Regestendatenbank - 176.571 Regesten im Volltext

RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

Sie sehen den Datensatz 1272 von insgesamt 1338.

Papst Benedikt (VIII.) bestätigt dem Abt Richard von Fulda (Richardo venerabili abbati Fuldensi) den Gebrauch der Pontifikalien, schenkt ihm und seinen Nachfolgern das Andreaskloster in Rom (monasterium s. Andreę apostoli ... situm Rome) samt allen Pertinenzen, verleiht die Exemtion, verbietet die Feier des Hochamtes im Kloster ohne Erlaubnis des Abtes, bestätigt die klösterlichen Besitzungen, erneuert das Verbot des Betretens des Klosters durch Frauen, ordnet die Benediktion jedes Abtes in Rom an und verbietet auf Interzession Kaiser Heinrichs die Einsetzung eines fremden Abtes in Fulda (nec consecratus ad aliud monasterium in Fuldensi monasterio introducatur). ‒ Pontificii nostri cura ... Scr. pm. Stephani not. reg. et scrin. SRE., in men. Apr., ind. III.

Überlieferung/Literatur

Org.: Kop.: 1) Mitte 12. Jh., Marburg StArch.: Hs. Abt. K 425 p. 35. 2) Ende 13. Jh., Marburg StArch.: Hs. Abt. K 427 fol. 15. Drucke: Harttung, Dipl. hist. Forschungen 433; Zimmermann. PUU. 1000 n. † 526; Meyer zu Ermgassen, Cod. Eberhardi I 37 (zu Silvester II.). Reg.: JL. † 4029; Santifaller, LD. 326; Santifaller, Elenco 336; GP. IV/4, 376 n. 58. Lit.: Roller, Eberhard von Fulda 25; Goetting, Exemtion 127; Lübeck, Fuldaer Studien II 194 f.; Jörg, Würzburg und Fulda 48; Wehlt, Reichsabtei und König 285; Fried, Laienadel 390; Rathsack, Fälschungen 404 ff. u. 491 f.; Hussong, Reichsabtei Fulda I 224.

Kommentar

Die zitierte Kopie 1 im Cod. Eberhardi weist zahlreiche Rasuren auf. Der Name des ausstellenden Papstes wurde in Silvester geändert. Statt Richard war ursprünglich Abt Rohingo (1043‒1047) als Empfänger genannt, doch paßt weder die angegebene Indiktion in dessen Regierungszeit noch der Skriniar Stephan in die Pontifikate Benedikts IX. oder Silvesters II. und III. Außerdem werden im Fuldaer Register V 1* (vgl. Stengel, Zur hess. Gesch. 232) zwei Urkunden des Papstes Benedikt für Abt Richard genannt, von denen die eine mit n. 1270 zu identifizieren sein wird, die andere aber in die Zeit des Aufenthaltes Papst Benedikts VIII. in Bamberg (vgl. auch n. 1210 ff.) datiert werden kann. In vorliegender Fassung ist das Privileg wohl eine mit wenig Geschick und in großer Unsicherheit, wie die Rasuren beweisen, ausgeführte Fälschung Eberhards. Die Verleihung der Pontifikalien ist sicher Interpolation Eberhards, das Andreaskloster wurde erst 1024 (vgl. n. 1270) Fulda geschenkt, und die Interzession Heinrichs bezüglich einer Abteinsetzung erscheint unglaubwürdig, da dieser selbst gemeinsam mit Erzbischof Erchembald von Mainz, dem früheren Fuldaer Abt, 1013 nach Vertreibung eines Fuldaer Abtes Poppo von Lorsch mit Gewalt in Fulda eingesetzt hatte, es sei denn, man nähme eine Gesinnungsänderung des Kaisers an; vgl. dazu auch Mikoletzky, Kaiser Heinrich 45 und Lübeck in Stud. u. Mitt. 55/1937, 149. Die echte Urkunde Benedikts VIII. für Abt Richard dürfte eine Wiederholung des Privilegs Silvesters II. (n. 896) gewesen sein. Gegen Rathsack verteidigt Jakobs in GP. IV/4, 376 n. 58 die Echtheit, was jedoch für die überlieferte Fassung keinesfalls gelten kann.

Nachtrag einreichen
Einreichen
Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †1215, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1020-04-00_3_0_2_5_0_1272_F1215
(Abgerufen am 23.07.2017).