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RI II Sächsisches Haus (919-1024) - RI II,5

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Mit Hilfe Papst Benedikts (VIII.) wird der Streit zwischen Kaiser Heinrich und Bischof Heinrich (I.) von Würzburg bezüglich der Gründung des Bistums Bamberg geschlichtet, indem durch ein Kaiserdiplom den Bischöfen von Würzburg als Entschädigung für ihre Gebietsabtretungen an Bamberg das Herzogtum Franken verliehen wird.

Überlieferung/Literatur

Erw.: Regensburger Kaiserchr. 16216 ff. (MG. Dt. Chr. I/1, 374). Reg.:Lit.: E. Mayer, Das Herzogtum des Bischofs von Würzburg (Dt. Zs. f. Gesch.-Wissenschaft, N. F. 1/1897, 193 f.); G. Schmidt, Das würzburgische Herzogtum (1913) 5.

Kommentar

Während noch Mayer in der Nachricht der Kaiserchronik einen gewissen Wahrheitsgehalt erkennen zu können meinte, hat dies bereits Schmidt völlig verworfen. In der neueren Literatur wird die Kaiserchronik nicht mehr als Erkenntnisquelle für die Entstehung der Herzogswürde des Würzburger Bischofs gewertet. Zur Geschichte des Herzogtums vgl. Hirsch, Jahrbücher II 172 ff. Die ältere Literatur verzeichnet weiters A. Wendehorst, Tabula formarum curie episcopi (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg 13/1957, 109 n. 176). Zuletzt äußerten sich zum Problem Th. Mayer, Fürsten und Staat (1950) 282 ff. und Die Würzburger Herzogsurkunde von 1168 (FS. F. Steinbach 1960, 252 ff.) sowie E. Schrader, Vom Werden und Wesen des würzburgischen Herzogtums Franken (ZRG. GA. 80/1963, 27 ff.); vgl. auch Zimmermann, Gründung 47. Von einer herzoglichen Gewalt der Würzburger Bischöfe kann erst seit dem Privileg Friedrichs I. von 1168 die Rede sein; vgl. dazu auch Wendehorst, Bistum Würzburg 166 f. Das Privileg von 1168 verwendet aber als Vorlage ein kurz vorher entstandenes Falsifikat auf den Namen Kaiser Heinrichs von 1018 (MG. DH. II n. 391; Böhmer-Graff n. 1930), das von der Übertragung gewisser Jurisdiktionsrechte an die Würzburger Bischöfe in toto ducatu vel comeciis orientalis Francię spricht; vgl. dazu Wendehorst, Bistum Würzburg 81. Ebenso wird bei Frutolf-Ekkehard (MGSS. VI 193) die Verleihung der Würde eines ostfränkischen Herzogs an die Würzburger Bischöfe schon in die Zeit Kaiser Heinrichs und ins Jahr 1014 datiert. Der Autor der Kaiserchronik dürfte von diesen Quellen beeinflußt worden sein. Er verlegt die Ereignisse aber in die Zeit des Aufenthaltes Benedikts VIII. in Bamberg (n. 1210 ff.) und vor n. 1219, so daß man am ehesten an die Bamberger Synode (n. 1213) denken möchte, zumal neben der Intervention des Papstes auch die der Fürsten erwähnt wird: Mit der vursten gelubede so gerieten si dem chunige ‒ des half der bâbes Benedictus, den strît den gescieden si alsus, daz der chaiser der Franken herzentuom gab dô ûf das bistuom ... Alsô der strît gesceiden wart, ze Bâbenberch, in der stat. Damals war freilich der Streit zwischen dem Kaiser und Würzburg längst bereinigt; vgl. Wendehorst, Bistum Würzburg 80. Auch kann damals der 1018 verstorbene Bischof Heinrich I. nicht mehr als Gegner des Bamberger Bistums aufgetreten sein, höchstens dessen Nachfolger Meginhard, der auch an der Bamberger Synode teilnahm; vgl. Wendehorst, Bistum Würzburg 90. Die laut der Kaiserchronik auf Intervention des Papstes damals angeblich ausgestellte Kaiserurkunde ist wohl mit dem Falsifikat von 1018 zu identifizieren, das der Autor nur unachtsam mit den Ereignissen von 1020 in Zusammenhang brachte.

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Empfohlene Zitierweise

RI II,5 n. †1214, in: Regesta Imperii Online,
URI: http://www.regesta-imperii.de/id/1020-04-00_2_0_2_5_0_1271_F1214
(Abgerufen am 24.07.2017).