinrich begründeten Stiftes St. Stephan in Bamberg hat in der mittelalterlichen Geschichtsschreibung einen sehr reichen Niederschlag gefunden. Der zeitgenössische Bericht des Diakons Bebo erwähnt allerdings nur eine summa festivitas zehn Tage nach dem Eintreffen des Papstes in Bamberg (n. 1210). Ihm folgend haben dann die Viten Heinrichs und Meinwerks das genaue Datum (VIII. kal. May) festgehalten, die auch als einzige Quellen die päpstlichen Reliquienschenkungen erwähnen (preciosis muneribus bzw. preciosissimis reliquiis ... adornavit). In der Zahl der am Weiheakt teilnehmenden Bischöfe schwanken die Quellenangaben zwischen 40 (Vita Meinwerci) und 72 (Viten Heinrichs und Kunigundes), doch wird auch aus n. 1210, n. 1213 u. n. 1221 klar, daß damals zahlreiche Bischöfe in Bamberg gewesen sein dürften; vgl. auch Hirsch 162 Anm. 5. In den meisten Quellen wird die Weihe nach dem Beispiel des Chr. Suevicum univ. und der Chr. Hermanns (ecclesiam sancti Stephani dedicavit) nur kurz erwähnt; vgl. die Aufzählung bei Guttenberg, Reg. 73 n. 155 u. 76 n. 160 sowie bei Deinhardt 5 n. 3. Ausführlicher sind die zitierten Viten, die vor allem die Bestätigung der Bamberger Privilegien durch den Papst erwähnen. Adalbert inseriert im Anschluß daran die Papsturkunden n. 1111 u. n. 1224, von denen letztere tatsächlich schon in Bamberg anläßlich der Stiftsweihe verfaßt worden sein könnte, zumal in ihr die Tradierung des Bistums in den päpstlichen Schutz durch Kaiser Heinrich (vgl. auch n. 1221) erwähnt wird, was eher bei feierlichem Anlaß in Bamberg als später in Fulda geschehen sein dürfte, und dies noch am besten mit der Behauptung Adalberts übereinstimmt, der Papst habe inter missarum sollempnia festgesetzt episcopatum ab omni saeculari potestate liberum esse. Auch in Wipos Gesta Chuonradi 1 (Breßlau, SS. rer. G. 61/1915, 9), die den Ereignissen näher stehen als die genannten Viten, wird mit Anspielung auf n. 1221 berichtet, daß der Kaiser damals mit päpstlicher Autorität ad tutandum locum privilegia publica stipulatione confirmavit. Wipo verwechselt allerdings die Weihe der Stephanskirche mit der schon im Jahre 1012 in Gegenwart päpstlicher Legaten (vgl. n. 1068) vollzogenen Bamberger Domweihe, und denselben Irrtum tradieren andere Quellen (vgl. Guttenberg 51 n. 103), so vor allem auch der zeitgenössische Historiograph Rodulf Glaber (Prou 51). Der ebenfalls in jener Zeit, aber weit von den Ereignissen entfernt schreibende Ademar v. Chabannes berichtet (Chavanon 160), daß der Papst anläßlich der Dom weihe dem Bistum Bamberg auch ein bestimmtes Missionsgebiet zugewiesen habe (parrochias in circuitu ex paganorum vicis et oppidis, dum converterentur, attitulavit). Vgl. dazu Hoffmann, Mönchskönig 93 f. und allgemein Zimmermann, Gründung 43 ff.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1219, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1020-04-24_2_0_2_5_0_1276_1219
(Abgerufen am 24.05.2017).