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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Papst Benedikt VIII. reitet im vollen Meßornat mit seinem Gefolge gegen Mittag in Bamberg ein, von wo ihm der Klerus in Festgewändern entgegenkommt. Er wird von je einem durch Kaiser Heinrich entsandten Sängerchor zu beiden Seiten der (oberen) Brücke über die (linke) Regnitz und vor dem Tor der Domburg begrüßt. Inmitten eines vierten Chores empfängt ihn sodann der Kaiser feierlich in der Vorhalle des Domes und geleitet ihn nach Handschlag in die Kirche, wo der Papst an den drei Hauptaltären seine Gebete verrichtet, um dann wiederum vom Kaiser geleitet auf der bischöflichen Cathedra Platz zu nehmen, während der Klerus den Lobgesang anstimmt und das versammelte Volk mit dem Kyrie antwortet. Nach dem Gloria und der Salutatio spenden sich Kaiser und Papst den Friedenskuß, der Papst begibt sich an die Kirchentür, um dort den Büßern die Rekonziliation zu erteilen und sie in den Dom einzulassen. Nach der Verlesung des Evangeliums hält der Papst eine Predigt und verkündet einen Ablaß für alle Anwesenden. Bei der Weihe von Chrisma und Öl assistieren ihm je sechs Bischöfe zu beiden Seiten des Altares. Auch die weiters vorgeschriebenen Offizien des Gründonnerstags zelebriert der Papst persönlich, der ansonsten den Tag gemeinsam mit dem Kaiser verbringt.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Bebo diac., Epist. (Jaffé, Bibl. V 492 ff.); Adalbert v. Bamberg, Vita Heinrici 25 (MGSS. IV 807). Reg.: JL. I p. 510; Guttenberg, Reg. 73 n. 155; Böhmer-Graff n. 1962 b. Lit.: Hirsch, Jahrbücher III 159; Wappler, Papst Benedikt 57; Mann, Lives V 180; Traeger, Der reitende Papst 36 u. 105; Herrmann, Tuskulanerpapsttum 33; Wolter, Synoden 280.

Kommentar

Die ausführliche Schilderung der Empfangsfeierlichkeiten des Papstes durch den anwesenden Diakon Bebo in seinem zitierten Dedikationsschreiben an Kaiser Heinrich wird durch den Biographen des Kaisers aufgenommen und in einigen Punkten ergänzt. Der Zeitpunkt des Einrittes des Papstes in Bamberg läßt sich durch die Nennung des Festtages (coena Domini) und der Stunde (hora prefati diei, quando officium missale cęlebrari tempus admonuit) bei Bebo sowie durch Adalberts Angaben (quinta feria maioris ebdomadae hora sexta) auf den Spätvormittag des 14. Apr. genau berechnen. Vermutlich ist der Papst aber schon am Vorabend zumindest in der unmittelbaren Nähe Bambergs eingetroffen. Das gemeinsame feierliche Begehen des Gründonnerstages durch Kaiser und Papst erwähnen weiters Ann. Quedlinburgenses (MGSS. III 85), Ann. Magdeburgenses (MGSS. XVI 167) und Ann. Saxo (MGSS. VI 674). Zu den Ortsangaben bei Bebo in bezug auf die Begrüßung des Papstes durch die Chöre (Quattuor chori in occursum eius fuerunt decenter ordinati, primus in ulteriori fluminis ripa, supra pontem alter in altera, tercius ante urbis ostium, quartus ante aecclesiam in atrio) vgl. Guttenberg, Reg. 73 n. 155 und Schimmelpfennig, Bamberg 21 f. u. 16. Guttenberg macht auf merkwürdige Übereinstimmungen des Zeremoniells mit dem bei einer römischen Kaiserkrönung üblichen aufmerksam, Schimmelpfennig 22 verweist dagegen auf das Zeremoniell beim Eintritt eines neu gewählten Bischofs. Zur Büßerrekonziliation und zur Ablaßerteilung vgl. Paulus, Gesch. des Ablasses I 65 und J. A. Jungmann, Die lateinischen Bußriten in ihrer geschichtlichen Entwicklung (1933) 89. Über die Zahl der anwesenden und dem Papst bei den Weihehandlungen assistierenden Bischöfe vgl. n. 1219 und dazu auch Schramm, Sphaira 69. Ohne auf die Einzelheiten des Papstbesuches in Bamberg einzugehen, werden Ankunft und der Empfang des Papstes durch den Kaiser auch kurz in n. 1272 und in einer Reihe historiographischer Quellen erwähnt, die Guttenberg, Reg. 73 n. 155 zitiert. Die wichtigsten sind: Ann. Hildesheimenses (Waitz, SS. rer. G. 8/1878, 32), Ann. Altahenses (Oefele, SS. rer. G. 4/1891, 17), Chr. Suevicum univ. (MGSS. XIII 70), Hermann v. Reichenau (MGSS. V 119) und Sigebert v. Gembloux (MGSS. VI 355). Über den Besuch und seinen Zweck vgl. auch A. v. Reitzenstein, Die Baugeschichte des Bamberger Domes (Münchner Jb. d. bildenden Kunst, N. F. 11/1934‒35, 140 n. 10).

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. 1210, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1020-04-14_1_0_2_5_0_1267_1210
(Abgerufen am 18.10.2017).